Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 1 (7.1.1938)
- Date
- 1938-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 1 heutige Bilanz mit der vor 50 Jahren vergleichen wollten, müßten wir einen rapiden Substanzsehwund des religiösen Elements feststellen. Die Ursache'י Es gibt deren viele, die mehr oder weniger das Problem tangieren; hauptsächlich aber liegt es an der Gedankenlosigkeit, die ein spezielles Merkmal unserer Menschen ist. Man verläßt sich auf Wunder und unterdessen . .. Wir wollen nicht ausdenken. (Fortsetzung folgt.) Die soziale Hilfsorganisation für das korp.-rass. Judentum $e$rilndet Mach einiger Vorbereitung fand am vergangenen Sonntag in Mukaeevo die durch den vor kurzem gewählten provisorischen Komitee finborufene Gründungsversammlung der Organisation statt, die es sich zur Aufgabe setzen will, die Fürsorge um das karpathorussische Judentum zu übernehmen. Im Aufträge von mehr als hundert Gemeindekörperschaften und -institutionen waren mehr als hundert fünfzig Delegierte erschienen. Es waren vertreten: fast sämtliche Kultusgemeinden, Chewra-Kadischos. Frauen-, Volksküchen- und Jugendvereine und sonstige soziale Institutionen in P. K. R. Von den politisehen Parteien, wie die Handels- und Gewerbepartei. Jüdische Partei und die Jüdische republikanische (Agrar■-) Partei, waren Vertreter entsendet worden. Die unter dem Vorsitz des Herrn Bela Kroo abgehaltene Sitzung hat die Gründung der sozialen Hilfsorganisation für das karpathorussische Judentum einmütig ausgesprochen, nur gestaltete sich die Debatte über die vorgelegten Organisationsstatuten sehr stürmisch, die schließlich mit einigen unwesentlichen Aenderungen doch fast einstimmig angenommen wurden. Die Wahl der ersten Leitung erbrachte folgendes Resultat: Präses Dr. J, Läszlo, leitender zweiter Präses F. Stern (Uzhorod), Dr. A. Spiegel (Mukacevo), Dr. A. Kroo (Berehovo) und Doktor Schwartz (Bustina), weiters ein fünfzehngliedriger Präsidialbeirat und ein fünfunddreißiggliedriger Landesausschuß. Es wurde beschlosseil, innerhalb der Hilfsorganisation auch eine Frauen- und Jugendsektion für die einschlägigen Arbeitsgebiete zu bilden. Zum Laudessekretär wurde Herr M. Ch. Katz (Uzhorod) bestellt. Damit ist eine Organisation geschaffen worden, der schon längst eine Reihe von schwerwiegenden Problemen, besonders wirtschaftlicher Natur, harren, um durch sie gelöst zu werden. Wir zweifeln nicht daran, daß die neue Leitung sich der großen Verantwortung bewußt ist., die sie mit der Uebernahme eines Amtes in dieser neuen wichtigen Institution auf sich genommen hat, und wollen wir daher hoffen, daß es dank Mitarbeit und Förderung aller in Betracht kommenden Körperschaften bald gelingen wird, etwas Hervorragendes zu leisten. Die katastrophale Lage des karpathorussischen Judentums erfordert rasches Eingreifen, was mit der Grünrung dieser Organisation geschehen ist., sie fordert alter noch eindringlicher: rasches Handeln' Vortrag Dr. S. Lieben, Prag, in Bratislava Sonntag, den 9. Jänner, um 8 Uhr abends, hält Herr MUDr, Salamon Lieben aus Prag, ein Kenner der jüdischen Reliquien Prags, im großen Saale des Handelsgremiums einen Lichtbildervortrag unter dem Titel: ,,Ein Gang durch das Prager Ghetto“. Im Bilde, begleitet vom Wort, steigt die versunkene Vergangenheit der einstmals größten Judengemeinde Europas vor unseren Augen empor; die sagenumwobene Welt des Ghettos eröffnet sich uns. — Der Reinertrag fällt der Jeschiwa in Bratislava zu. Karten zu den Preisen von Ke 2,-— bis 6.— sind an der Abendkasse sowie im Vorverkauf zu haben bei: Trafik Trau», Zupne näm. 11, Konditorei Menozer. Hummelgasse 25, und Leop. Grünhut, Schimdorf ergasse. Rabbiner Dr. Jacob Freiniaim צ״ל* In Holleschau (Mähren) verschied gelegentlieh eines Besuches bei seiner dort lebenden Tochter Rabbiner Dr. Jakob Freimann im Alter von 70 Jahren, Der Niftar bekleidete in den letzten Jahren den Posten eines konservativen Rabbiners in Berlin und war zugleich Vorsitzender des Beth-Din der Berliner Jüdischen Gemeinde. Er entstammte einer Familie, die aus Deutschland nach Ungarn kam und später wieder den Weg nach Deutschland fand. Nach Absolvierung des HUdesheimerschen Rabbiner- Seminars wirkte Dr. Freimann zunächst als Oberrabbiner in Holleschau. 