Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1846)
- Date
- 1846-07-02
- Page
- Seite 208 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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208 j i I I | Sammler ist er wohl bekannt. Seine Bibliothek enthält seltene Schätze. Er stand in allgemeiner Achtung. .Berlin, 6. Juni. Es giebt Wahrheiten, die nicht-genug wiederholt werden können, zumal wenn der Jrrthum-, behängen, mit den bunten Lappen der Modephrasen,; sich in die Brust wirst und mit sophistischem Blendwerk den Sinn des Publikums umnebelt. Was ist begründeter und überzeugender als d i e Wahrheit, daß die großen bleibenden Thaten und Schöpfungen der jüdischen Geschichte in der Regel nicht von bestallten, funktionirenden Personen ausgegangen? Und dieser Wahrheit wird unter unfern Augen Hohn gesprochen? Waren nicht die Ahroniden, die Priester zur Hut des Gesetzes, zur Förderung der Gesetzespftege eingesetzt? Und doch gingen die größten Propheten, die Jesaias, die Amos, die Micha's nicht aus der Priesterklasse hervor; R.Akiba, der Schöpfer der talmndischen Diseiplin, hatte kein Amt, keine Bestallung $ Philo, der jüdische Platoniker, war nicht einmal V orsteher der alerandrinischenJuden. Im Mittelalter waren die Ilm Esra's, die Maimuni und andere , die einen, tiefen Einschnitt in die jüdische Kulturgeschichte gemacht haben , Privatgelehrt e, nach unsrer Anschauungsweise, ohne Rabbinat, ohne geistliche Funktion. Rücken wir unsrer Zeit näher, so begegnen wir zwei genialen Persönlichkeiten, die allgemein als Schöpfer .und Träger der heutigen Bestrebungen unter den Juden angesehen werden. Mendelssohn und Wessely, sie hatten durchaus feine ofsicielken rabbmischen Beschäftigungen, ihre Geistesbestrebungen waren eigentlich für sie nur Nebensache, deren Reize aber sie so oft verlockte, von ihren Geschästsstundcn manche zu rauben. ■— Ohne hier auf die nahe liegende Ironie einzugehen, daß diese Heroen der jüdischen Geschichte ohne Weiteres aus unseren Rabbinerversalnmlungen ausgeschlossen worden wären und vielleicht kaum zu den Zuschauerreihen gelangen konnten, will ich nur den Grund dieser Erscheinungen aufdecken, was zu fruchtbaren Nutzanwendungen meines Erachtens führen kann. Es hängt dieses mit dem Grundcharakter des Judenthums zusammen, das von Hause aus Feind dem sich abschließenden, versteinerten Kastengeiste, am allerwenigsten die wissenschaftliche Forschung an einen um mauerten Stand -knüpft. Die Wissenschaft des Judenthums ist daher — bis auf die segensreiche Zeit der Gegenwart — nie zum Metier herunter gesunken; sie wurde eben so uuentgeldlich und freigebig ertheill, wie sie empfangen wurde, und diese Unbesoldetheit der Lehrer jüdischer Wisseuschast vermochte auf lange Zeit die Simonie, den Schacher mitRabbinatsstellen gar nicht aufkommm zu lassen. Dadurch konnte eine Hanptkrankheit unsrer Zeit, eine Erbschaft des achtzehnten Jahrhunderts, die mehr Unheil in unfern Schaaren crnrichtete, als der talmudische Pilpul und die sinnlosen, antijüdischen Mi n h a g i m, nicht zum Ausbruch kommen. Wird die jüdische Wissenschaft, das Tora - Studium Brodstudiu m , das die materielle Existenz sichert, was hindert dann, daß Unbefähigte, innerlich Unberufene , maimiis sujets, bic sonst keinen Rath wissen, ihr mageres , hohles Leben zu fristen, sich zum Tempel der Wissenschaft drangen, die jüdische Theologie, wozu am meisten und vor allem Weihe und innere Würdigkeit erforderlich ist, fletriren und entwürdigen! Dieses Uebel erzeugt wieder ein anderes nicht minder beklagenswerthcs Uebel. Durch die sanktionirte Besoldung der Rabbiner ist die Wahl derselben, tausend unter einem Falle, den Launen der Getdmännerpreisgegeben, die selten unter ihre Papiere auch ein Jntelligenzblatt auf-» zuweisew haben. Daher die betrübende Erscheinung, daß jetzt nicht mehr hohe Wissenschaftlichkeit, tiefe Gelehrsamkeit im jüdischen und profanen Wisseussphären, nicht der ungenirende, hinreißende Charakter ,, nicht die felsenfeste Gesinnung bei einer Rabbinerwahl den Ausschlag geben, sondern die Protektion eines launenhaften Goldm'anneS, oft die Gunst des schönen Geschlechtes, das die Haltung, das Organ, die Konversation des Kandidaten so liebenswürdig findet. Die ernste Wissenschaft neigt trauernd 'das Haupt ob diesem Pygmäengeschlechte der jetzigen Rabbiner. — Die wissenschaftlichen und würdigen Rabbiner sind nicht die Regel sondern die Ausnahme — und wird, wenn sie nicht ganz untergehen sollwieder bei Laien Asyl und Pflege suchen müssen. In unsrer Gegenwart scheint-man gar keine Vorstellung davon zu haben, wie man sich der Pflege der jüdischen Wissenschaft im hohem Sinne hingeben kann, ohne das Geschästsleben zu vernachlässigen und die bürgerlichen Pflichten zu verabsäumen, wenn man keine Aussicht auf den-regelmäßigen Monatgehalt, auf Befriedigung der Eitelkeit!, wenn man keine Hoffnung auf unsterblichen Ruhm durch eine kühne Reform herbeigeführt hat! Es dürste daher nicht überflüssig sein, an einem noch lebenden, thätigen Zeitgenossen, der aber aus einer frühem minder rafsinirten Zeit stammt, der, geschäftsthätig, Hochbegütert, sich die Pflege der jüdisch-theologischen Wissenschaft zur Lebensaufgabe gemacht, nachzuweiscn, daß das Laienthum nicht unverträglich ist mit dem Anbau der jüdisch-theologischen Wissenschaft, daß der Mensch im Stand ist , seinen Pflichten und seinem innern Berufe zu genügen. Ich spreche hier von. einer Persönlichkeit, die einen nicht geringen Äntheil an der wissenschaftlichen Läuterung des Judenthums hat, ja in unserer Zeit der erste war, welcher mit beredetem Worte dem Judenthume eine weltgeschichtliche, allgemeine, den ihm angedichteten Partikularismus überflügeude Bedeutung vindieirte. Ich spreche von Mareus Beer Fried ent Hai aus Breslau, und es muß auch einmal von dem Werft des mn HD* gesprochen werden, weit die Gegenwart in ihrer brausenden Beweglichkeit, in ihrer tollkühnen Ueberstürzung diese begabte Persönlichkeit,, die von christlichen Notabilitäteu, wie S chc iIrel, Bren tauo , für Aue bedeutsame Er-