Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- 11 (9.11.1929)
- Date
- 1929-11-09
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Breslauer Jüdisches ©emeinbeblatf 1S5 Jüdische Tuberkulose-Fürsorge u««a»sträi»e» I. tliitir* '—IS Uhr. Freudenthal Jakob, Prof. Dr., Philosoph, geb. 1839 zu Badenselbe (Hannoo.) u. gest. 1907{in Schreiberhau, war ein Zögling des Bresl. Seminars und von 1864—88 Lehrer an demselben. 1875 habilitierte er sich, wurde 1879 a. o. und 1888 ord. Prof, an d. Bresl. Universität; sein Arbeitsgebiet war die GeschO der Philosophie. Eine Zusammenstellung s. Arbeiten siehe: B r a n n, Gqsch. d. Sem. 1904, 129. (I. L.) Freund Jak. (Pseudo (E. F. Trebnitz), Schristst. u. Relig.-Lehrer, geb. 31. 5. 1827 zu Trebnitz (Schl.), erhielt s. Ausbildung auf höh. Schulen u. dem jüd. Lehrer-Seminar, war Lehrer in verschied, kleinen Städten Schlesiens und bis zu s. Tode (8. 6. 1877) an der isr. Relig.-Schule in Breslau;^er ist Vers, einer Reihe von Lustspielen, von welchen einige auch zur Ausführung gelangten, weitesten jüd. Kreisen ist er aber als Derf. der Techinna ,Lianna" bekannt/ (Gem.-Akt. u. Brümmer, Lexikon der deutschen Dichter.) ■ Freund Wilhelm, Dr., ,cher gute Freund der Gymnasiasten*, klassischer Philologe, geb. 27. 1. 1806 in Kempen (Posen), stud. in Berlin und in Breslau, eröffnete hie - 1828 eine jüd. Relig.-Schule, war eine Zeitlang Lehrer am Elisabeth-G >)innasium. verwaltete 1848—1851 pr-vis. d. Direkt, des Hirschberger Gymnasiums, machte dann größere Reisen, war von 1855—1870 Direktor der höh. isr. Gem.-Schule in Gleiwitz und lebte dann bis zu seinem, am 4. 6. 1894 erfolgten Tode in lit. Tätigkeit in Breslau. Auch an dem Re>htskampf der Juden beteiligte Fr. sich sehr eifrig und gab in den Jahre r 1842—1845 einig« diese Angelegenheit behandelnden Schriften heraus. (Heppner-Herzberg, W. u. I. L.) Freund Dr. Wilh. Salomo, Geh. Justizrat, geb. in Breslau 28. 9. 1831 und gest. 26. 8. 1915, war schon mit 17 Jahren Abiturient und mit noch nicht 20 Jahren Dr. Er erfreute sich, als Jurist und als Mensch eines großen Ansehens, war von 1871—1914 Stadtverordneter und seit 1887 Stadtv.-Borsteher, wur ie 1876 in den Landtag und Reichstag gewählt, war seit 1879 Borst.-M itgl. der Anwaltskammer und seit 1884 Bors, derselben: auch dem Borst, der jüd. Gem. gehörte er eine Reihe von Jahren an. Anläßlich s. öOjähr. Amtsjubiläums am 1-. 5. 1901 wurde er Ehrenbürger von Breslau, Ehrendoktor der jurist. Fakultät der Universität und Ehrenmitglied der „Gesellsch. d. Brüder". (Gem.-Akt. u. Brandeis, illustr. jüd. Bolkskal. 5662.) Freyhan Ad., geb. 8. 10. 1840 in Breslau, besuchte bis 1857 d. Gymnas. u. widmete sich dann dem kausm. Berufe; 1861—1883 war er im Geschäfte eines Oheims tptig, nach besten Tode er es käuflich erwarb u. weiterführte. Ein Freund! Des Bercinswesens, wandte er s. freie Zeit dem Bresl. Handwerkerverein und der „Bresl. Dichterschule" zu, dessen Vorsitz, er bis zu s. Tode (14. Februar 1909) war und besten Organ „Monatsblätter" er längere Zeit redigierte. Von ihm sind mehrere Lustspiele erschienen, und von seiner Liebe u. Treue zu dem Glauben