Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 51 (26.6.1934)
- Date
- 1934-06-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die »Jüdisch-liberale Zeitung" setzt hier ihre in Nr. 49: begonnene Umfrage fort das Einsegnung der Mädchen? Rabbiner Dr. Salzberger-Frankfurt Keligiöje;©nmbtoge fürs fielen Wie konservativ in religiösen Dingen wir Juden im Grunde sind, zeigt u. a. die Mädchenkonfirmation.. Hundert Jahre und mehr haben, nicht vermocht, sie auch nur 'in liberalen. Gemeinden (die amerikanischen ausgenommen) ein- - zuburgern,, weil sie nicht altehrwürdiger . Brauch war. Aber auch die Barmizwah-Feier des Knaben ist einmal, vor vielleicht sechs Jahrhunderten, eine neue Einrichtung gewesen und wird bis in religiös indifferente Familien hinein noch heute wie selbstverständlich gehalten. Freilich drängt sich sogleich die Frage auf, weshalb nicht längst wie die Barmizwahauch eine entsprechende Feier für die Mädchen sich durchgesetzt hat. Die Antwort liegt nahe, daß die Frau bis vor kurzem insbesondere nach jüdischer Tradition keinen Platz im'öffentlichen Leben hatte. Aber es gibt dafür noch einen spezifisch jüdischr?..Slos.en Grund: es bestehen keine eigentümlichen rehgKjsen. Pflichten, die das jüdische Mädchen mit dem Eintritten das Alter der Volljährigkeit auf sich zu nehmen hatte wie der Knabe — es gibt einen bar-mizwah, aber keine bas-mizwah. Hinzukommt, daß die Mädchenkonfirmation nicht nur kerne jüdische,, sondern eine dem Christentum entlehnte Institution ist und daß sie als Konfirmation, als Bekräftigung des Glaubens, als öffentliches Glaubensbekenntnis dem Charakter des Judentums geradezu widerspricht. Es ist bezeichnend genug, kann man sagen, daß wir bisher keine treffe ad e jüdischeBezeichnung für sie gefunden haben; denn ob wir sie religiöse Jugendweihe oder Mädcheneinsegnung nennen — es ist immer eine Verlegenheit. Und dennoch sollte das liberale Judentum nicht müde werden im Kampf für diese Einrichtung. Sie ist nicht die einzige, die wir vom Christentum übernommen haben, das seinerseits doch so viel jüdische Einrichtungen sich zu eigen gemacht hat; es gilt nur, wie es bei anderen längst geschehen ist, sie mit jüdischem Geiste zu erfüllen. Allein wenn dies unmöglich wäre, müßten wir sie verwerfen. Ist es aber möglich — und das ist unsere Überzeugung —, dann ist sie jeder Förderung wert, schon weil sie nach all dem vielen, was wir von altem jüdischen Erbgut gekürzt oder gestrichen haben, ein Positivum, eine Neuschöpfung (und wenn selbst Nachschöpfung) darstellt. Handelte es sich einzig um die Feier, so würden wir ihr freilich einen solchen Wert noch.nicht zusprechen. Aber es geht zunächst um den Unterricht im Judentum. Wir wissen, wie dieser Unterricht der Mädchen jahrhundertelang bei uns im Argen lag und daß gerade die Mädchenkonfirmation zu Anfang des vorigen Jahrhunderts hierin einen gründlichen Wandel angebahnt hat. Wie aber für den Knaben der reguläre Religionsunterricht noch nicht den Barmizwah- Unterricht überflüssig macht; wie vielmehr dieser in seiner üblichen Form immer dringender einer Ergänzung nach der Seite einer systematischen Religionslehre bedarf, so ist der Konfirmationsunterricht der Mädchen als eine Zusammenfassung religiöser Kenntnisse und Erkenntnisse geradezu eine Notwendigkeit. Im rechten Lebensalter zwischen 14 und 16 Jahren und .nicht zu kurze Zeit erteilt (bei einer Stunde die Woche mindestens dreiviertel Jahre lang), kann er in den empfänglichen