Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 95 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Polen. Warsihau. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den bekannten jüdischen Gelehrten Tr. Poznanski mit dem Warschauer Rabbinat zu betrauen. Dr. Poznanski gehört zu den nicht sehr zahlreichen jüdischen Gelehrten, die ihre wissenschaftlichen Arbeiten auch in hebräischer Sprache veröffentlichen und seit den Anfängen der zionistischen Bewegung ihr treu und aktiv zur Seite steht. Ukraine. Zürich. Ter Pariser I.-Koirespondent der I. P. Z. berichten Tr. Markus Krämer, den die Exekutive der jüdischen Welthilfskonferenz nach Polen. Galizien und der von Polen besetzten Ukraine entsandt hat. um die Lage der ukrainischen Flüchtlinge und die Möglichkeiten für Hilfeleismng zu studieren, melkt nach Paris, daß im Otebiete von Rowno sich derzeit gegen (000 Waisen befinden, in Lemberg 160. Aus Wolhvnicn und Ostgalizien seien bereits -tl) WO ukrainiich-jüdischc Emigranten zu ihren Verwandten nach Amerika abgereist. Tie durch das Joint p*' währte Hilfe genüge nicht, und auch das ukrainische Hilfskomitee in Warschau habe nicht genügend Mittel. Es sei dringend notwendig, sanitäre Hilft und Hilfe durch Arbeilsproduktivierung zu organisieren. Für Wolhvnien und Ostgalizien brauche man mindestens 100 000 Francs monatlich. Wenn nicht sofort Hilfe komme, werde die Lage kawftropbal werden. Zahlreiche Emigranten, die bereits ^chiffskar:en von französischen Häsen nach Amerika haben, können nicht abreisen. da ihnen der Warschauer französische Konsul keine Transitvisa erteile. Sowjet-Rußland. -n? Äorono. I. E. B. Ter berühmte jüdische Historiker .:-i. Tubnow verständigte den litauischen Minister für jüdische Angelegenheiten. Tr. Solonvjtscbik, er hoffe in kurzem in Litauen einzutreffen. Litauen. Kowno. I. E. B. Ter litauische Kabinensral hat den Antrag des Ministers für jüdische Angelegenheiten, Tr. Solowcjtichik. den zur Verteilung gelangenden Boden unter sämtliche litauisck)e Bürger aufzuteilen, a n - genommen. Tie jüdische Bevölkerung begrüßte diese Entscheidung mit großer Genugtuung, da ihr hierdurch die Möglichkeit zu neuer produktiver Arbeit gegeben wird. Italien. die nationaljüdische Entwicklung Palästinas. AuSdrvck ge^ geben und seinen Willen bekundet, in seiner Art dazu fofe zutragen. Amerika. London. Vor kurzem wurde gemeldet, daß der amerikanische Senat mit Gültigkeit für 15 Monate das im Prinzip vom Parlament angenommene Gesetz zm Beschränkung der Einwanderung mit der Modifikation angenommen habe, daß die zulässige Einwandernngsquote mit drei Proznt der betreffenden im Lande lebenden Nation nach der Volkszählung von 1910 festzusetzen sei. Da aber Wilson aus den: Amte geschieden ist, ohne dem Gesetz die Genehmigung erteilt, noch auch sein Veto eingelegt zu haben, tonn das Gesetz nach amerikanischem Recht nicht nm nicht in Kraft treten, sondern ist als gänzlich gefallen anzusehen. Es ist onzunehmen, daß das Gesetz dem Parlament neuerlich zur Beratung und Beschlußfasiung vorgelegt werden wird. (Inzwischen hat im Lande, namentlich von jüdischer Seite, vor allem von der jüdischen Einwandererhilfsorganiiotien „Hias", eine starke Agitation gegen das Gesetz eingesetzt, nm die Wirkungen dieser der allgemeinen Krise in Amerika entsprungenen Maßregel abzuwerfen und wenigstens Milderungen