Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-03-01 · 3 (März 1931) · p. Seite 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 145 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2416673-2416674-2416678--0161-3527725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

1680 erfolgt sein. Zum ersten Mal wird „der Schammes" in Breslau im Jahre 1673 erwähnt.36) Aber schon 1687 werden mehrere „Schammesse" genannt,37) unter denen wahrscheinlich auch schon der Prager Schammes und der mährische Landschammes gewesen sein werden. Anfgeführt wird mit seinem Namen als erster Schammes der mährische Landschammes Salomon Samuel Perlhefter, und zwar im Jahre 1691.38.) J Der erste Prager Schammes in Breslau, der zugleich auch Schammes der böhmischen Landesjudenschaft war, den wir namentlich kennen, ist Hirschel, Sohn d. Ältesten (?) Joachim Mandl Lichtenstadt,39) aus Prag. Über das Alter und den Zweck der Einrichtung des Prager Schammesamtes in Breslau erfahren wir aus einem Schreiben der Prager Judenältesten aus dem Jahre 1702,40) daß diese Einrichtung „von uhralten Zeiten" her „observiret worden" ist, daß ferner für die „Prager Landtjuden im Königreich Böheimb, welche zu Frequentierung der Breslauer [Messen] in- und zwischen den Jahrmärkten dahin reisen", von Prag aus ein „Verwalter" oder „Schammes" entsandt wurde, der gegen Vorzeigung seines von den Prager Ältesten ausgestellten Bestätigungsbriefes von der Breslauer Obrigkeit anerkannt und in seinem Aufenthaltsrecht in Breslau geschützt worden ist. Dieser Schammes hatte, wie seine Ernennungsurkunde4-) aufweist, sowohl juristische als auch geschäftliche und fiskalische Kompetenzen. Unter seine juristischen Kompetenzen fiel, daß er über die Streitigkeiten der Prager Juden (und der ihnen incorporierten, d. h. zur Prager Gemeinde gehörenden, aber nicht in Prag wohnenden und die Privilegien der Prager Juden genießenden Juden, die z. B. in den Vorstädten Breslaus wohnten) in Breslau zu entscheiden hatte. Ob er aber die Qualifikation eines Marktrichters, eines besaß, ist daraus nicht ersichtlich und kann auch insofern bezweifelt werden, als er nicht den Titel eines Rabbiners oder Richters führte. Zu den geschäftlichen Aufgaben des Schammes gehörte die Vertretung der abwesenden Prager Juden, deren Waren er abnahm, für die er Bestellungen ausführte, kurz: deren Agent er war. Zu den fiskalischen Funktionen des Schammes gehörte die Einziehung der Abgaben für die Regierung und für die Prager Gemeinde. Für den Fiskus zog er die Steuerabgaben und Kontributio- 145

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.