Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 95 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Urwald, in dem Herr Korftrar Major Esckerich sich in der Behandlung von Arbeitern trainierte und die Vorstudien schuf zur Behandlung fremdstämmiger Auslän^r im deutschen Bayern. Dir werden zur gegebnen Zeit diese Vorkommnisse beleuchten, und wir werden dafür sorgen, daß die deutsche Oeffemlichkeir. die deutsche Arbeiterschaft, von diesen Schandtaten erfährt und sich ihrer Verpflichtung den Opfern gegenüber bewußt bleibt. Heute nur soviel, daß in Deutschland einige rauiende ostjüdische Arbeiter leben, die in den Bergwerken, in den Hünen Schulter an Schulter mit ihren deutschen Genauen Derie schaffend wirken. Jüdische Arbeiter, denen durch deutsche Kriegsführung ihre heimische Arbeitsstelle zerstör: ift, die zum großen Teil zwangsweise nach Deutschland geschleppt worden sind. Sie haben keine D i e d e r o u t m a ck u n g twrlangr. Sie haben sich in die Reiben der deutschen Arbeiterschaft gestellt, ne und iroy aller Müden, ::oy aller Entbehrungen keine Schieber und keine Händler geworden. Sic arbeiten. Heule sind die jüdischen Arbeiter in Deutschland auf das T^öerste bedroht. Die deu icke Regierung bat gegenüber den jüdischen Arbei:e:n eine ganz besonders eigcna'tige. eine typisch deui'ckx' Form der Diedergurmachung gefunden: das Jnternierungölaaer. Den Forderungen der alldeutschen P-ene. den Forderungen der deutschen Kriegsverderber bar auch die vreußi'che Regierung, das preußische Ministerium des Innern und 'ein sozialdemokratischer Minister Severina n a ch g e a e d e n. Fn S t a : g a r d ist in diesen Tagen das eiüe Internierungslager eröffnet worden. Man muß eesrcben. daß die preußische Bürokratie ihre Ausgabe mir großem Ge'ckick gelöst bar. Alle diejenigen jüdischen Arbeiter, die eine Arbeitsstelle baben. ohne daß sie vom Landesarbeitsamt vermittelt wurden, sie alle können ausgewiesen und. da die Ausweisung praktisch unmöglich isr. interniert werden. Man muß ein wenig die preußischen Landesarbeitsämter kennen, um den ganzen Hohn dreier Bestimmung zu p-ersreben. Die preußischen Landesatbeilsämrer lebnen es in der Praxis ieelenruhig ab. jüdische Arbeiter zu vermitteln, auch in den Fällen, wo nachgewiesenermaßen keine deutschen Arbeiter vorhanden sind, um die Lücken auszusüllen. Dir und in der Lage, auch hier mir einigem Material zu dienen, das die Vorurteilslosigkeit der Landesarbeitsämter in hellstem Lichte erstrahlen läßt. Die jüdischen Arbeiter, die in den Gruben, in den Eiienbünen ibre schwere Arbeit leisten, und fast ausnahmslos nickt durch die Landesarbeitsämter vermittelt worden. Die deutschen Gewerkschaften baben gerade dorr, wo jüdische Arbeiter zablreich beschäftigt sind, verstanden. um was es sich hier bandelt. Sie baben das Ministerium darauf aufmerksam gemacht, daß die jüdischen Arbeiter nickt Schuld an der Arbeitslongkei: deutscher Arbeiter tragen, daß es sich bier nicht um Elemente bandelt, die deutsche Arbeiter aus ihren Stellen verdrängt baben. Herr Minister Severing scheint aus die Eingabe der freien Gelverkschanen weniger Den zu legen als aus die Angriffe der alldeutschen Prene. Alle jüdischen Arbeiter sind daher jetzt bedroht, können rechtlos, können arbeitslos gemacht werden. Nickt genug damit. In Zukunft wird das Satirspiel noch weiter gehen. Gemäß dem Erlaß muß der jüdische Arbeiter, um die Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, seine Beschäftigung Nachweisen, und um eine Beschäftigung zu bekommen, die Aufenthaltserlaubnis vorzeigen. Es bleibt seine Sache, diesen sinnlosen Widerspruch zu lösen. Die erste Folge des Erlasses wird sein, daß tausende jüdische Arbeiter brotlos gemacht und ausgewiesen werden. Da sie der Ausweisung nicht Nachkommen können, machen sie sich strafbar, find sie .kriminelle", da sie Kttminelle sind, können sie