1913 erhielt er eine Berufung als Oberrabbiner nach Posen. 1928 folgte er einem Rufe nach Berlin. Neben seiner Wirksamkeit als geistiges Oberhaupt seiner Gemeinde war der Niftar überall auch karitativ tätig, jederzeit mit großem Eifer und Organisationstalent hilfsbereit und auch andere zur Mitarbeit heranziehend. Neben seinem eigentliehen Wirkungskreis arbeitete er Wissenschaftlieh im Rahmen des Vereines ״Mekize Nirdamim“. Von seinen im .,M. N.“ erschienenen Editionen sind besonders hervorzuheben: ״Leket Joscher“ von Rabbi Jossef ben Mosche in zwei Teilen, ,,Maasse Hageonim“. ״Siddur Raschi“ nach der ersten Ausgabe von Rabbi Salomon Buber. Bekannt ist seine neue Ausgabe des ספל ה יד־ Zuletzt begann unter seiner Redaktion die Neuausgabe des פחד יצחק ה-פלב. Die anderen kleineren und größeren Schriften Freimanns auf geschichtlichem und kulturgeschichtliebem Gebiete ergeben eine endlose Liste. Eine Reihe von biographischen Aufsätzen aus seiner Feder sind sowohl im Jüdischen Lexikon wie in der Encyclopaedia Judaica (auch im hebräischen Teil) enthalten. Mit unentwegter Treue zu seiner eigenen Ausbildungsstätte betätigte er sich auch als Dozent am Berliner Rabbiner-Seminar. Eine seiner letzten Arbeiten war ein Referat über Rabbi Akiba Eger aus Anlaß seines hundertjährigen Todestages. .־:צבידז Oisiottiick Große Schmitto-Kundgebung in Wien Am Mozze Schabbos, den 28. Tewes (1. Jänner 1938), fand im Sitzungssaal des Hotel ״National“ unter dem Vorsitz des Sadagorer Rabbi eine außerordentlich gut besuchte Beratung statt, an der fast sämtliche Wiener Rabbiner und Vertreter der Tempel- und Bethausvereine teilgenommen haben. Für die Presse waren Reg.-Rat K r e p p e 1 und mehrere andere Vertreter erschienen. Der Sadagorer Rabbi eröffnete die Beratung und wies in seine Einleitung auf die historische Bedeutung der Schmitto-Aktion hin, die nach einer Zeit von fast 2000 Jahren den Juden der ganzen Welt die Möglichkeit gibt, sich an der Mizwoh Schmitto zu beteiligen. Der Sadagorer Rabbi gab ferner den Versammelten davon Kenntnis, daß die gesammelten Gelder zur Durchführung von Bauten und anderer praktisehen Arbeiten zur Beschäftigung der Schomre Schmitto verwendet werden. Als erster ergriff der Sekan Horabonim, der Oberrabbiner der Adass Jisroel, Rabbiner S. Fürst — der schon durch sein Erscheinen in den späten Abendstunden sein Messiras Hanefesch für die Schmitto-Aktion bewies — das Wort, und richtete an die Anwesenden einen flammenden Appell, zur Tat zu schreiten und für das Wohl unserer schmittohaltenden Brüder zn sorgen. So wie unsere Brüder in Erez Jisroel durch die Einstellung der landwirtschaftlichen Arbeiten, G-ttes W'ort in die Tat umsetzen, so müssen auch wir unsere Pflicht erfüllen und uns an den Korban Zibbnr der religiösen Juden der ganzen Welt für die Schomre Schmitto beteiligen. Als nächster sprach Rabbiner J. Babad. Er wies darauf hin, daß das Golus auch auf die Nichtbefolgung dieser Mizwoh zurückzuführen ist. Wir müssen daher uns im heurigen Schmitto- Jahr an der großen Mizwohl beteiligen und für die Schomre Schmitto sorgen, um auf diese Weise zur Näherbringung der Geulo beizutragen. Nachdem sich noch Herr Rabbiner Blech mit warmen Worten für die Schmitto-Aktion eingesetzt hat, überbrachte Herr F e 1 d m a n n, der dem Kibbuz ״Chofez Chaim“ angehört, die Grüße der Schomre Schmitto und dankte in ihrem Namen den Versammelten, für die durch sie eingeleitete Hilfsaktion. Unter allgemeiner Zustimmung verbündete Herr David Bondi den Beschloß der versammelten Rabbiner and Bethausvorsteher, kommenden (Schabbos Parschas בא als Schmitto- Schabbos zn proklamieren und forderte alle Anwesenden auf, für die restlose Durchführung dieses Beschlusses Sorge zn tragen. Mit herzlichem Dank und der ברכה des Rabbinerkomitees an alle Erschienenen und Förderer der Schmitto-Aktion, schloß der Sadagorer Rabbi diese erhebende Kundgebung des Wiener religiösen Judentums, f. Sch, Sitzung des G.