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Der Orient · 1842-03-19 · 12 (19.3.1842) · p. Spalte 187-188

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
12 (19.3.1842)
Date
1842-03-19
Page
Spalte 187-188 (sequence 6)
Language
German
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18t Lit. Uebersichten. Schriften für und wider das Gebetbuch des Hamb. Tempels. 188 I. Das neue Gebetbuch und seine Verketzerung. Auszug aus einem größeren Manuscript, als eine Schrift für das Volk von Dr. Gotthold Salomon. Motto: Sine ira sed cum studio. Hamburg, 1841. 8. Berendsohn. S.25. Wer kennt nicht die scharfe, einwirkende Feder des Dr. Salomon? Sie besiegte zu ihrer Zeit einen Hartmann, und hat ohne Zweifel auch in dem jetzigen Streite nicht erfolglos geschrieben. In diesem gegen die njmo des Herrn Chacham Bernays gerichteten Gutachten haben wir vor allen Dingen die Ruhe, Gelassenheit und den wissenschaftlichen Ernst und Takt rühmend zu erwähnen. Wir sind überzeugt, daß es dem gelehrten Verfasser Mühe gekostet hat, diesen Weg einzuschlagen und zu verfolgen; er, der sich in dem Hartmannfchen Streite als Meister der Rede bewiesen, der dort in so passender und wohl angebrachter sarkastischer, ironischer Weife gestochten, hat wohl eingesehen, daß ein solches Verfahren hier nicht am rechten Orte ist; er zog den wissenschaftlichen Ton vor, und dieser Herrscht denn auch durch das ganze Schriftchen, ohne nur einmal in Persönlichkeit uwzuschlagen. Der Vers, weist zuerst nach, daß die vom Chacham vermißten Lehren von rrnn, rfelNJt, riTO, durchaus nicht ganz fehlen, obgleich sie an manchen Orten gestrichen worden sind. Nur hätten wir gewünscht, das Princip zu kennen, welches die verehrliche Redaktion vermochte, hier stehen zu lassen und dort zu streichen. Ohne eine Aufllärung hierüber, hat es immer den Anschein der Wittkühr und Gewalt. — Seite 11 wendet sich der Vers, zu den Worten Bernays' „daß es bisher keinem Juden in den Sinn gekommen, fein n^Dn rmn aus jenem Buche zu beten." Das PW - Gebet macht den Juden aus, der Glaube an dem einigeinzigen Gott, wie sich aus den sammtlichen Rabbinen, und auch aus den Schriften unsrer spätern Weisen, eines Mai moni des, Nachmanid es, Aldo deutlich machen läßt. Es ist bereits den Vertheidigern des Gebetbuches von andrer kompetenter Seite der Borwurf gemacht worden, daß sie bei Anführung ihrer Gewährsmänner und ihrer Beweisstellen, entweder unwissenschaftlich oder unredlich zu Werke gehen. Wo sie einen Midrasch oder sonst eine Stelle aufsinden können, die für sie und ihre Ansicht zu sprechen scheint, da sind sie sogleich bei der Hand und lassen sich des Breiten darüber aus. Wir können solche Ansichten nicht theilen; es wäre ein Leichtes eben so viele und vielleicht noch mehre und gewichtigere Stellen anzuführen, die gegen sie sprechen und ihr Verfahren verwerfen. Wenn auch der H. Dr. Salomon in der Vorrede behauptet, daß ihm die Rüstkammer der talmudischen Gelehrsamkeit zu Gebote steht, daß er sich darin umgesehen und ziemlich mit dem Geschütze vertraut gemacht habe, so sind wir geneigt, einen kleinen Zweifel darein zu setzen, daß er in den talmudischen Wissenschaften so bewandert und tüchtig sei, wie es zur Redaktion eines neuen Gebetbuches unumgänglich nothwendig ist. Ein Anderes ist es, eine Agada und einen Midrasch zu erklären, ein Anderes in DW und pDD erfahren zu sein. Wir gestehen es offen, daß wir dem Hrn. Dr. Salomon eine solche Autorität nicht zutrauen, und glauben ihm um so weniger durch diesen Ausspruch zu nahe zu treten^ als er das Gegentheil bis jetzt durch nichts beurkundet hat und sich selbst ja Prediger und nicht Rabbiner nennt. Nachdem der Vers/ die Auslassung des größten Theils der Pijutim oder NMp gerechtfertigt hat, geht er Seite 14 zu den Opfern über und vertheidigt die Abweichung der im neuen Gebetbuch aufgenommenen Formel. Spier irrt er gewaltig, wenn er der Meinung ist, die Orthodoxie glaube nicht, daß die Restauration eine sittlich-geistige Seite habe. Das ist bis jetzt Niemandem eingefallen zu behaupten, nur darf auch die persönliche Vereinigung nicht so sehr aus den Augen gesetzt, nicht als eine so große Nebensache betrachtet werden, wie es der Vers. rhut. Diese ganze Parthie ist etwas ungründlich behandelt und spricht deutlich für den unsichern Boden, auf dem der Verft steht. Auch die Verwerflichkeit der Darbringung der Opfer, ist keineswegs so evident bewiesen, als vielleicht Hr. Dr. S. glaubt. Bei der Anzeige einer andern Broschüre werden wir darauf zurückkommen. II. Stillstand und Fortschritt. Zur Würdigung der Parteien im heurigen Judenthum. Mit besonderer Rücksicht auf das Gebetbuch nach dem Gebrauche des neuen israelitischen Tempels. Von Dr. N. Frankfurter. Hamburg, 1841. 8. Berendsohn. S. 31. Diese Broschüre hat das Verdienst, daß sie den Streit passend auf ein allgemeineres Gebiet übertragt. Der Streit berührt nicht etwa blos das in Rede stehende Gebetbuch; der Grund des Haders und der Uneinigkeit ist weit tieker zu suchen, das Gebetbuch ist nur die zufällige äußere Veranlassung, viele andere Dinge hatten gewißlich denselben Unfrieden, dieselben Zwistigkeiten Hervorrufen können. Stillstand und Fortschritt, Orthodoxie und Rationalismus stehen sich gegenüber. Das ist aber auch das hauptsächliche Verdienst der Broschüre, die Art und Weise wie sie ihren Gegenstand behandelt, hat uns wegen der Ungründlichkeit nicht gefallen. Wo in aller Welt gibt es eine Orthodoxie, wie sie der Verft schildert? Daß diese dem im Grunde und in der ganzen Anlegung uralten Gebäude keine moderne Farben, nicht allerhand fremdartige Einschiebsel anpassen will, finden wir ganz in der Ordnung; es muß ja eine Zwittergestalt werden, ein Gespött für den Vorübergehenden, ein unauflösbarer Knoten für den Forscher, ein Widerspruch in sichv selbst. Und die Stellung, die der Vers, dem Tempel anweist, ist eine tatsächlich falsche. In seinem 23jährigen Bestehen, ist er immer noch isolirt;

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