Mädchenherzen den religiösen Grund für das ganze spätere Leben legen. Hier sollen all die Fragen und Zweifel sich Luft machen, die im vorgeschriebenen Pensum des Schulunterrichts leicht zu kurz kommen. Dabei ist nicht an-bloße Aussprachen, die sich bald ins Uferlose verlieren, gedacht, so wenig wie an schulmäßigen Betrieb und Auswendiglernen. Der Rabbiner — denn er ist für diesen Unterricht der gegebene Lehrer — wird am besten die Mitte zwischen beidem halten. In seinem eigenen Interesse wäre zu empfehlen, daß er von Jahr zu Jahr das Thema ändert, einmal das Zehnwort, ein andermal die wichtigsten Glaubens¬ und Pflichtenlehren, einmal etwa den ersten Absatz des Sch’ma, ein andermal vielleicht, den ersten Teil der Pessach- Haggada zugrunde legt — am Ende ist es ja doch stets das gleiche Thema: das Fundament des Judentums. Gelegentliche Vergleiche mit andern Religionen, insbesondere mit dem Christentum, werden sich von selbst ergeben; sie sind nützlich, wo sie nicht in bloße Apologetik oder gar in Polemik ausarten. Gegen das Diktieren auch nur des wesentlichen Inhalts jeder Stunde habe ich Bedenken; richtiger scheint mir, die Mädchen jedesmal bis zur nächsten Stunde das . Durchgesprochene ~ nach dem' Gedächtnis selbständig niederschreiben zu lassen und sich von Zeit zu'Zeit zu überzeugen, ob es in der rechten Weise geschehen ist, um wenn nötig Lücken auszufüllen und Mißverstandenes zu berichtigen. Die Hefte mit solchen Ausarbeitungen ermöglichen den Mäd-. chen jederzeit, den Stoff im Ganzen und in seiner Gliederung zu überschauen imd zu wiederholen, und bleiben ihnen ein wertvoller persönlicher Besitzt Erfahrungsgemäß haben unsere Töchter für den Konfirmandenunterricht das lebhafteste Interesse und wünschen meistens, ihn nach der Korifirmationsfeier fortzusefzen, in dem richtigen Gefühl, daß er noch keinen. Abschluß gefunden hat (und in der irrigen Meinung, daß es einen Abschluß dafür gebe). Viele drängen sich zu dem Unterricht in der Erkenntnis, daß er in. jedem Fall nützlich und wichtig ist, möchten sich dagegen an der Feier nicht beteiligen. Nach meinen Beobachtungen sind es in den meisten Fällen die Eltern, nicht die Kinder, die die F, ei er ablehnen. Bald ist sie ihnen (oder einer frommen Großmutter) zu liberal, bald zu •„orthodox“ (1), bald scheut man die Aufregung, bald die Kosten, die für die Eltern oder 'Verwandte angeblich damit unausbleiblich verbunden seien. Von Einzelfällen _ abgesehen, dürften das alles mehr Vorwände als Einwände sein.. Ernster würde ich die Abneigung mancher Mädchen beurteilen, mit einer' öffentlichen Feier eine Schaustellung zu geben. Sie verstehen sich eher zu einer intimen Feier, die sie etwa m der Wochentagssynagoge allein oder allenfalls lin Beisein der Eltern mit ihrem Rabbiner halten. Es soll nicht bestatten werden, daß eine solche Feier unter Ausschluß der .Öffentlichkeit sehr eindrucksvoll sein kann. Aber sie schemt. mir insofern ihren Zweck zu verfehlen, als die Konfirmation, ähnlich wie die Barmizwah, eine Gemeindeangelegenheit sein soll. Aus diesem Grunde bin ich auch.dagegen, wo nicht die Entfernungen der Großstadt dazu zwingen, sie an einem Sonntag zu veranstalten. In den Gottesdienst, womöglich in den feiertäglichen, am besten m den des Schowuaus-Festes als des Festes der Bundesschbeßung zwischen Gott und seinem Volke mitten hinein soll sie gestellt werden. Selbstverständlich muß jedes Zursdhaustellen peinlich vermieden und die Feier so schlicht