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Der Orient · 1847-07-02 · Heft 27 (2.7.1847) · p. Seite 211

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 27 (2.7.1847)
Date
1847-07-02
Page
Seite 211 (sequence 5)
Language
German
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211 Daniel irgend eine Gclcgcnheie zur Beschuldigung Seitens der Staatsverwaltung zu finden; aber, da sie nichts der Beschuldigung Werthes, nichts Sträfliches gegen ihn auffinden konnten, weil er gewissenhaft war, und wirklich keine Vernachlässigung und Sträfliches wider ihn aufzusinden war." Zoscs in Aegypten war seinem Monarchen treu, so wie Mardechaj dem König der Meder. Die Stände Preußens werden nicht gleich jenem medischen Minister sprechen: „weil wir denn gegen Daniel gar nichts Beschuldigendes ausfinden könjj nen, so werden wir doch etwas durch das Gesetz seines Got- | Les ausfindig machen können". Dafür bürgt uns die Bildung l und Einsicht des preußischen Volkes. Ueberhaupt knüpft sich f an die Ankunft des Messias die Hoffnung auf eine ideale Vervollkommnung des menschlichen Geschlechts, wo die Zeit der vielfachen messianischen Weissagungen der Propheten eintreffen § wird, in welcher der gesetzliche Zustand der Völker dem mora- Z lischen den Platz einräumen und die Liebe Gottes und des Menschen allein vorherrschend sein werden. Kein Volk wird mehr k gegen das andere das Schwert erheben, die Zwiste der Staaten werden nicht mehr durch Kriege geschlichtet werden — eine solche Zeit wird durch die Ankunft des Messias bezeichnet. Selbst viele Christen glauben an die Wiederkunft ihres Messias zu jener Zeit der Vollkommenheit, um jene Weissagungen zu bewahrheiten. Gleichwohl genießen sie ihre vollen bürgerlichen Rechte. Es wird nicht verheißen ein Universalreich, sondern das Reich Gottes auf Erden, an dem alle Nationen Theil nehmen werden. Ob ein Messias an der Spitze sein wird, zugleich als König von Jerusalem, um von dort aus Entscheidungen ergehen zu lassen, oder ob dieses Reich Gottes ohne Repräsentanten sein wird, ist ganz gleichgültig. 7 Ja beiden Fällen kann wohl der Emaneipation kein Hinderniß im Wege stehen. Auch Duldung für die Träume über die - Zukunft. M. B. F. Breslau, 14. Juni. Am 12. d. M. starb hier auf einer Rückreise von Berlin begriffen, im Hotel zur goldenen Gans, der allgemein geachtete, tun die Juden Schlesiens so hoch verdiente Abraham Muhr aus Pleß. In ihm verliert seine Vaterstadt einen ihrer thätigsten, als Stadtverordnetenvorsteher um ihr Wohl eifrigsi bemühten Mitbürger, die jüdische Einwohnerschaft der Provinz Schlesien ihren unermüdlichen und würdevollsten Vorkämpfer, wo es die Vertretung und Wahrnehmung ihrer Rechte nach außen galt. Sein leutseliges Z Wesen, wie sein mannigfaches Wisftn hatteü ihm trotz % seiner sehr freisinnigen Denkungsart die Achtung und Ver- * ehrnng der orthodoxesten Juden erworben und die Rach- Z richt von seinem Tode erregt die allgemeinste Theilnahme. f Heute früh wurde die Leiche mit polizeilicher Ertanbuiß auf der Eisenbahn nach Pleß befördert,, wohin der hiei stge Rabbiner, Dr. Abraham Geiger, in Begleitung j vieler anderer sich begeben, um dort im Verein mit den f Abgeordneten anderer Gemeinden der Provinz dem Verstorbenen eine würdige Bestattung' zu Theil werden zu lassen. (Schl. Z.) Offenbuch, im Juni. Eine Anzahl der hiesigen Altgläubigen haben sich an die Regierung in Darmstadt gewendet, um ein Verbot des seit kurzer Zeit von Dr. F o r m st e ch e r geleiteten Sonntagsgottesdienstes zu erlangen. O e st e r r eich. Pupu, im Juni. Der selige Rabbiner Moses Sofer zu Preß bürg hätte cs für eine lügenhafte Prophezeiung gehalten, wenn man ihm hätte Vorhersagen wollen , daß nach dem Verlauf eines Jahrzehnts nach seinem Tode die Jünger seiner Schule, die Häupter der ungarischen Orthodo.ne, zu einer deutschen Zeitschrift, zu den noch heutigen TageS von jenen verpönten deutschen Lettern ihre Zuflucht nehmen würden, um in diesen ihre Farbe zu vertreten und ihre Grundsätze anszusprechen. Der würdige Greis hätte dies nimmer gebilligt und wäre lieber sein Lebelang bei dem: „ego autem censeo Car- . lliaginein delendtieit esse“, oder bei uns — Jemach Schemeln— geblieben, bevor er in eine polemische Vertheidigung gewilligt und die cphemären,. die Schaulust der Parteimänner befriedigenden, jedoch den Keim der spätem Auflösung in sich bergenden Sieges-Trophäen hätte sehen wollen. Die ungarische Orthodo.rie hat bisher kein Kennzeichen eines innern Lebens auf dem Gebiete wissenschaftlicher oder religiöser Polemik von sich sehen lassen, sie lag scheintodt danieder und nichts war im Stände, sie zur Reaetien cmfznstacheln. Die'papaer Rabbinerwahl hat sie endlich aus. dem laugen Winterschlafe aufgerüttelt und wir können hiezu der Partei des Bessern in Ungarn nur misern Glückwunsch abstatten. Das Organ dieser Partei, „der treue Zionswächter," brachte unlängst in einer Anlage zu Nro. 20 unter dem Titel „Dissonanzen ans der Gegenwart oder Papa, L ö w, Feitel," einen Schmähartikel, wie ihn nur der gränzenloseste Farisäismns und die böswilligste Verketzerungssucht an das Tageslicht fördern konnten. Es ist wahrhaft erstaunlich, mit welcher Keckheit der edle Anonymus die im Angesichte der Welt geschehenen, nnlängbaren Thatsachen entstellt, die offene Wahrheit verdreht, karikirt, verlängnet, die stit vielen Jahren bestehenden Gemeindekämpfe nicht kennen will, jedem Streben für eine bessere Gesinnung und Befreiung von der auf den Inden lastenden-Schmach die gemeinsten und bösesten Absichten unterschiebt. Der edle Ungenannte läßt zum ewigen meineiilo der Berufung eines zeitgemäßen Rabbiners die paradiesischen Gesilde Papas in eine wilde Wüste sich verwandeln, in ,welcher nur Tiger und Hyänen ihre Wohnnng ansgesthlagm, nm darin ihr grausames Spiel zu treiben; er entb lodet sich nicht, die löblichen, wahrhaft väterlichen Absichten der herrschaftlichen Obrigkeit zu vemuglimpsen, und all. die sprechenden Beweise des Schutzes und Wohlwollens, dessen sich die 27*

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