Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1847)
- Date
- 1847-07-02
- Page
- Seite 210 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 210 — teratur in deutscher Sprache machen? Wozu würden wir Seminare und Akademien für jüdische Theologen errichten? Aber Eines entzückt mich, daß unsere Gegner einen Talmud redrvivus geschaffen. Indem sie uns die Menschenrechte vorenthalten, haben sie den Satz ausgesprochen: DIN D’Tip bürw* 'ft DIN D"np WN. Also unsere Gegner Talmudisten! — Alles Ernstes frage ich aber: Wenn Hvldheim im weißen Saal säße, und man ihm die Frage vorlegte, ob Inden, die für den Talmud Gut und Blut hirrgeben, emaueipirt werden können -— was könnte er auf diese Frage erwiedern? Wäre ich nicht Ihr Korrespondent, ich möchte Holdheim sein, um diese Frage öffentlich zu l'eaütworten. Breslau, im Juni. (Eingesandt.) Mit edlem Emans cipationseifcr, aber mit geringer Kenntnis; der jüdischen Religion, wurde der gelehrte Dr. Sachs in Berlin wegen einer Aeußeruug gegen ein verehrtes Mitglied der Ständesammlung in dev Schlesischen Zeitung getadelt Dr. Sachs stellte nämlich die Behauptung auf: daß die jüdische Religion zur Ankunft des Messias Hoffnung gebe, und die Rückkehr der jüdischen Nation in Aussicht stelle. Diese Ansicht wurde gerügt, weil sie ein Hinderniß der Emarreipation darbiete. Allein dieser Tadel schwindet, wenn wir ins Auge fassen, daß eine jede Religion, mit Ausnahme der jüdischen, an den Fürsten Europas kräftige Beschützer und Vertreter hat. So wird die katholische Religion von Frankreich, Spanien und Oesterreich vertreten, die griechische Religion von Rußland, die protestantische von Preußen, Schweden, Dänemark und beziehungsweise von England.' Dem Druck, welchen die katholischen Christen im Orient erdulden, wird von Frankreich und Oesterreich abgeholfen; die dort befindlichen Griechen werden von dem russischen Monarchen beschützt, und die Protestanten aller Länder werden von Preußen und- England begünstigt. Welcher Monarch steht dagegen Israel zur Seite? Welcher Monarch hat es übernommen, diese Glaubensgenossen im Orient, oder in der europäischen Türkei zu beschützen. Die geringste Antastung an der katholischen R-cligion wird durch die Presse weithin verkündigt, und die Hülfe und Reclamation des Staatsoberhauptes bleibt nicht aus. Rur Israel steht verwaist da, und die Bekenner der jüdischen Religion können nirgends auf Schutz oder Beistand rechnen. Kann nun der Wunsch zur Wiederherstellung eines eignen Reiches in Palästina getadelt werden? Die im Geber enthaltenen betreffenden Wünsche sind auch im IMuralis collectivus ausgesprochen, was besonders im Muffafgebet der Fall ist. „Ewiger unser, und unserer Vorfahren Herr! O, daß es Dir wohlgefällig wäre, bald mit Deiner gränzenlosen Güte zuriickzukehren"rL. „Offenbare bald die Herrlichkeit Deines Reiches (Theokratie) über uns rc. und bringe uns im Zreudengesang nach Zion, Deiner Stadt, und nach'Jerusalem". Hier ist nicht der Wunsch jedes Einzelnen -zur Rückkehr nach Palästina bemerkt, sondern die Wiederherstellung der Theokratie, und eines israelitischen Staates in Palästina. Noch leben Millionen Juden in Tunis, Abessyüien, Arabien, Persien, Ostindien, Mädagascar und China unter dem" Druck orientalischer Despoten und Halbbarbaren. Ist uns also dieses Gebet, das wir an unfern Gott wegen Wiederherstellung der Thxokratie in Palästina richten, zu verargen? Wenn nun zur Zeit des zweiten Tempels ein Lheil des jüdischen Volkes in Aegypten blieb,' und sich dort besonders in Wissenschaften und Künsten auszeichnete, ohne an die Rückkehr nach Palästina zu denken: was soll dann'den nationalisirten Juden in Europa, die unter dem milden Scepter einsichtsvoller Monarchen leben, bewegen, das Vaterland zu verlassen und nach Palästina g-u wandern? Preußens edle Könige waren stets der Schutz ihrer Religion und deren Bekenner. Sie haben die Refuges aus Frankreich, die Salzburger und die Lyroler aufgenommeu. Wenn wir die Handlungsweise unserer edlen Monarchen im Gebet befolgen , soll dieses uns zum Vorwurf gereichen? Die verehrten Stände Preußens, die so viele hochherzige Ideen bis jetzt ausgesprochen haben, werden uns solchen nicht machen. Welchen Nachtheil könnte aber auch die Hegung eines solchen Wunsches in staatsbürgerlicher Hinsicht herbeiführen? Der Prophet Jeremias sagte zu den Männern des Exils in Babel: „Bauet Häuser, und bewohnet sie, pflanzet Gärten und genießet die Früchte" u. s. w. „Suchet das Wohl der Stadt, wohin ich euch vertrieben, und betet für sie zu Gott, denn in ihrem Wohl liegt auch das eurige;" obgleich die Rückkehr der Nation nach Palästina nach Ablauf von 70 Jahren verkündet wurde. Als David seine Zufluchtsstätte im Lande der Philistäer suchte, was sagte er zu dem Könige Achisch, als derselbe ihn nicht im Kriegcsheere mitnehmen wollte? — Er bemerkte : „Aber was habe ich gethan, und was Haft du an deinem Knecht gefunden, seit ich von dir gekommen bis auf diesen Tag, daß ich nicht soll kommen und streiten wider die Feinde meines Herrn des Königs (Samuel 29, tz). So sprachen auch die Israeliten, als es sich um Vertheidigung des Vaterlandes handelte, in den Ländern, in welchen man ihnen Gelegenheit dazu gab. So sprachen sie in Frankreich, Holland und Preußen, und sie haben das Interesse des Vaterlandes wahrgenommen; sie haben ganz unberücksichtigt gelassen, ob sich in des Feindes Heer ihre Rcligionsgenossen befanden. Dem Weltstürmer Napoleon, der ihre Mitbrüder in Frankreich begünstigte, haben sie dennoch in den Ländern, wo sie Unterthanen anderer Monarchen waren , auf Unkosten ihres Landessürsten keine Dienste geleistet. Kann man ihnen demnach mit Recht vorwerfen, daß sie einen Staat im Staate bilden, und von Patriotismus für ihr Vaterland nicht beseeüt seien? Wenn wir auf die Vorfälle in Damaskus und Bukarest Hinblicken — würden diese stattgefunden haben, wenn ein israelitischer Gesandter oder Consul aus Palästina sich daselbst befunden hätte? Preußens Nationaleinsicht wird wohl dieses unschuldige Gebet als kein Hinderniß der Emanerpation betrachten. Wer dem Gottesbunde treu ist, wird auch dem Staatsbunde treu bleiben. Wir können das Lob Dämels auf die ganze israelitische Nation anwenden. „Die Minister und Satrapen suchten deshalb gegen