als denkbar gestaltet werfen. Immerhin 'würde eine nur passive Beteiligung der Konfirmandinnen, ein nur Angeredetwerden und nicht auch Seiberreden dem Sinn der Konfirmation nicht gerecht werfen. Daß wiederum ein Examen dabei nicht vorgenommen werfen darf, versteht sich von selbst. In Frankfurt a. M. ist folgende Form für die Konfirmation üblich geworden. Am zweiten Tage Schowuaus, zu Beginn des Gottesdienstes, führt der Rabbiner seine Konfirmandinnen auf dem nächsten Wege zu ihren Stühlen, die im offenen Halbkreis um den Vorbetertisch aufgestellt sind. Nach dem Gebet fürs Vaterland, während die Thorarolle noch aut dem Tische liegt, beginnt die Feier mit-einem Chorgesang. Es folgt ein Gebet, das eine der Konfirmandinnen selber verfaßt hat und das sie für alle spricht. Hierauf trägt jede eine eigene kurze Ausarbeitung vor über ein Thema, das sie selbst gewählt und das in den Rahmen eines Gesamtthemas, womöglich desjenigen, das der Rabbiner seinem Unterricht zugrunde gelegt hat, sich zwanglos einfügt. Der Rabbiner stellt, um das Ganze als eine Einheit zu erweisen, mit wenigen Worten die gedankliche Verbindung zwischen den einzelnen Ausarbeitungen her, widmet jeder Konfirmandin, nachdem sie gesprochen, eine kurze persönliche Ansprache und überreicht ihr als Geschenk der Gemeinde ein religiöses Buch, in das er einen passenden Spruch als Widmung eingetragen hat. Er hält alsdann eine Ansprache an seine Konfirmandinnen insgesamt, fordert sie auf, gemeinsam . feierlich das Sch’ma zu sprechen und betet, nachdem dies geschehn, um Gottes Segen. Mit einem zweiten Chorgesang schließt die Feier, und der Gottesdienst nimmt seinen Fortgang. Es steht außer Zweifel, daß die Konfirmationsfeier bei allen Beteiligten jedesmal den stärksten Eindruck hinterläßt. Für die Gemeinde, die die festtäglich geschmückte Synagoge in der Regel bis zum letzten Platz füllt, bildet sie einen Höhepunkt des synagogalen Jahres, für die' Konfirmandinnen selbst ist sie zum mindesten eine der reinsten und weihevollsten Erinnerungen, die sie nicht missen möchten, in vielen Fällen aber ein grundlegendes religiöses Erlebnis. Wir verstehen deshalb nicht, warum sie abgelehnt, und nicht vielmehr gefördert, ja gefordert werden muß. Daß sie nicht eine altjüdische Einrichtung ist, ist für den Liberalen kein stichhaltiger, daß sie unjüdisch sei, kern zutreffender Einwand. Sie will kein öffentliches Glaubensbekenntnis, kein Gelöbnis, aber eine conf irmatio im Sinne einer chissuk emuno, einer Stärkung im Gottvertrauen und in der Treue gegen die Gemeinschaft sein. Mögen wir von einer „basmizwah“ im religionsgesetzlichen Sinne auch nicht reden können, so kann doch nur Unverstand leugnen, daß ein feierliches Aufsichnehmen der mizwah als religiös-moralischer Verpflichtung im weitesten Sinne nnsem jüdischen Mädchen, den künftigen jüdischen Hausfrauen und Müttern, und der Gemeinschaft, der sie angehören zu.allen Zeiten, zumal aber in dieser, nur zum Segen gereichen kann. ■ Rabbiner Dr. Kober - Köln Sie Seit snm Sefetraen ift toieftergeiommen Man pflegt über das eben zu Ende gegangene Zeitalter der Judenemanzipation in Deutschland, soweit es die innere Gestaltung des jüdischen Lebens betrifft, vielfach ein recht absprechendes Urteil zu fällen. Man nennt es wegwerfend die Zeit der Assimilation; man sieht nur Schattenseiten an ihm, ohne sich der Fülle des Lichtes bewußt zu werfen, die von ihm für die Wissenschaft des Judentums, die Umgestaltung des Unterrichts und des Gottesdienstes ausgegangen ist. Wie traurig es mit dem Gottesdienst am Beginn der Neuzeit aussah, das schildert klar und treffend Leopold Zunz im 24. - Kapitel seiner 1832 erschienenen „Gottesdienstlichen Vorträge der Juden“. Elbogen urteilt über jene Zeit: „Der Gottesdienst bedurfte einer grundlegenden Erneuerung und Belebung, wenn er sich weiter erhalten sollte.