Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 12 (19.3.1842)
- Date
- 1842-03-19
- Page
- Spalte 189-190 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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189 Sit. Uebersichten. Schriften für u. wider das Gebetbuch des Hamb. Tempels. 199 und wenn der Vers. den Orgelton auch noch so sehr anpreist, er findet Niemanden, der ihm folgt. Dem Gottesdienste in der Eemeindeschule in Berlin unter Leitung des Hrn. Direktor Auerbach, würde auch der orthodoxeste Rabbiner beiwohnen; hier finden wir keine Orgel, hier ist nichts gestrichen, nichts Neues, Fremdartiges eingeschaltet, und dennoch wie erhebend und wahrhaft erbaulich ist nicht bie Andachtsstunde? Mochte es doch einem Teilnehmer, vielleicht dem Herrn Direktor selbst gefallen, darüber ausführlich zu referiren, die Anordnung des Gottesdienstes dürste sich manchen warmen Freund erwerben und zum wenigsten den Beweis liefern, daß es durchaus so gewaltiger, auch wohl gewaltsamer Streichungen und Einschaltungen nicht bedürfe, wie es bei dem Gebetbuche und dem Ritus des Hamb. Tempels überhaupt geschehen ist. — Gegen Ende zieht die Broschüre noch gegen den Rabbiner Herrn Ettling er in Altona zu Felde, ist darin aber nicht so mäßig als die vorher besprochene, und da sie ohnedies mehr die Persönlichkeit als die Sache betrifft, glauben wir mit Stillschweigen darüber hingehen zu können. III. Es ist gefährlich, einer Gesammtheit die Religiosität abzusprechen. Eine als ein Wort zu seiner Zeit im Neuen israelitischen Tempel zu Hamburg am7.Febr. 1842 gehaltene und auf Verlangen dem Druck übergebene Predigt v.Dr. Gotthold Salomon. Hamburg 1842. I. I. Halberstadt. Eine, wie sich gar nicht anders erwarten laßt, homiletisch treffliche Predigt. Wir möchten sie eine Gelegenheitspredigt nennen, denn sie bespricht auch den Streit, und zwar in einer würdigen, gehaltvollen, treffenden Sprache. Passend und überaus schön ist der Text 1 M. Kap. 20. V. 8 —11 gewählt und der Vers, bewahrt sich durch das Ganze als unser bester Kanzelredner, als ein Mann, der das Wort in seiner Gewalt hat, und es versteht seine Zuhörer für sich zu gewinnen, an sich zu fesseln. Der Inhalt im Allgemeinen ist beherzigenswerth für Jedermann: (I) „Hütet euch vor jedem voreiligen Absprechen über die Frömmigkeit eurer Mitmenschen, denn ihr verurtheilt sie dadurch zu den niedrigsten und gefährlichsten Geschöpfen; (II) denn euer Urtheil kann nicht richtig sein, da es für eine solche Behauptung durchaus kein sicheres Kennzeichen giebt." Den Schluß (III) bilden drei wichtige Lebensregeln. Wer könnte mit dem Redner über die Wahrheit und Trefflichkeit dieser Satze rechten? Alles muß mit ihm übereinstimmen. — Wo aber haben denn Bernays und Ettlinger, gegen die doch die Worte gerichtet sind, den Templanern die Religiosität abgesprochen? 6n yno -pna nmn nimm nten tt>Dnr£, das sind ihre Worte, das haben sie gesagt, vom Absprechen der Religiosität ist nicht die Rede. Nicht einverstanden sind wir ferner mit dem Redner Seite 11, wo er die Beobachtung der Sabbat- und Festtage, die Haus- und Speisegesetze nur so obenhin erwähnt. Allerdings ist die Beobachtung dieser Gebote eine von Gott befohlene, ein Jeder, der Israelit heißen will, muß sie befolgen, eben so gut und genau, wie die Pflichten gegen den Nebenmenschen. Der da gesagt hat: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, er hat auch geboten, du sollst den Sabbat halten , kein nonü effen, ■ tragen, u. s. f. Das eine ist so wichtig und göttlich wie das andere; hier ist es nicht erlaubt zu wählen, sie stehen alle auf gleich hoher Stufe, dem Einen ist das Siegel der Göttlichkeit nicht deutlicher aufgedrückt als dem Andern. Dies Kriterium der israelitischen Religion, die Beobachtung der von Gott befohlenen Ceremonien, vermissen wir somit auch Seite 15, wo alle die Eigenschaften aufgezahlt werden, welche den Israeliten bedingen. IV. Jude und Nichtjude, eine Erwiederung auf die Schriften der Triple-Allianz der Herren Doctoren Holdheim, Salomo n und Frankfurter von einem Ungenannten. Amsterdam, 1842. 8. S. 24. Das Gutachten des Hrn. Dr. Holdheim ist in unsere Gegend nicht gekommen, und wir sehen uns deshalb genöthigt, die darauf bezügliche Passage der Broschüre zu übergehen. Der Ungenannte will mit der Veröffentlichung seines Schriftchens bezwecken, das Publikum über den eigentlichen Stand der Angelegenheit aufzuklären, damit es nicht in den Wahn verfalle, weil sich bis jetzt nur Stimmen für den Tempel hätten vernehmen lassen, die allgemeine Stimmung sei für denselben. Und das war auch allerdings nöthig, um so nöthiger, als die gegen den Tempel sich erhebenden Urtheile gewaltsam unterdrückt wurden. Die Juden, so deducirt der Vers., haben sich durch Nichtachtung der mosaischen Gebote den Zorn Gottes zugezogen,. Reue und Zurückgehen zu denselben kann und wird ihnen die Liebe Gottes wiederum verschaffen. Wir hätten dem Ganzen mehr Ruhe und Gelassenheit gewünscht, denn Zorn und Schimpfen fördert nichts. Namentlich hat der Hr. Dr. Salomon eine feinere Behandlung verdient. Die oben erwähnte Opferformel in dem neuen Gebetbuche wird hier treffend und richtig widerlegt, so wie überhaupt dem Vers, genaue Kenntniß, tiefe Einsicht und Wahrheitsliebe nicht abzusprechen ist. Keinenfalls verdient das Schriftchen eine Behandlung, wie ihm in der Zeitung des Judenthums widerfahren, es verdient im Gegentheil einer Beachtung, da es an Gründlichkeit den übrigen gewiß nicht nachsteht. Es spricht sich unumwunden aus und dürfte in mancher Beziehung schwer zu widerlegen sein. Dem Hrn. Dr. Frankfurter werden nur zwei Blätter gewidmet, und in ihnen das von demselben gegebene Gleichniß von dem baufälligen Hause wahr und unumstößlich beseitigt.