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Jüdische Presse · 1938-02-18 · 7 (18.2.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
7 (18.2.1938)
Date
1938-02-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 wenden sieh die Juden den technischen Pakultäten zu, da sie als Ingenieure, Architekten, Elektrotechniker weniger vom Staate und von den Berufskammem abhängig sind. Die Beteiligung der Juden an den verschiedenen Erwerbszweigen ist nicht genau festzustellen. Der überwiegende Teil ist zweifellos im Handel beschäftigt. In der Industrie finden wir sie in kompakten Massen. Der Haß gegen die Juden wird jedoch durch ihren Anteil an den freien Berufen genährt. Etwa ein Viertel der an den Hochschulen ausgebildeten Studenten Sind nämlich Juden, und nach sorgfältiger Schätzung befinden sich unter den Advokaten und Aerzten ungefähr ein Fünftel und unter den Apothekern zwei Fünftel Juden. Ttotku Die Wiener Amtliche Nachrichtenstelle meldet aus Rom: An kompetenter italienischer Stelle erklärt man gegenüber den in den ausländischen Zeitungen verbreiteten Nachrichten, wonaefi in jüngster Zeit in Italien eine Reihe von jüdischen Büchern und jüdischen Musikstüeken abgelehnt worden sei, daß es hier wie überall anderswo eine antisemitische Bewegung gebe, daß dieselbe aber in Italien sehr gemäßigt sei, da ja dort keine eigentliche jüdische Bewegung existiert. Die in Italien existierende antisemitische Bewegung sei nicht gegen die italienischen Juden, sondern gegen das bekanntermaßen antifaschistische Weltjudentum gerichtet. Diese Bewegung trage überdies einen mehr politischen als rassefeindlichen Charakter. Die Vorgänge in Baden Herr Oberrabbiner Prof. Dr. Heinrich Weiß aus Wiener ■Neustadt hat vor dem ehrwürdigen Rabbinate in Wien folgende Erklärung abgegeben: Vor mehreren Wochen teilte mir der Vorstand der Badener Kultusgemeinde mit, daß Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach um einen sechsmonatigen Urlaub angesucht hat. Ich möge daher während dieser Zeit die rabbinischen Agenden in der Badener Kultusgemeinde übernehmen. Um der Gemeinde einen Dienst zu erweisen, habe ich zugesagt. Es wurde von diesem Urlaub kein Gebrauch gemacht. Am 1. Februar 1938 teilte mir der Präsident der Badener Kultusgemeinde mit, daß am Abend eine Sitzung stattfindet, in welcher die Entlassung des Herrn Oberrabbiners Dr. Carlebach beschlossen werden soll. Ich betonte, in diesem Falle keine Vertretung zu übernehmen, schickte überdies noch vor der Sitzung einen Boten mit einem Brief, um meinen Standpunkt zu präzisieren. Ich bin auch meinem Standpunkt treu geblieben und habe eine am 6. Februar 1933 in Baden stattgefundene Trauung trotz wiederholter Urgenz nicht vorgenommen. Das Vorgehen des Kultusvorstandes gegen Oberrabbiner Dr. Carlebach hat in den weitesten Kreisen höchste Empörung ausgelöst. Allgemein wird diese Haltung aufs schärfste verurteilt. Oberrabbiner Dr. Carlebach erhält fortgesetzt Zuschriften aus Rabbinerkreisen, in denen diese gegen den Beschluß des Badener Vorstandes Protest einlegen. Es wird auch gefordert, daß der Rabbinerverband in Oesterreich energisch einschreite. Wir werden auf diese Angelegenheit noch zurückkommen. Bethaus-Verein ,3eth Jakob“, Wien, IX., Rotenlöwengasse 5. Sonntag, den 11. d., fand die Generalversammlung dieses Bethausvereines unter großer Beteiligung statt. Als Vertreter der Kultusgemeinde erschien Kultusvorsteher Dr. M. Rosenberg. Der Obmann, Herr Markus Biener, begrüßte die Anwesenden und verwies auf die Uebersiedlung des Bethauses in die neuen Lokalitäten. Rabb. M. L. Frankel würdigte in einer begeisterten Ansprache die großen Verdienste des Obmannes um diese Aktion. Kuitusvorsteher Dr. Rosenberg überbrachte die Glückwünsche des Kultusvorstandes und sagte seitens desselben eine weitere Förderung des Bethausvereines zu. Nach Genehmigung des Finanzberichtes wurde Herr Biener per Akklamation neuerdings zum Obmann gewählt. Ebenso erfolgte die Neuwahl des gesamten Vor- Standes per Akklamation. Dieser setzt sieh nun folgendermaßen zusammen: Vorstandsmitglieder: Knisbacher Jakob, Knisbacher Josef, Leser B. W., Robinson Eduard, Kark Moses, Wunder , Samuel, Strickmann Ab1\, Seidmann Karl, Rosen j Isak, Wittler S. W. Ersatzmänner: Mader j Isak, Kurz