durchzusetzen. Red.) W. M. Z. Palästina. Jerusalem. Am 21. Febiuar fand hier eine Versammlung der Agudas Iisroel unter dem Vorsitz des Herrn Pappenheim aus Wien statt. Ter Vorsitzende sprach in feiner Eröffnungsiede über die Ursachen, die bis jetzt die Agudah gehindert Halen, größere Tätigkeit in Palästina zu entfalten, mit der aber in Bälde begonnen werden muß.' Auch der Telegierte der Schalome-Emune-Jisroel aus Polen war auf dieser Versammlung anwesend und sprach auch von den Arbeiten, die die orthodoxen Juden in Palästina zu verrichten haben. Zum Schluß wurden Resolutionen angenommen, die von der sofortigen Aufnahme der Arbeiten der Agudah auf dem Gebiete der Landwirtschaft, Industrie und Erziehung sprechen. Zur Ausführung dieser Bejchlüsie wurde ein zwölfgliedriger Ausschuß gewählt. Jerusalem. Ter Generalvertreter de Jca und der Baron Rothschild-Kolonien, Herr Frank, ist ^zu längerem Aufenthalt nach Palästina gekommen, um den gegenwärtigen Zustand Palästinas zu studieren. Jerusalem. Wie.der Toar Hajom von arabischer Ouclle erfährt, soll in Zukunft bei Ernennung von Beamj len in Palästina folgende Norm beabsichtigt Waden: Musel-! manen 35 Prozent, Juden 25 Prozent und Christen 20 , Prozent. W«rrschau Tas Palästinaamt in Warschau erhielt die Verständigung, daß das italienische Konsulat infolge der unter den Emigranten ausgebrochenen epidemischen Krankheiten die Erteilung der Transitvisa durch Italien für die Tauer von 6 Wocben eingestellt habe. Gleichzeitig wurden Triest wie auch alle anderen italienischen Häsen für die Emigranten gesperrt. Die Palästinaeinwanderung aus Polen muß daher, da ihr derzeit ausschließlich der Weg über Italien offen steht, für die Toner von sechs Wochen eingestellt werden. Diejenigen Emigranten, die bereits italienische Visa besitzen, können ihre Reise antreten, müssen sich jedoch an der italienischen Grenze in Tarvis einer Tesinsektion unterziehen. Rom. Luigi Luzzatti, der Profesior der Nationalökonomie an der Universität Padua, der große Volkswirtschaftler und Staatsmann, der nicht allein wiederholt Finanzminister, sondern auch Ministerpräsident war, vollendete in völlig geistiger und körperlicher Frische am 11. März sein 80. Lebensjahr. Abkömmling hervorragender jüdischer Gelehrter, hat er erst kürzlich seiner Freude über Dar erste Zvteralmmg-lager. Zu dem vor einigen Tagenen in Stmrgard geöffneten Internierungslager schreibt die „Jüd. Arberterstimme^: Seit dem Kriege haben wir in Deutschland eine ost-! jüdische Arbeiterschaft. Wir wollen heute nicht daran erinnern, wie grauenvoll deutsche Generäle gerade -der jüdischen Arbeiterschaft gegenüber gewütet haben, wie entsetzlich die Sklaverei, die Deportationen gerade -in den Gebieten des Ostens gewesen sind, Deportation und Sklaverei, gegenüber denen die belgischen Vorkommnisse unbedeutend erscheinen. Wer im Osten das System der „Ezak", der j Eifenbahn-Zwangs-Arbeiterkompagnien kennen getarnt hat, die Menschen gesehen hat, die völlig recht- und» schutzlos waren, die zu einem Hungerlohn arbeiten mußten, die bei Fluchtversuchen wie in den herrlühsten Zeiten des Sklavenhandels, von der deutschen Feldgendarmerie gehetzt und «chgespürt wurden, die preisgegeben der WilWr ihr» Offi*. ziere und Unteroffiziere waren, der wird diese- Bild un vergessen. Ebensowenig wie der, da die nowka, das Eilmch von BialowüS tamenackmr fafc jjok