Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1842)
- Date
- 1842-07-16
- Page
- Seite 231 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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231 nicht unbekannt, daß seit einiger Zeit' ein Zwiespalt in der hiesigen Gemeinde entstanden, der'leider, wenn nicht ..baldige Schritte zu einer friedlichen Ausgleichung führen, bewirkt, daß es wie eine Feuersgluch mehr entflammen, und nur die traurigsten Folgen zu erwarten sein dürften. Als Organ von circa vorläufig 300 beitragenden achtbaren Mitgliedern, welche das bisherige Verfahren eines Wohllöbl. Ob. - V. - Collegiums, partheiisch finden, und sich darüber in einer in unfern Händen sich befindenden schriftlichen Erklärung ausgesprochen haben, tragen wir darauf an: daß Ein Wohllöblicher Ober-Vorstand friedliche im Sinne der sämmtlichen Gemeinde-Mitglieder zu errichtende Beschlüsse fassen, die beabsichtigte Suspension gegen den Herrn Ober-Rabbiner Liktin, gegen welche wir hiermit feierlichst protestiren, spätestens binnen 3 Lagen zurücknehmen, und es wohl auch nicht unbillig finden werden,, im humanen Sinne, für die ihm zugefügte Ehrenkränkung eine angemessene Genugthuung zu geben. Hierüber sehen wir einem baldigen geneigten Bescheid entgegen, und haben die Ehre mit vorzüglichster Hochachtung zu verharren, als Eines Wohllöblichen Ober-Vorsteher - Collegiums Breslau den 17ten May 1842. ganz ergebenste R. I. Löwenstein. Seelig Es. Goldscheider. Hirsch Freund. Joseph Leipziger. Joseph Mendell Dr. Laband. Joseph Fuchs. Jacob! Gradenwitz. Jos. Jadassohn. M. Bielauer. St. V. Wenn es irgend einem Mitgliede der Gemeinde in nächster Zeit noch gelänge, Herrn R. Liktin zur Uebernahme der statutenmäßigen Amtspflichten eines ersten Rabbiners zu bewegen, so soll er uns ein willkommener Friedensbote sein, und wir wollen mit Freuden das Band zwischen der Gemeinde und Hrn. R. Liktin schließen und befestigen. Aber Statutenwidriges anzuerkennen und in Schutz ^zu nehmen, das wird, dies hoffen wir zuversichtlich, kein Ehrenmann in unserer Gemeinde von seinem Vorstande fordern; d a z u w ürde n w i r u n s a u ch durch keine Gewalt b e we g e n la sse n. — Möge der Friede einziehen in unsere Gemeinde und in ihr eine dauernde Stätte sich gründen. Aber möge der ersehnte Fricoe nicht um den Preis des Rechtes erkauft werden, ohne welches kein Friede von Dauer sein kann. Breslau, den 25. Mai 1842. Das Ober-Vorsteher-Collegium der Israeliten - Gemeinde. Personalchronik und Miseellen. Bibliographie. Es wird von Zeit zu Zeit zuweilen nothwendig, die flüchtigen, ephemeren Erscheinungen auf einem Gebiete des neuzeitigen geistigen Kampfes zu gruppiren und zusammenzustellen, (Heils um für die Zukunft von d.m Kämpfen und Ringen der Gegenwart ein Zeugniß zurückzulaffen, (Heils aber auch um zu einem spätem Kampfe und zu einem zukünftigen Streben ein Material in die Hand zu geben, welches, obgleich unter Hast und der ausschließendsten Snbjectivrtät entstanden, dennoch manchen herrlichen, blitzenden Gedanken in sich birgt, der in der besten Schöpfung des Geistes auf einen Platz Anspruch machen könnte. Was hier im Allgemeinen ausgesprochen ist, das gilt .vorzüglich von der vielfach zerklüfteten, von entfesselten Gedanken und Leidenschaften durchwühlten jüdischen Theologie. Noch nie wurde im Iudenthume ein Kampf zwischen dem historischen Rechte (fälschlich Orthodoxismus genannt) und der Reform so lebendig und allgemein, so wildauflodernd und verzehrend, so kühn und schrankenlos geführt als in der Gegenwart; noch nie wagte man innerhalb des Rabbinismus so frech und schamlos die tausendjährigen Huligthümer des jüdischen Glaubens zu entweihen, noch nie hat eine Corruption des Herzens und eine Verflachung des philosopl ischen Denkens solche Orgien im Heiligthume gefeiert als jetzt, aber auch seit Jahrhunderten trat die Denkgläubigkeit und die wahrhaft fromme, dünkellose Gesinnung nicht mit solchem Feuereifer, M't so begeisterter Zunge auf als in der Gegenwart. Der große Kampf hat in der neuesten zwei Anhaltepunkte gefunden, zwei zufällige Erscheinungen, an welcher jede Parihei ihre Ansichten über Stabilismus und Reform geltend macht, und zur bequemem Einsicht stellen wir die aus diesen Erscheinungen entstandenen besonder» Schriften zusammen, die Aussätze in den Blättern ganz übergehend. 1. Der Hamburger Gebetbuchstreit. rroyn TiD. Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht, nach dem Gebrauche des neuen isr. Tempels in Hamburg. 2. Auflage des 1819 erschienenen. Hamb. 1841. 8. B. S. Berendsohn. Ucber das Gebetbuch nach dem Gebrauche des isr. Tempels zu Hamburg. Ein Votum v. Dr. Sam. Hold h e t m. Hamburg, 1841. 8. Berendsohn. 5 Ngr. Das neue Gebetbuch und seine Verketzerung. Auszug aus einem-größeren Manuscript, als eine Schrift für das Volk v. Dr. G. Salomon. Hamb. 1841. 8. Berendsohn (25 S.). 5 Ngr. Stillstand und Fortschritt zur Würdigung der Parteien im heutigen Judenthum. Mit besonderer Rücksicht auf das Gebetbuch nach dem Gebrauche des neuen isr. Tempels. Von Dr. N. Frankfurter. Hamb. 1841. 8. Berendsohn. (31 S.) 5 Ngr. Festhalten im Gesetze, Fortschritt im Geiste. Eine Stimme in Israels heutigen Wirren von einem Gläubigen (I. Bonn). Hamburg, 18*2. 8. Berendsohn. (28 S.) 5 Ngr» Jude und Nichtjude, eine Erwiederung auf die Schriften der Triple-Allianz der Herren Doctoren Holdheim, Salomon und Frankfurter, von einem Ungenannten. Amsterdam (Hamburg) 1842. 8. C. L. Fritzsche. 6 Ngr. Schreiben des Oberrabbiners Dr. Frankel (in Dresden) an die Direction des Tempelvereins zu Hamburg, in den Nummern 7—9 des Or. 1842. 6 Ngr. Der Hamburger. Tempelstreit, eine Zeitfrage. Von Dr. Abr. Geiger, Nabb. in Breslau. Brest. 1842. 8. F. E. C. Leuckart. (84 S.) 10 Sgr. Die Synagoge zu Hamburg, wie sie war und wie sie sein soll. Den edlen Herren Vorstehern der deutsch-isr. Gemeinde daselbst gewidmet von einem alten Gemeindemitgliede. (Mofl Mendelssohn). Kjöbenhavn (Hamburg), 1842. 8. Berendsohn. 5 Ngr. Sendschreiben an den Hrn. Dr. Z. Frankel, Oberrabb. in Dresden in Betreff seines im „Orient" mitgetheilten Gutachtens über das neue Gebetbuch der Tempelgemeinde zu