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Der Orient · 1846-07-02 · Heft 27 (2.7.1846) · p. Seite 206

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 27 (2.7.1846)
Date
1846-07-02
Page
Seite 206 (sequence 3)
Language
German
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— 206 - tigam, welcher Sonntag in der Synagoge getraut wurde, wollte sein Verlangen , bei den. Reformern getraut zu werden , auf 'die Vorstellungen seines Schwiegervaters nur unter der Bedingung aufgeben, daß die Trauung in der Synagoge aufentsprechende Weise vollzogen wurde, Herr Oettmger,-q,n den man sich deshalb wandte,, verwarf indeß dieses Gesuch, weit aus religiösen Rücksichten unzulässig, und entschied, ganz übereinstimmend mit dem Bescheide, den er vor längerer Zeit einem der ehrwürdigsten und achtbarsten Gcmeindemitglieder in Betreff derselben Angelegenheit gegeben: ,,er werde es nie zugeben, daß in der Synagoge getraut werde; sollte dies aber wider seinen Willen dennoch geschehen, so werde er nicht nur nicht pcfionp TJDO sein, sondern, nie wieder die Synagoge betreten". Der Schwiegervater.des Bräutigams, Herr B o r ch a r d t, wandte sich nun, um nicht seinen Plan scheitern zu sehen, an den Dr. Sachs, der sich damit einverstanden erklärte, das Brautpaar in der Synagoge zu trauen und selbst p&ynp zu geben. Als* dieser Bescheid des Hrn. Dr. S. .bekannt war, eilte. Einer der Hyperorthodoren oder der sogenanntrn „Schwarzen" zu H. Oett., wies ihm den Mangel .an Ueberr legung bei seinem Verfahren nach, und machte ihn auch wohl darauf aufmerksam, welchen pekuniären Nachtheil er sich hierdurch bereite, so daß er Hru. Oett. beweg, in einem Schreiben an H. Borchardt diesem zu erklären, daß er selbst pL'Np geben werde. Herr B., , über eine so .plötzliche Sinnesänderung von Seiten des Hrn. Oett. . erflai:nt, theilte dies dem Dr. S. mit, der über, von einer, wir möchten sagen, zu großen Liebe zum Frieden erfüllt, uachgab und Oett. die p&ynp überließ, und so fand die Trauung in der oben beschriebenen Weise statt. Daß die Reformer eö gern gesehen hätten, wenn die Trauung nicht in der Synagoge vollzogen worden wäre, liegt auf der Hand, und soll sogar von denselben eine bedeutende Summe für die Armen auSgesetzt worden sein, wenn die Trauung im Milentzschen Saale, woselbst dann Dr. S. auch keine Rede gehalten haben würde, statt gehabt hätte. Die Zeit, in welcher die zur Kur hier gewesenen Prediger bei den Reformern Gastrollen gegeben, scheint nun vorüber zu sein, und soll, wie man sagt, in der auf den nächsten Donnerstag festgesetzten Generalversammlung zur Wahl geschritten werden. Als ersten Prediger bezeichnet man allgemein Dr. Fr an kfu rter-aus Hamburg, der auch nächsten Sonnabend und Sonntag hier wieder predigen wird. — Der Platz für die zu erbauende neue Synagoge ist bereits gekauft, doch dürfte der Vorstand auf denselben, weil in der großen Hamburger Straße gelegen und von den meisten Gemeindemitgliedem als unzweckmäßig bezeichnet, wohl verzichten und das darauf gezahlte. Angeld verfallen lassen, falls sich ein günstigerer Platz finden sollte. Breslau, 16. Juni. Wenn ich Ihnen von einer trüben, niedergedrückten Stimmung berichten wollte, die in unsrer Gemeinde in Erwartung der Rabbinerversammlung herrsche, so. würde dieser Bericht einer Unwahrheit ähnlich sehen. Im Gegentheit, der diesjährigen Versammlung wird, ungleich den ersten Beiden, mit einer freudigen, heitern Spannung entgegengesehen. Man lebt hier in einer so überzeugenden Gewißheit, daß die hochwürdige und hochgelehrte Versammlung sich im höchsten Grade blamiren wird, so daß ihr die Lust vergehen wird, das .Possenspiel, das dreimal Fiaseo gemacht, noch einmal aufs Repertoire zu bringen, daß cs sehr Vielen, ja einem großen Theil des hiesigen jüdischen Publikums unerwünscht sein möchte, wenn sie, wie von einigen pubticistischen Freunden angedeutct wird, für diesmal unterbleiben sollte. Aus dem beifolgenden Verzeichniß der bereits Arigemeldeten werden Sie entnehmen, daß die Schadenfrohen sich der Hoffnung ans einen ergiebigen Lachstoff getrost hingebcn können. Aber während die Konservativen sich freudig die Hände reiben und im voraus schon den Triumph genießen, sind gerade die Freunde der Rabbinewersammlung, die offener! und heimlicher: Theilnchmcr der Reformgenoffenschast im hohen Maaße betrübt, theils wegen der Inferiorität der Angemeldeten — sie haben brillantere Namen erwartet — theilö wegen der Schwierigkeit,' mit der die Summen zur Deckung der Kosten kollektirt werden, endlich wegen der Ungewißheit über den Ausgang ihrer Sache — der guten Sache der Schnell-Reform. — Sie sehen es vor Augen, wie. ihre gute Sache, die schon ihres Sieges gewiß war, welcher Rabbiner, Prediger, Klausrabbiner bereits ihre eifrigste Befürwortung und Unterstützung zugesichert hatten, Unter den Rücksichten auf ihre Gemeinden, ihre Interessen, zu welchen die versarnmeltm Gottesgclehrten leider noch verdammt sind, verrathen und preisgegeben sein wird. Ja es ist merkwürdig, wie die Gegensätze hier umgeschlagen sind und ihre Rolle vertauscht haben. Die Gegner der Rabbinerversammlung wünschen nichts sehnlicher, als rechte kecke Reformfragen auf der Registrande: wie die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag, die Abschaffung der Speisegesetze, derBeschneidung, der Verwandlung des in einen Freuden- und Balltag, des Jomkipur in einen stillen evangelischen Bet- und Bußtag, allenfalls mit katholischen Fastenspeisen, und freuen sich schon über den heftigen Krieg, der im Schooße der Versanunlung selbst in Folge solcher entschiedenen, principiellen Fragen entstehen wird, weil die individuellen Interessen der Theilnehmer von der Entscheidung dieser Fragen abhängen: dagegen sind die Freunde der Rabbinerversammlnng gerade wegen dieses Vorstandes betrübt, und fürchten noch dazu eine Wiederholung der noch in gutem Andenken lebenden Liebkosungen des israelitischen Silhouettenzeichners, mit einem andern Mitglieds das nicht eher befriedigt fein wird, bis es diePräsideniur und Vicepräsidentur nrrd rnanche

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