Moses. Kahane Dawid, Drimmer ■ Wolf, Eisenberg Michael. Revisoren: Scheinberg Benjamin, Gelles Naftali, Klinghofer Dawid. Bethausverwalter: Kurz Moses, Eisenberg Michael, Wittler S. W., Geller Isak. Auf Antrag des Schriftführer Herrn Strickmann stimmte die Generalversammlung dem Be- Schluß des Vorstandes zu, im Bethaus eine Tafel zur Würdigung der Verdienste des Obmannes Biener anzubringen, die nie entfernt werden darf. Ferner wurde Herr Biener per Akklamation zum Ehrenmitglied des Vereines ernannt.! Um die Sabbatruhe. Abschrift eines Briefes an die Redaktion der ״Bauernbriefe des bürgenländischen Bauernbundes“ in Eisenstadt: Ich lese in einem Wiener Blatte, daß Sie die ״Forderungen der Handelsangestellten unterstützen und insbesondere darauf hinweisen, daß es in einem Christliehen Staate unverständlich sei, daß in einzelnen Orten des Landes am Samstag viele Geschäfte gesperrt sind, währends Sonntags offengehalten wird". Wenn solche Gedanken von irreligiösen Kreisen vielleicht gehegt werden, wäre es kein Wunder, unter Berufung auf das Christentum aber den religionstreuen Juden einen Strick daraus drehen zu wollen, daß sie ihren religiösen Ruhetag halten, finde ich, gelinde gesagt, unchristlich. Aber nicht nur unchristlieh ist dieser Standpunkt, sondern auch unlogisch, da die Juden damit nur denselben Ruhetag feiern, den auch der Stifter des Christentums selbst, wenn er heute lebte, noch immer halten würde. Wenn nun auch kein Mensch den Christen zumuten wird, diesen Tag zu fejern, so sollen sie es den Juden nicht unmöglich machen, weiter nach ihrer Fasson selig zu werden, und der gerechteste Ausgleich wäre wohl der, der auch in Holland und sonstigen Staaten des Westens längst getroffen wurde, daß nämlich den Juden, die ihre Geschäfte Samstag geschlossen halten, von Gesetzes wegen erlaubt würde, Sonntag offenzuhalten. Wenn der Bauernbund aber in dieser Frage die Geschäfte des Antisemitenbundes besorgen zu müssen glaubt, so soll er sich wenigstens nicht das religiöse Mäntelchen umhängen. Hochachtungsvoll: Ein heimattreuer Jude. * Einladung zum Fünfuhrtee der ״Frauenhilfe der Adas Jteroel“. Dienstag, den 22. Februar 1938, findet in der ״Wienea“, n., Obere Donaustraße 91, unser Fünfuhrtee statt und wir j bitten um recht zahlreichen Besuch.! Der Vorstand.! * | > Agndas Jisroel-Mädchengrnppe, Wien, II. I Den dieswöchigen Schabbosvortrag hält Herr . Rabbiner M. Blech um halb 11 Uhr vormittags! in der ״Wienea“, n., Obere Donaustraße 91. i | Grüdungsversammlung des humanitären Ge- I selligkeitsvereines ״Die Sauerbrunner Kurgäste“. Die | Gründungsversammlung findet Sonntag, 13. d., 4 Uhr! nachmittags, im ״Blauen Saal“ des Cafe ,.Sächsischer! Hof", II., Taborstraße 46 a, statt. Nach der Verj Sammlung gemütliches Zusammenbleiben. Gute und j billige Jause. Kein Entree. Die Proponenten sind: i Isidor Runes, Markus Pick, Herr und Frau S. Ament, : O. Bring, Ing. D. Fischer, Ign. Greher, O. Großmann, I A. Habermann, R. Homik, D. Klein, P. Klein, j M. Krausz, O. Lederer, E. Lippa, A. Löwy, K. Maß,; R. Neuner, E. Raaber, A. Rosenbaum, A. Spira, | I. Tanz, I. Weinbach. H. Grän, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. Weltkrise und Religion j (Nach einem Vortrag von Reg.-Rat J. Kreppei,! gehalten am Samstag, den 5. Februar, in der! Mädchengruppe der Agudas Jisroei, Wien.) 1' Seit dem Ende des Weltkrieges befindet j sich die Welt im Zeichen einer schweren Krise,! die sich auf alle Gebiete des öffentlichen Lebens j erstreckt. Derartige Erscheinungen sind keine Seltenheit im Leben der Völker. Was aber die heutigen Zustände von denen der Krisen früherer Perioden unterscheidet, ist der Umstand, daß während sonst immer nach jeder schweren Katastrophe, von der die Menschen betroffen worden sind — Kriege, Seuchen, Hungersnot und dergleichen — diese immer den Weg zu G-tt, zur Religion suchten, diesmal diese geistige und seelische Wandlung ausgeblieben ist. In ifirer Not suchten und fanden die Schwergeprüften und Schwerbetroffenen Trost und Aufrichtung im Glauben — heute aber suchen und finden sie diesen Weg nicht. Ja, selbst die Juden, die immer, wenn sie von bösen Zeiten heimgesucht wurden, wenn sie von Verfolgungen und Drangsalierungen bedroht waren, zu G-tt zurückkehrten und vom Himmel Schutz