interniert werden. Man siebt, der Ring ist geschloffen. Wir lehnen es ab, mit Bitten und Beschwörungen an die preußische, an die deutsche Regierung heranzutreten. Wir wisien, was lvir von diesen Stellen, von diesem System zu envarien haben. Aber wir machen die deutsche Arbeiterschaft aufmerksam auf das Verbrecheen gegen die jüdischen Albeitsgenossen. Sie kann und darf sich nicht mitschuldig machen, sie hat sofort Stellung zu nehmen, sie hat.zu trerhindern, daß tausende produktiver Arbeiter zwangsu^ise zu Schiebern, zu Händlern gemacht werden. Sie ha: zu verhindern, daß rauiende ehrlicher Arbeiter, anstatr sich durch ihrer Hände Werk zu ernähren, auf Staatskosten eingepfercht und zu Müßiggang, zum Untergang verurteilt weiden. niiTTTmi im irr i m» m min fimn- Von Berg und Tal TTTTn-rmiirrm ■■■■■■ rrn ■ m nimm Köln. Sonntag bcn 27. März findet in den Räumen der Lesegcicllschasr, Langgasie. ein großes Purimfcst mit anschließendem Gesellschaftsbau zugunsten des Indischen Nationalfonds statt. Außer einem umfangreichen gemütlichen Teil werden hervorragende künstlerische Kräfte anftreten. u. a. Herr Naumow» Fleischmann, der bekannte Lbcrkantor aus Frankfurt a. M.. dessen künstlerische Meinungen schon verschiedentlich auch in uichtjüdiichcn Kreisen und Tagcsblättcrn lebhafteste Anerkennung fanden. Im übrigen verweisen wir aus den Anzeigenteil. Bonn. Im jüd. Arlwiter-Kuiturvercin sprach am Sonntag den 2". März Herr Alfred Berger-Berlin über „Palästina und d.r jüdische Arbeiter". Zunächst behandelte der Redner die Lage des jüd. Arbeiters in der Diaspora. Der Urproduktion, fernuehend und daher ohne Einfluß. einen zwcisrontigen Kampf führend gegen antisemitische Gesetzgebung sotvohl wie gegen eine Anzahl von Gewerkschaften, die ihn aus seinen Arbeitsstellen herauszudräugen suchen, könne er wenig handelnd in sein Geschick.eingreisen. Anders dagegen wäre es nach Meinung des Redners in Palästina. In inniger Berührung mit der Urerzeugung gewänne dort der jüdische Arbeiter entscheidenden Einfluß aus dte wrrtschaftspolitische Lage des Landes. Dort zeige sich als neue Erscheinung d:e proletarische, siedelnde Kolonisation im Gegensatz zu den Methoden. der Ausbeutung, die die bisherige überseeische Kolonisation der alten europäischen Staaten anszeichneten. Oie Botentasche Die Kabbalisten. Bon I. L. P e r e z. (Fortsetzung sia.t s chlutz.s Er mißt ans seinem dürren Finger ein winziges Endchen ab und fährt fort: ..Es gibt Melodien, die Worte heben müsien... Das ist die niedrigste Stufe. Und es gibt eine höhere Stufe: die Melodie braucht keine Worte: sie wird ohne Worte gesungen. als reine Melodie... Aber auch diese Melodie bedarf einer Stimme und braucht Lippen, durch die sie dringt! Und Lippen sind — du verstehst mich doch? — etwas Körperliches. Daher ist auch die Stimme, wenn auch eine edle Form des Körperlichen, aber immerhin etwas - Körperliches! Nehmen wir an. daß die Stimme auf der Grenze zwischen Geistigem und Körpeerlichem steht „Doch in jedein Falle ist die Melodie, die der Stinune j bedarf und von den Lippen abhängt, noch nicht ganz rein, nicht ganz geistig! „Die richtige, höchste Melodie wild aber ganz ohne « Stimme gesungen... Sie tönt im Innern des Menschen, j in seinem Herzen, in allen Gliedern. So sind die Worte j des Königs David zu verstehen: „Alle meine Gebeine lobpreisen Gott!" Im Marke der Knochen muß es tönen, und das ist das schönste Loblied auf den Herrn, gesegnet sei sein Name! Denn eine solche Melodie.ist nicht von einem Wesen aus Fleisch und Blut erfunden. Sie ist ein Teil jener Melodie, mit der Gott die Welt erschaffen hat, ein Dell der Seele, die er ihr eingegeben hat... So fingen die himmlischen Heerscharen!"..." j Der Vorttag wurde unterbrochen durch das Erscheinen! eines zerlumpten Burschen mit einem Strick um die Len-! den. Er ttat in die Stube, stellte auf den Tisch vor den