“ Diese grundlegende Erneuerung wurde unserem Gottesdienst, vielfach unter, aufwühlenden Kämpfen zwischen Freunden des Althergebrachten und Anhängern des Fortschritts zuteil. Welcher Jude aber, und mag er noch so sehr am Alten hangen, würfe heut der Predigt und des geregelten Gesangs im Gotteshause entbehren wollen. Zu den Errungenschaften der Neuzeit gehört auch die Konfirmation, die anscheinend 1810 von Israel Jakobsohn zuerst an Jungen und Mädchen in der Synagoge in Seesen vorgenommen wurde. Man begegnete damit auch den Wünschen vieler Regierungen, die in .einem geordneten Religionsunterricht und in seinem Abschluß, der Konfirmation in der Synagoge, eine Vorbedingung zur inneren Emanzipation sahen. In manchen Gemeinden nahmen nur Mädchen an der Konfirmation teil, die ja bisher im religiösen Leben der Gemeinde zu kurz genommen wahren. Die BarmizWah-Feier für Knaben aber wurde mit Gebet des Konfirmanden, Predigt und Segen ausgestattet. Interessant auf diesem Gebiete sind die Konfirmationsreden von Salomcm Pleßner, dem überzeugten Verteidiger des orthodoxen Judentums gegen die Reform, aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Während die Barmizwah-Feier an dem entsprechenden Sabbat für den oder die Knaben überlieferungsgemäß, aber vielfach ausgeschmückt' abgehalten wurde, fand die Konfirmation entweder .an einem Sonntag in einem besonderen Oottesdienste oder als Religionsprüfung der Schüler und Schülerinnen, die die Religionsschule verlassen, in der Synagoge oder als ein Bestandteil des Gottesdienstes am 1. oder 2. Tag Schowuoth statt. Selbst konservative Rabbiner haben im vergangenen Jahrhundert die Konfirmation vorgenommen, wie Lob Berlin in Kassel (gestorben 1814), R. S. Eger in Braunschweig ' (gestorben 1842), Feilchenfeld als er noch Rabbiner in. Düsseldorf war, Schwarz in Köln (zuerst 1860); bei der feierlichen Barmizwah-Feier bedachte selbst der orthodoxeste Rabbiner nicht, daß im Mittelalter das religiöse Mündigwerfen des Knaben ganz unbeachtet vorübergegangen war. Allerdings ist nicht nur von konservativer Seite, sondern auch Von Männern der religiös-liberalen Richtung,- das Streben, andere Religionsbekenntnisse nachzuahmen, getadelt und ein Weg gesucht worden, um die Einrichtung in echt jüdischer Weise zu gestalten. Schon Herxheimer hat mit Recht frühzeitig betont daß eine Verpflichtung auf ein Glaubensbekenntnis keine Wurzeln in der Vergangenheit des Judentums habe. Aber er verlangt bei der Kotdirmatiott Glaubensbekenntnisse. Mit zwei Kro- - nen schmückt altjüdische Weisheit das Volk Israel am Sinai, der Krone des Wissens und der Krone der Tat. Als Israel durch eigene Schuld die Krone der religiösen Betätigung verlor,' da mahnte es Gott um so eindringlicher, die Krone des Wissens zu hüten und zu bewahren. Wer darf daher behaupten, daß es etwas Unjüdisches sei daß junge Mädchen im Rahmen des Gottesdienstes am* Schowuothfest Zeugnis davon ablegen, daß sie von der Bedeutung des Judentums ganz und gar durchdrungen sind. Gibt es eine wirkungsvollere und schönere Versinnbildlichung aer l reue jüdischer