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Der Orient · 1846-07-02 · Heft 27 (2.7.1846) · p. Seite 207

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 27 (2.7.1846)
Date
1846-07-02
Page
Seite 207 (sequence 5)
Language
German
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207 andere Chargen bei dieser Versammlung bekleiden wird. Wenn Sje an mich die Gewisseusfrage richten, ob ich auch zu denen, die ein Gaudium im Voraus empfinden, gehöre, so muß ich Ihnen mit Nein antworten; ich gehöre vielmehr zu den Wenigen hier, die tief innerlich betrübt sind, über die schmachvolle Rolle der scheinbaren, Vertreter des Judenthums, über die Entwürdigung, die das.Judenthum durch diese Bitterkeiten und Gereiztheiten und gegenseitige Befehdung erleiden muß. Kaum ist cs uns gelungen, dem Judenthum in den Augen der europäischen Welt einige Achtung zu erringen, als von unserer Seite wieder Alles dazu gethan wird, diese Achtung zu verringern. Lesen Sie nur die politischen Blätter Deutschlands und sie werden sehen, wie Juden sich nicht entblöden, auf Judenheit und Judenthum ihre bittere Galle auszugießen. Der Israelit ist nicht mehr die einzige Kloake des Geisers, es werden von dort aus Kanäle zu allen deutschen Zeitungen gezogen. Die tief empfundene Scheu, die sonst jedes jüdische Gemüth zurückhiett, ein DK/n bbri zu begehen, ein jüdisches Interesse oder eine jüdische Person der öffentlichen Rüge auszusetzen, die ist mit aller alten Tugend aus unserer Mitte geschwunden und tvas noch mehr zu bedauern ist, daß diese Unverschämtheit schon so weit eingerissen ist, daß die Bessergesinnten gen othigt sind, an den frechen Skriblern Repressalien zu nehmen, wiewohl sie dieses Verfahren im Innersten verabscheuen. — Sie waren gewiß auch über den Artikel aus Frankfurt a. M., der ehemaligen DN] Ty, empört, worin die Verdienste Montefiore's angegeifert werden, weit er durch das Beispiel seiner herzlichen, ernsten Frömmigkeit, die russischen und polnischen Juden enthusiaSmirt, oder wie der würdevolle Korrespondent sich ansgcdrückt hat, „in den talmudischen Alfanzereien bestärkt" hat. Wie die Wegelagerer lauert diese Race von Korrespondenten' auf jede jüdische Persönlichkeit, die nicht nach Holdheim's und Geiger's Bekenntniß selig zu werden sich bestrebt. — Doch Sie wünschen keine Tiraden und ich habe mich zu sehr darin ergangen. Zum Schluffe noch das Eine , wie gering die Theitnahme hier für die R.-V. ist, können Sie aus den beifolgenden Zeitungsartikeln ersehen und daß trotz der eifrigen Kollekten, für die nöthigen Summen und die/erforderlichen Wohnungen für die Mitglieder noch nicht vollständig gesorgt ist. Werl, im Juni. Abermals ergeht in israelitischen Zeitschriften die Aufforderung an Rabbiner und Prediger sich in Breslau zu versammeln. Ueber die Tendenz dieser Versammlung, über das, was sie geleistet und zu leisten im Stande ist, hier zu sprechen , kann unsere Absicht nicht sein. Die öffentliche Meinung hat bereits über sie abgeurtheilt und sie selbst sich den Todesstoß gegeben. Selbst der Herr Dr. Geiger, der aus zu großer Gelehrsamkeit am allerwenigsten geeignet ist eine solche Versammlung zu leiten, da er hinlänglich bewiesen, was er vom praktischen Geschäftsgang versteht, wird die rabbinischen Todesznckungen nicht mehr hemwen können. Ich wiederhole, es ist uns fern, hier eine Kritik jener Versammlung zu geben, schon sattsam ist solches in den Zeitschriften und durch Broschüren geschehen. Nur auf die abermalige unverantwortliche Art der Aufforderung wollen wir hinweisem Wie zur letzten Nabbinerversammlnng fordert man auch jetzt wieder die Prediger zur Theitnahme auf. Und dennoch ist es bekannt, wie man würdige Prediger' dort hinkommen ließ — um sie willkürlich zurückzuweisen. Sehe sich also Jeder vor, zwecklos Geld und Zeit für eine Reise nach Breslau zu verschwenden. Mindestens beobachte er die Vorsichtsmaßregel, vorher bei Hrn. Geiger ein Rigorosum zu bestehen, um sich von Seiner Weisheit genügende Atteste seiner Tüchtigkeit zu erwirken. — Sapienti sat. i/,. Hamburg, 15. Juni. Vor einigen Tagen wurde hier erzählt, daß bei der Berliner Reform-Gemeinde die Herren Dr. Hirsch ans Luxemburg und Dr. Frankfurter von hier auf der engeren Wahl stehen. Von den vielen Predigern und Rabbinern also,. V\c sich dort haben hören lassen, sind diese beiden die Begünstigten und Anserwählteu. Von hier waren beide Prediger in Brrlin. Dies wäre nichts auffallendes,'wenn man nicht wußte, daß ihnen vor einem halben Jahre, als Dr» Stern hier war, die Erlaubnis) zu jener Reise verweigert worden war. Damals waren die Debatten in die-, ser Angelegenheit sehr heftig, die Direktion des Tempels hielt sich nicht ermächtigt, die Frage zu entscheiden und zog eine Kommission hinzu — und jetzt reisen beide Prediger ohne alle Schwierigkeiten dorthin! Das erkläre wer kann! Auch haben beide in Berlin gefallen, und beide eine Vokation dorthin erhalten, d. h. ein Kontraktfvrmutar, das sie nur auszufüllen hatten. Aber beide werden sie bleiben, Dr. Frankfurters Stellung am Tempel wird außerdem noch verbessert werden. Also glaube ich, daß Dr. Hirsch in Luxemburg in Berlin Prediger der Reform-Gemeinde werden wird! Nun empfehle ieh Jedermann, in der von ihm herausgegebenea Predigtsammlung, die über die Speisegesetzc zu lesen, und mall wird diese Metamorphose sich schwerlich erklären können! —Uebrigens halte ich von der Berliner Reform nicht viel! Es ist ein Theaterfener, das bald erlöscht! Die Berliner gehen schon heilte nicht mehr so fleißig „in die Reform" wie sonst, weil es nichts Neues mehr ist, obschon die Gastvorstellungen bisher sehrmaunigfaltig waren; die schönen Solosängcrinnen freilich üben länger ihre Attraktionskrast aus, denn man kann sie bequem betrachten! — Warten wir ruhig ab, was die Zukunft bringen wird. — An: vergangenen Freitag wurde hier Hr. Hermann Michael begraben. Er starb ganz plötzlich auf dem Spaziergange am Schlagflusse. Als Kenner der hebräischen Literatur und als fleißiger 27 *

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