der Väter legt das folgende Gedicht beredtes Zeugnis ab: An die Abtrünnigen. Begeistert für die Wahrheit und das Recht Sind Eure Väter! ihren Weg gewandelt. Doch Ihr, ein ehrvergessenes Geschlecht, Habt treulos an der Ahnen Stamm gehandelt. Der frommen Väter stolzes Heiligtum, Um das sic manch' Jahrhundert lang gestritten. Und, unbesiegbar, Das Martyrium Des Feuertods und Schmach und Hohn erlitten, Das sie Euch anoertraut als höchstes Gut, Habt Ihr, ein VoÄ gesinnungsloser Erben, . Verraten und verlaust mit kaltem Blut, Um eitel Rang und Titel zu erwerben. Just wie «in nichtig Ding, ein schlecht Gewand Man von stch wirst, so warst Ihr sonder Zagen Den Glauben weg^ der uns mit Euch verband Und durch der Zeiten Stürme uns getragen. Euch lenkt die Scham um eig'nes Fleisch und Älut, Ihr aber nennt's Das Machtgebot der Zeiten. Ihr rühmt Euch mit der Ucberzeugung Mut, .Und seid zu feig, stir Euer Volk zu streiten. Und seid zu feig, snit Eureni Volk das Leid Gemeinschaftlich zis tragen und zu dulden, Das ihm der Bruderhab und Wahn und Neid Von alters her bereitet ohn' Verschulden. Und was gewann« Ihr? Der Gegner spricht Verächtlich von dem Spiel, das Ihr getrieben; Er achtet Euch und Euer Opfer nicht. Was Ihr ihm wart, das seid Ihr ihm geblieben. Auch seine Lehre beut der Pflichten Last, Und nun Ihr Eurem Glauben abgeschworen. So seid Ihr dort ein ungebetener Gast Und Euer Glaubensheini habt Ihr verloren. Wo ist der Port, Der Euer Schifflein schützt. Wenn es im Kampf mit Sturmesnot und Wellen? Wo ist der Anker, der es hält und stützt, Droht es auf felsiger Klippe zu zerschellen? Weh über Euch! wenn mit gewaltiger Macht Des Schicksals Prüfung Euch entgegenfchreitet. Und wenn des bangen ZweifelsDüstre Rächt Die Schwingen über Eure Seels breitet. Und doch, und doch! es reut Euch einst der Fehl! Dann flüstert Cure Lippe im Vereine Mit Euren Brüdern: Höre Issrael! ' Gott, unser Herr ist "rin zig. ist der Eine! ' I! (Brümmer; Wininger.) Freyhan Mich. b. Salomo, geb. 27.;2. 1752 in Freyhan und gest. am 13. Kislew 1826 in Breslau, verlor früh s. Vater und kam in jungen Jahren mit seiner gänzlich 'mittellosen Mutter und fünf unversorgten Schwestern hierher, wo er durch Fleiß und! strengste Redlichkeit zu Dermögen u. Ansehen gelangte; „das einmal gegebene Wort war ihm heilig und er erfüllte es mit strengster Gewissenhaftigkeit". Nach seiner Verheiratung mit Liebe Abraham aus Berlßi erhielt er das Privileg, sich in Breslau dauernd aufhalten zu dürfen. Cr besaß ■ eine außerordentliche Liebe zur Fämilie und hat 3? arme Mädchon seiner Verwandtschaft ausgestattet u. verheiratet. In seinem Testament setzte er ein Legat aus zur Erlernung des Handwerks unter den Juden, und auch der I. K. D. A. hinterließ er di« Summe von 2000 Talern. Auch seine am 5. Schebat 1832 verst. Frau hatfast ihr ganzes Vermögen Wohltat. Stiftungen ver macht. Beide, Mich. u. Liebe Fr., ruhen aufsdem Friedhof Claassenstraßc 2114 u. 2113. (Gem.-Akt. u. M. B. FkieDenthal, Vermischte Aus fätze, Breslau 1841, 92.) Friede nt h'äl Isidor, Geh. Komm.-Rat, seit 1869 Präsid. der Handelskammer, Vors, des Repräs.