una Hüfe erflehten — sie lassen diesmal diese Umkehr vermissen. Sie suchen Hilfe bei Menschen, j erwarten ihr Heil von politischen Parteien, ן Organisationen, Körperschaften, Führern, Deklai rationen. Kundgebungen —, den bewährten Weg ins Bethaus scheinen sie nicht zu suchen und nicht zu finden. Und doch bot die Religion selbst den primitivsten Völkern stets Trost und Aufrichtung. Die Entwicklung des Glaubens bei den Urmenschen ist uns nicht näher bekannt. Aber eines wissen wir, nicht nur aus der Bibel, sondern auch aus den anderen historischen Quellen, die uns zugänglich sind, daß die Menschen immer einen Glauben hatten, einer Religion huldigten. Mochte es sich um Götzenbilder handeln, um Tiere, um Feuer und Wasser, um Sonne und Mond — alle Völker hatten den Glauben, daß es irgend eine überirdische Macht gibt, die alles Geschehen lenkt, Segen und Fluch austeilt, Glück und Unglück bringt —, daß man daher sein Tun und Lassen darnach einrichten müßte. Man muß den G-ttern Opfer darbringen, um sie gnädig zu stimmen; man muß ihren Zorn mit Gebeten und guten Taten besänftigen, um bereits verkündetes Unheil abzuwenden. Wo die Not am höchsten, ist G-tt am nächsten! Dieses instinktmäßige Empfieden konnte trotz aller antireligiöser Kampagnen nicht ausgerottet werden. Die philosophischen Weltanschauungen erstreckten sieh bloß auf eine zahlenmäßig geringe Schichte. Die materielle Weltanschauung des Sozialismus, Kommunismus, Nihilismus usw. konnte bloß gewisse Kreise in ihren Bann ziehen. Die breiten Volksmaasen blieben im Herzen dem Glauben an eine g-ttliche Allmacht treu. Selbst der Kampf der G-ttlosen im bolschewikischen Rußland zeitigt nur geringe Erfolge. Trotz aller Drangsalierungen und Verfolgungen füllen die Massen die Synagogen und Kirchen. Warum aber sind die Verhältnisse in den sogenannten Kulturzentren anders geartet? Was die Philosophie, die naturgeschichtlichen Theorien, die materielle Weltanschauung nicht zu vollbringen vermochten, das hat die moderne Entwicklung zuwege gebracht, indirekt, unwiilkürlich. Die politischen Strömungen haben neue G-tter geschaffen. Man erwartet das Heil nicht vom Himmer, sondern von Uebermenschen, von ״Führern“. Die Segnungen der Gesundheit und das Unheil der Krankheiten kommen nicht von G-tt, sondern von der Hygiene, vom Sport, von Bazillen, Infektionen. Der Ertrag der Landwirt- Schaft ist nicht der Segen des Himmels, sondern | eine Folge der künstlichen Düngemittel, des | technischen Betriebes usw. Kälte und Wärme, Sonne und Regen — sind Naturerscheinungen, die man im Radio für Tage voraus verkündet, eine Folge von Hoch ,und Tief — was hat G-tt damit zu tun? So ist nach und nach der Glaube, das religiöse Empfinden unterminiert worden.! Leider auch bei uns Juden. Wenn wir einmal von einer ״Gesere“ bedroht waren, da ordneten unsere geistigen Führer Fasttage an, versammelten wir uns in den Synagogen, verrichteten Gebete, rezitierten Psalmen —- heute telegraphieren wir an den Völkerbund, verfassen Petitionen, erwarten das Heil von politischen Parteien, Programmen, ״Führern“. Wie es sich christelt, so jüdeit es sich. . . . I Wir müssen aber gerade nach dieser Riehtung Umkehr halten. Dann wird der G-tt, der unseren Vätern beistand, auch uns seine Hilfe nicht versagen. Am BücUedUck Renegatentum des Geistes. Von Oberrabbiner Doktor Joseph Carlebach. Hermon-Verlag, C rankfurt am Main. Preis 1 RM. Seit Jahrzehnten gebärdet sich die bibelkritische Wissenschaft, als wäre sie der Weisheit letzter Schluß, als wäre die überlieferte Auffassung der Bibel methodisch unhaltbar. Gerade deshalb ist es zu begrüßen, wenn eine Stimme aus dem Lager der Traditionellen mit Entschiedenheit darlegt: Wir haben ln dem wissenschaftlichen Streit auch noch mancherlei zu melden. In obiger Schrift nimmt Carlebaeh das Werk von Elias Auerbach ״Wüste und gelobtes Land“ als ein typisches Beispiel bibelkritischen Schrifttums energisch aufs Korn. Auf den Inhalt der Bibel und die Wahrheitsfrage geht er nicht ein. Ihm liegt nur daran, zu beweisen, daß die methodischen Grundlagen der gegnerisehen Beweisführung verfehlt und morsch sind. Die Hypothese Wellhausens ist nicht etwa aus religiösen Gründen, sondern aus Gründen wissenschaftlicher

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