Eltern gegen ihren Oott und gegen Judentum, als wenn ihre Kinder am Feste der Offenbarung m. schlichter und wirkungsvoller Weise, nur. mit anderen Worten als der Barmizwah, bekennen, daß Gott Israel erwählt _ hat, daß er uns die Thora gegeben und ewiges Leben in unsere Mitte gepflanzt hat? Keineswegs wollen wir jemanden, der an dem Alten hängt und so tief in seiner Konservativ-religiösen Haltung wurzelt, daß ihm die Konfirmation nichts bedeutet, dazu bekehren. Aber der stille, passive Widerstand^den so manche Eltern, die fern aller ortliodoxen und konservativen Auffassung des Judentums stehen, dagegen beseelt, sollte.doch - der Erkenntnis - weichen, daß, um ein Wort Hermann Cohens zu gebrauchen, die Zeit zum Bekennen wiedergekommen ist, daß hier köstliche Saat für die Zukunft, ausgesät wirf und daß die „Konfirmation“ so notwendig für die Mädchen wie die Barmizwah-Feier für den Knaben ist. „ Eine im echt jüdischen Geiste vorgenommenc Einsegnung der Mädchen wird sicherlich gerade in der. Gegenwart mit dazu beitragen,' daß neues religiöses Leben in unserer Mitte erblüht und unsere Jugend stark wird für den schweren Weg ... der Zukunft. Stadtrabbiner Dr. Schiff-Karlsruhe 9 SRSbels fdjmfirfßn die Slmogoge In einem Braunschweiger Gemcindcbuch fand ich-.ein Sitzungsprotokoll vom Jahre 1829, unterschrieben von dem damaligen Landrabbiner Salomo Eggers s. A.- — so nannte sich dieser (religiös-konservative) Vetter des größeren (bekannteren) R, Akiba Eger s. A. —; der ganze Inhalt bezog sich auf die Besprechung und Vorbereitung der (bereits in einem früheren, nicht mehr feststellbaren Jahre eingeführten) Mädchenkonfirmation.. ' — Zu dem, wie ich glaube, nicht unwichtigen historischen Zeugnis für diesen religiösen .Brauch — den ich als „Bekenntnisweihe der Mädchen" bezeichne — füge ich zwei Zeugnisse eigener Erfahrung hinzu: nach der letzten Bekenntnisweihe hat eine Mutter und ein Mädchen (nicht die Tochter dieser Mutter) von ihrem Erlebnis der Feier das Folgende niedergeschrieben: „Wetm ich von einem Erlebnis berichten soll, das wohl zu dem Trefsten und Reinsten meines Lebens gehört, so geschieht es dankerfüllten Herzens. — War es doch ein Glück, allein zu sehen, mit welch klarem, vertieftem Blick unser Töchterchen von den Stunden, die es für den eigentlichen Tag vorbereiten sollte, heimgekehrt Ist. Mit welchem .Ernst wurde ebenfalls der Bekenntnisspruch durchgearbeitet, um ihn laut an dem großen Tag . aus voller Seele aussprechen zu können. Wir Eltern — wir Mütter vor allem — haben! mit inniger Freude uns für diesen Tag vorbereitet, der uns hinausheben sollte aus dem Alltag — bus all den Kümmernissen unsrer Zeitl Es waren Feiertage — Feierstunden! Begonnen mit dem Schmücken der Synagoge, das von den neun Mädels selbst ausgeführt wurde. Und mm der .eigentliche Festtag. Nach dem ersten Morgengottesdienst wurden unsre Kinder durch die Synagogenräte in unsre Synagoge geführt, und unsere innigen wünsche' und stilles Gebet naben sie auf diesem Weg begleitet. Wiederum der -Halbkreis um ihren Freund, der sie heute besonders ernst und doch liebevoll ansieht, um sich davon zu überzeugen, ob sie auch wirklich bereit sind, diese Stunde in ihrem -Herzen aufzunehmen. Sie sind es — und ebenso wir Mütter —: wir stehen so ganz unter dem tiefen Eindruck dieser unvergeßlichen, reinen Stunde, die von dem innerlich empfundenen Bekenntnisspruch unsres Kindes und dem Segen unseres Rabbiners gekrönt wirf; — — und wenn mein Kmd an seine Freundin schreibt: „Der Augenblick des Segens war das Schönste, das ich bisher erlebt habe“ — so glaube ich es ihm gerne, denn auch Ich war ganz aufgetan von dieser Weihestunde, der ich es auch verdanke, neu gestärkt in den Alltag zurückgehen zu können in dem festen ilauben an unsre Gemeinschaft.