-Koll. der isr. Wajsemmstalt, war vom 1. Februar 1863 bis zu. seinem am 19. 10. 1886 erfolgten Tode Vorst, der Bresl. Synag.-Gemeinde und erreichte ein Älter von über 74 Jahren^ ein Bild von ihm befindet sich im Sitzungszimmer Der Gem. (Gem.-Akt.) Friedenthal Mark. Bär, Kfm., Gutsbes. u. Schriftsteller, Berf. oersch. theolog. philos. Werke (Jkre Emunah, 1816-^-18, u. Jestod ha-dath, 1821—23), geb. um 1781 in Gr.-Glogou, k im 1812 nach Breslau und gelangte hier zu Ansehen und Reichtum un i starb ani 8. 12. 1859. Er besaß vielseitige Kenntnisse u. eine, groß« Ä ombinationsgabe, verf. seine Arbeiten meist in hebr. Sprache, ließ sie i is Deutsche übertragen, auf eigene Kosten drucken und verschenkte sie an [ ireunde der jüd. Wisfenschait Er war Mitgl. des Ob.-Vorst.-Kollegiums und hielt m oersch. Vereinen t-isweilen Reden u. Borträge. (K a y s e r l i n g, Gedenkblätter u. Gem.- Akten.) ' ' Fürstenthal Raphael, Dichter, Ucl ersetz« und Verf. verschied. Bücher, geb. 1781 in Glogau, verbrachte t en „größten Teil seines an Arbeit und Entbehrungen reichen Lebens" ii Breslau und starb hier am 28. Schebat 1855; sein Grabstein (Claassen traße Nr.. 319) nennt ihn: -»ii bru’CK onp’ D'ico pv pb nm* Das Jüdische Genesungsheim in Meran haben die Unterzeichneten gelegen! ich ihres Aufenthaltes daselbst besucht. Das ganze Haus, t as. bekanntlich Lungenkrank? aufnimmt, ist einer vollkommenen Instandsetzung und Modernisierung unterzogen »vorden. Alle Räume machen einest sehr freundlichen und anheimelnden Eindruck. Praktische Liegehallen sind in .überreichem Maße, vorhanden. Auch ist eine vollkommen neue Röntgeneinrichtung beschafft worden. Hinter dem Hause ist ein wunderschöner. Garten vorhanden, n d?m sich eine Shnagogechesindesi, in der regelmäßig Gottesdienst abgehalten wird. ' . Die Anstalt ist fast ausschließlich durch den Wohltätigkeitsinn edler Stifter errichtet worden und wird auch heute noch von Privaten und Organisationen gestützt und gefördert. , Möge die schöne Anstalt, die schon oft unserer-hiesigen Jüo. Tuberkulose-Fürsorge zur Verfügung stand, auch weiterhin blühen und gedeihen zum Segeü der sie aufsuchenden Kranken. Paula Ollendorfs. .■ Gustav Glaser. Siegfried Laboschlii, der weit über die Grenzen seiner schlesischen Wahlheimat hinausberühmte Kunstmaler, Radierer und Kunstkritiker,, wurde am 7. November 1929 . unter großer Anteilnahme aller Breslauer Gesellfchastsschichten auf dem jüdischen Friedhof Lohestrahe zur letzt«! Ruhe besticktet. . Ein gottbegnadeter Künstler, ein! gerechter, vorurteilsfreier Mann, ein treuer Bruder der UObD-Loge, ein liebenswürdiger, witziger, Gesellschafter, eine bemerkenswerte' Erscheinung im Breslauer Kunstleben ist mst ihm hingeganszen. Die Synagogen-Gemeinde besitzt einige, hervorragende Werke seines! Pinsels, z. B. die Porträts von Geheimrat Freund und von Eduard Sachst dte.im vorigen Jahre in der Aufstellung seiner Werke anläßlich seine« 60. Geburtstage» zu sehen waren. . R. - iiHiiiiinn^iiHiuiiiiHiiiiMiiHiitMiiuitHmmiNMmtiiiniiiiiiiiiimiiimimiiiiM iiwiiii HiiiiiiniiiimnuiiiiiiiiiiiiiiiiwiiiiiuiiiiHiaiiaNNi Beachten Sie Bitte hei Ihren AnfWoeb unsere Inserenten!