Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1847)
- Date
- 1847-07-02
- Page
- Seite 212 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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212 hiesigen Israeliten sowohl von Seiten des trefflichen Grund Herren selbst, als des eine wahre Römerseele besitzenden Präfecten stets zu erfreuen hatten, mit Undank zu Lohnen, mit Füßen zu treten. Unverkennbar gibt sich in dem Schmähartikel die Absicht kund, die allgemeine Meinung gegen unsere Gemeinde anfzureizen und den der Anarchie zugethaneu Pöbel dazu zu bewegen, mit Jammergeschrei und Klagen die höheren Behörden zu bestürmen und die Angelegenheit als eine allgemeine Kalamität vorzustellen. Leicht ersichtlich ist in jenem Pamphlet der verbrüderte selbstsüchtige Rachedurst und Brodneid der ungarischen Rabbinen und des Deetcr P., so zwar, daß mit dem Wegfällen der Entstellung der den hohen Behörden vorliegenden und klar erwiesenen Thatsachen der eigennützige Brodneid in seiner ganzen Nacktheit dasteht. Anonymus wird in diesen Worten allerdings wieder nur nichtssagende Redensarten sehen. Auch wird er sich vielleicht zu der außer allem Zweifel gesetzten Beweisführung der durch ihn entstellten Thatsachen nicht versteheri wollen. Schade nur, daß der Letzte Landtag das Geschworenengericht (Mx) nicht durchführen konnte; em Geschworenengericht von 24 ungarischen und polnischer-, Rabbinen hätte gewiß seine Zustimmung, als des Beschützers der Menschenrechte, der Gewissensfreiheit und der Ueberzcugungstreue, erhalten, und wäre ihm die schönste Errungenschaft 'des l9ten Jahrhunderts gewesen. -Nicht wahr, Herr Anonymus? Der Anonymus ist jedoch ein gewissenhafter und -zuverlässiger Anwalt und führt die Sache seiner Clienten mit aller Vorsicht: er appellirt schon von vorneri herein an die europäische und zunächst an die deutsche Inden heit. Wir bedauern sehr, ihm den Rabbinats- Kandidaten N. zu Preßburg nicht als Mitglied des Appellations-Tribunals empfehlen zu können. Ein gebürtiger Mähre absolvirt er gegenwärtig dem Gesetze gemäß zu Preßburg die Philosophie und beabsichtigte zugleich r seine tatmudische Ausbildung an der dortigen Jeschiba zu erlangen. Der Rabbiner verweigerte ihm jedoch den Zutritt, und als ihn der fleißige Candidal mehrmals und dringend um die Erlaubniß anging, seine Vorträge besuchen zu dürfen, und ihm vorstellte, daß er, falls er sein vorgestecktes Ziel erreichen wolle, dem Gesetze entsprechen, und den philosophischen Kursus dnrchmacheri müsse, erhielt er die Antwort: ,/Nein, Ihr müßt ja nicht Rabbiner werden, Ihr könnt ja auch Holzhauer werden.^ Dies also ist die Duldsamkeit und Errungenschaft des I9tcn Jahrhunderts?! Rufet nur immerhin die Menschen zu Zeugen, aber rufet auch vor euer Gewissen die Kabalen und Ränke, mit welchen ihr bei den Landtagen von 1840 und 1844 die Gleichstellung eurer Brüder hintertneben und auf eine vielleicht ferne Zukunft hinausgeschoben habt; die Kabalen und Ränke, mit welchen ihr der Verbreitung einer schlichten, innigen, wahren Gottesverehrung, mit welcher ihr jeder zeitgemäßen Bildung und jedem Fortschritte, jeder sittlichen und geistigen Erhebung, unter dem Vorwände der Unterdrückung der Gewissensfreiheit/ Glanbensfpaltung u. s. w., bei den Behörden hindernd in den Weg tretet. Die deutsche Judenheit kennt unser Wehe, sie hat diese Kämpfe selbst durchgemacht, sie begreift euer Treiben und weiset euch zurück: sie giebt euch die Mahnung, an den.Richterstuhl der Geschichte — und zunächstan den RichterstnhL Gottes, der Herzen und Nieren prüft, zn appelliren. Ans Ntnhuerr, im Juni. Wie in so vielen Ländern, hat auch bei nns die Noch ihr Drachenhaupt geschüttelt und sich an das auserwähtte Volk der Geschichte angeklammert. Bei vielen Ruhestörungen richteten sich die boshaften Augen auf die Bewohner der Ghetti, gleichsam als auf die Urheber der Theurung, während-die Juden am wenigsten eine künstliche Steigerung des Getreides hervorricfen. Bei solchen Gelegenheiten drängt sich dem Unbefangenen die Ueberzeugnng auf, daß die Juden sich an die Regierung immer fester anschließen müssen, da das Volk noch so tief in mittelalterlichen Sumpfen water. Die Regierung schützt ihre Unterthanen ohne Unterschied der Konfession; das Volk in seiner Dumpfheit kann sich von den alten Vorurtheilen, welchen mancher fromme Pater neue Nahrung gibt, nicht befreien. Die Kulturverhältnisse machen Fortschritte. So hat sich in dem 160 Familien zählenden Ungarisch-Brod ein Handwerker-Verein gebildet, und zwar ans Anregnng junger Männer, die tocu Schacher aus der Mitte der Gemeinden entfernen mochten. Der Wohlstand bot dem Unternehmen der Jugend hilfreich die Hand, was denselben nur zum Lobe gereichen kann. M. Schweden und Norwegen. Aus Stockholm vom 4. Juni heißt es in der augsburger Allgemeinen Zeitung : ,,Die I u d ni e irt a rrcipation, deren Erörterung hier vor neun Jahren so viel Aufmerksamkeit und Unruhe verursachte, ist nun wieder das Thema des Tags geworden. Am 20. Juni 18Ä8 wurde bekanntlich vom König Karl Johann eine Verordnung ansgefertigt, wodurch das Jndenreglement von 1782 abgeschafft, und die Bekenner der mosaischen Religion in vielen Rücksichten ans gleichen Fuß mit den übrigen Bewohnern Schwedens in Rechten und Pflichten gefetzt wurden. Diese Verordnung fand bei dem einflußreichsten Thcil der Presse entschiedene Misbiüigung und wurde bei der damaligen aufgererztcn Stimmung unter dem Volke benutzt, uin tumultuacische Auftritte zu erregen. Jetzt aber sind alle Zeitungen nunmehr einstimmig der Meinung, daß die Gleichstellung der Juden mit den christlichen GlattbenSverwandten eine ebenso