Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 100 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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100 Grete Obernik: Unsere Feste verlangen Betätigung. Man »macht Schabbos«, man »baut die Sukkoh«, man »baut den Seder«. Unsere Jugend soll unsere Feste als Volksfeste begehen lernen, sich auf ihnen, jeder nach seinem Können, jede Gruppe nach ihrer besonderen Aufgabe, betätigen. Es ist nichts Neues, was wir hiermit fordern. Nur den Zusammenhang mit den alten Festen wollen wir betont wissen. Wir wollen im Galut das Leben im ersehnten Erez Jisrael vorbereiten. Wir wollen gewiß nicht den Wind der neuen Jugendbewegung in alte Segel einfangen, wenn wir der Hoffnung leben, daß, sind unsere Feste erst wieder jüdische Volks* feste geworden, sie auch wieder jüdische Familienfeste werden können. Daß sich auf diesen Festen all die wichtigen Punkte unseres Programmes, hingebende Vertiefung in die Sprache, die Kulturwerte des Judentums, wozu ich vor allem seine religiösen Schätze zähle, die Schulfragen u. s. w. ihrer Lösung werden näherfuhren lassen, ergibt sich von selbst. Auf die rechte Leitung kommt es an, darauf, wie man die Sache anfaßt. Bei dem sittlichen Ernst, der den Jugendtag beherrschte, zweifle ich nicht, daß sie sich durchführen läßt. Wir Alteren stellen uns, wenn man uns ruft, restlos in den Dienst dieser Bewegung. Sie ist der jüngste Zweig am Lebensbaume des Judentums, unser Binjamin. Mit dem Deboraliede rufen wir ihr zu: »Achareka Binjamin baamameka«, »Dir nach Benjamin!« Wir wollen mitarbeiten, wir wollen, daß unsere jüdischen Feste uns ein festes Judentum wiedergeben. Max Grunwald. Was wir Jungen braudien. Jugend hat die Kraft zum Aufschwung, zum Kampfe gegen Her*?;ebrachtes, Bestehendes. Sie ist imstande, Schwierigkeiten zu besiegen, ugend hat Ideale und hat die Fähigkeit, diese Ideale heiß zu lieben. Jedes Volk birgt Ideale für seine Wend. Jedes Volk verlangt von ihr die Erfüllung bestimmter Aufgaben. Es sorgt dafür, daß seine jungen Menschen diese Aufgaben erkennen und sich ihnen zuwenden. Jedes Volk hat das Bestreben, die jungen Menschen, die arbeiten wollen und können, an den richtigen Platz zu stellen, damit die Arbeit zum Wohle des Volkes genützt werde. Das jüdische Volk bedarf der Jugend dringender, als alle andern Völker. Sein Existenzkampf ist hauptsächlich Kampf gegen Bestehendes, Her^ gebrachtes. Seinem Existenzkampf erwachsen große Widerstände. Nur junge, begeisterte Menschen können sie überwinden. Das jüdische Volk birgt eine große Aufgabe und erwartet von der Jugend die Erfüllung/ es ist gelungen, die jüdische Jugend für diese Aufgabe zu interessieren, obwohl uns die Schule fehlt. Vereine und Bünde haben sich das Ziel gesetzt, junge jüdische Menschen auf die Lage ihres Volkes aufmerksam zu machen und in ihnen die Pflicht zur Arbeit zu decken. Ein großer Teil der Jugend, die schon nahe daran war, im Alltag aufzugehen, ein Teil jener jungen Juden, die von fremden Gedanken und Ideen mitgerissen waren, sind den Anregungen der Vereine und Bünde nachgegangen.