“ Und das Kind: „Eine Prüfung bedeutet den Abschluß einer Lehrzeit. Die Bekenntnisweihe-Prüfung jedoch bildet zugleich ein Ende und einen Anfang: das Ende des Unterrichts und den Anfang der eigentlichen Bekenntniswieihe. Dessen bewußt begab ich mich am Erew-Schowuoth in die' Synagoge. Eingeleitet durch den Minchagottesdienst, begann die Prüfung. Wir setzten uns~ im Kreis tun unseren Lehrer, und er begann mit un9 eigentlich eine Unterhaltung. Die Fragen beschäftigten sich mit der Bibel und den jüdischen Gesetzen. Am andern Morgen versammelten wir uns im Betsaal , und wurden vor dem Hailel von den Gemeindevorstehern in * die Synagoge geführt. Ais die Orgel so feierlich spielte, und ich vorne den von uns geschmückten Almcmor sah, da mußte ich denken: Dies alles ist für dich, heute sollst du Oott geweiht werden, du sollst ihm näher kommen und zugleich in deinem Glauben gestärkt7 werden. Da konnte ich mitdoppelter Kraft in das Hailel einstimmen. Nach Thora- und Haftaravorlesung begann, cingeleitet durch einen Chorgesang,. unsere Feier. Wir stellten uns vor den Aron hafcodesch. In kurzen, eindringlichen Worten bereitete uns unser Rabbiner auf unser eigenes Bekenntnis vor. Dies war eine auf einen— Bibelspruch aufgebaute Arbeit, die wir während unserer Vorbereitungszeit gemacht hatten. Während wir dann das gemeinsame Bekenntnis, das „Sch’ma“, sprachen, faßte ich fest den Entschluß, ein doppelt starkes, jüdisches Leben zu führen. Ais wir nachher das Mussat beteten, — ich glaube, da konnte jede von uns in dieses Gemeindegebet eine eigene Bitte einfügen. Der ganze weitere Tag. stand unter dem Einfluß dieser Feier.“ Im Orunde bleibt nur wenig zu diesen Berichten hinzuzufügen: Der Unterricht beginnt bald nach dem Sukkothfest. Es wird versucht,_eine Ein-rühnuig in die G rund lehren des Judentums samt ihren Ausdrucksformen zu*?;eben. Die Form des Unterrichts ist das Gespräch, — sein nhalt wirf in kurzem Diktat festgehalten. Der Unterricht findet sein Ende in der Prüfung; sie findet für sich jeweils am Vorabend der Bekenntnisweihe statt; von schlichtem Gebet umrahmt, geht nun das Oespräch auf ein Thema, etwa: In welchen Formen finden die Gebote der Bibel ihren Ausdruck? — - das konzentrisch ausgeweitet wirf. Die Kinder wissen: Unterricht und Prüfung ist Vorbedingung für die Feier. Für die Feier der Bekenntnisweihe wähle ich in jedem Jahr eine neue Form; die diesjährige sei hier Beispiel: nach einem einleitenden Oesang bereite ich die Kinder in kurzen, eindringlichen Worten auf ihren Bekenntnisspruch vor. Sie selbst haben Um vorbereitet, geschaffen: eine Darstellung dessen, was sie als „ihr Bekenntnis“ zum Judentum erfassen, mit einem Bibelspruch, den ich ihnen gewählt, hebräisch und deutsch endend. Die Kinderwerden weiter geführt: vom Wege „ihres“ Bekenntnisses zum gemeinsamen Ziel: gemeinsam sprechen sie hebräisch — und die ganze Gemeinde erhebt sich — -den ersten Abschnitt des „Sch’ma“. Das „Höre Israel“ Wird im Lied wiederholt. Und die Betrachtung führt weiter, wirf Ruf, Aufruf zum jüdischen Leben aus dem Wort der Lehre. (Das Buch der Lehre erhält jedes Kind als Oeschenk der Gemeinde; es trägt „seinen“