-A. der Agudas Jisroel in Wien Am 12. d. M. tritt in Wien der G.-A. der Agudas Jisroel zu einer Plenarsitzung zusammen, um wichtige Beschlüsse organisatorischer Natur zu fassen. In agudistischen Kreisen sieht man diesen Beratungen mit großem Interesse entgegen. Schwimmabend der Aguda-Jugend! Wenn man am Donnerstag abends unsere Räume betritt, so kommen sie einem fast wie ausgestorben vor, und selbst der Eingeweihte kann sich im ersten Augenblick den schwachen Besuch nicht erklären. Schließlich fällt ihm dann doch ein, daß es Donnerstag ist und daß der größte Teil unserer Mitglieder diesen Abend in der von der Jugendgruppe gemieteten Schwimmhalle des Dianabades verbringt. Man entschließt sich, den badenden Freunden einen Besuch abzustatten. Wenn es infolge der vorgerückten Zeit auch nicht mehr möglich ist, mitzubaden, so bietet einem doch die kurze Spanne Zeit Gelegenheit, einen Einblick in das lustige Leben und Treiben zu gewinnen. Das Sprungbrett ist immer von einer Schar Springlustiger belagert, die mit erstaunlicher Virtuosität die kompliziertesten Sprünge mit der Eieganz gediegener internationaler Sportler ausführen. Vom Schwimmen und Tauchen erst gar nicht zu reden. In diesem Fach haben es viele zu einer Vollkommenheit gebracht, die es ihnen ohneweiters möglich machen würde, an sportlichen Konkurrenzen teilzunehmen und bei diesen nicht gerade die schlechteste Rolle zu spielen. Besondere Erwähnung verdient die Tatsache, daß das Tauchen eines unserer Freunde, was Geschwindigkeit und Ausdauer anlangt, jeder Konkurrenz gewachsen ist und jedesmal wieder die Bewunderung der Badenden hervorruft. Auch der Verein ״Verkühle dich täglich“ läßt es sich nicht nehmen, einige seiner prominentesten Mitglieder zu unseren Abenden zu delegieren, die durch ihre herkulische Gestalt jedem Besucher sofort ins Auge springen. Nicht zu vergessen sind unsere B-Gruppler, die viel zur Erheiterung der Stimmung beitragen. Je mehr man sich der Dusche nähert, desto heller und lauter werden die Stimmen der sich fröhlich Badenden, bis man sich schließlich seinen Weg zur Dusche erkämpft hat. Aber schließlich und endlich müssen wir bedenken, daß wir jedem das Seine bieten wollen, so daß es uns nicht stört, wenn jeder auf seine Art auf seine Rechnung kommt. e. a. Frauenhilfe der Adass Jisroel Der Vorstand der Frauenhilfe ladet alle Mitglieder und Freunde höflichst zum Fünfuhrtee ein. welcher Dienstag, den 11. Jänner, in der ״Wienea“, II., Obere Donaustraße 91, stattfindet. Frau Irene Harand wird den Damen von ihren persönlichen Erlebnissen erzählen und so dem Nachmittag ein interessantes Gepräge geben. Wir bitten um recht zahlreichen Besuch. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66. Atelier für feine Herrengarderobe. Agudas-Jisroel-Mädchengruppe, Wien, II. Den dieswöchigen Schabbos-Vortrag hält Herr Sekretär Moritz Spitzer um halb 11 Uhr vormittags in der ״Wienea“, H.. Obere Donaustraße 91. Lerngemeinschaft ״Mekor Chajim“, Wien, H., Große Schiffgasse 1. Am Sonntag, den 7. Schewat (9. Jäner) um 5 Uhr abends, wird ein Vortrag über die ״Entstehung und Bedeutung der Adas Jisroel“ (!Schiffschul), Herr Medizinalrat Dr. Isidor Reiniger, Vorstandsmitglied der Adas Jisroel, halten. Unser äbgeändertes Winterlemprogramm wird demnächst verlautbart. ״Hausmittel“ stad nicht zu unterschätzen! Sie beruhen meist auf jahrhundertalten Erfahrungen und letzten Endes geht ja auch die Zusammen- Setzung aller modernen Präparate auf die längsterprobte Wirkung solcher Mittel zurück! Mit Recht wird darum ein guter Franzbranntwein, also der Alpa-Franzbranntwein, hochgeschätzt; als Einreibungs- und Massagemittel, als Desinfektions- und Schmerzberuhigungsmittel leistet er in' zahlreichen Fällen ganz außerordentlich wertvolle Dienste! Verlangen Sie Alpa-Franzbranntwein nur in Originalflaschen mit Plombe. Ausgewogenen Alpa gibt es nicht.