Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 51 (26.6.1934)
- Date
- 1934-06-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Bibelspruch.) Und für das Leben, das auch mit der Bekenntnisweihe vorbereitet ist, wird der Segen erbetet. Es ist meine Hoffnung, meine Zuversicht, daß die Kinder — die Knaben 'in der völlig traditionellen Form der Barmizwahfcier, die Mädchen in dem jüngeren Brauch der Bekenntnisweihe — einmal das Wort erfahren: „E r begehrte um seiner Wahrheit willen, Daß die Weisung er vergrößere, verherrliche . . (Jeschajahu 42/2.) Snternicro bet ,,3.=l. 3-“ Das Wichtigste: der Nachwuchs Eine der leitenden Thesen im gesamten sportlichen Betrieb — und nicht hur in diesem, — ist und bleibt unter allen Umständen die Förderung des Nachwuchses. Große Rückschläge führender Vereine sind nur allzu oft darauf zurückzuführen, daß man über der Pflege und Sorgfalt, die man den Cracks angedeihen ließ/verabsäumte, sich zur Zeit und in genügendem Ausmaß um jene zu kümmern, die eines Tages berufen sein sollten, in die Fußtapfen ihrer großen Vorbilder -za treten. Viel gutes Material ist auf diese Weise zerstört oder niemals voll ausgenutzt, worden. Es ist nun einmal so, däß gerade der in der Entwicklung befindliche Sportler unter allen Umständen auf Tritt und Schritt die leitende, wegbereitende Hand fühlen muß. Ohne sie geht er meist dem Sport und der sportlichen Leistung fremde, ja feindliclte Wege. Man hat aus Fehlern gelernt, und heute ist man glücklich so weit, einzusehen, daß auch der größte Könner für den Verein erheblich an Wert verliert, wenn seine Gegenwart sich hemmend für die Allgemeinheit auswirkt. Den Nachwuchs aber kann man sich nicht nur aus fremden Vereinen und jenen Kreisen zusammenholen, die bereits lange Jahre im Sportbetrieb tätig sind. Das sicherste . Mittel, jeder Zeit das gewünschte Reservoir zur Ergänzung bereit zu haben, ist immer noch die.Pflege der Jugendabteilungen, in denen die Talente zuerst entdeckt und dann in zweckdienlicher Kleinarbeit an die großen Aufgaben herangeführt werden. Schwer und verantwortungsvoll sind die Pflichten, die den Leitern dieser Abteilungen erwachsen, aber das stolze Bewußtsein, an hervorragender Stelle für seinen Verein tätig sein zu dürfen, ist die beste Hilfe, die es geben kann. „Vor einem Jahr,“ erzählt uns Gert Bukofzer, der die Jugend des J.T.S.C. 1005 mitbetreut, „wies unsere Jugendabteilung alles in allem sieben Mitglieder auf. Vor etlichen Wochen konnten wir das 100. Mitglied aufnehmen. Wir können heute mit Stolz von uns behaupten, daß wir die weitaus bcs-te Knabenabteilung der jüdischen Vereine zu stellen in der Lage sind. Aber nicht nur sportlich arbeiten1 wir mit unseren jungen Klubkameraden. Drciiual wöchentlich wird trainiert; jede Woche haben wir unsere Heimnachmittage, die dazu dienen, die Jungen mit der jüdischen und hündischen Geschichte vertraut zu machen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß diese Kenntnisse unumgänglich notwendig sind, und da diese Faktoren nur allzu oft zu kurz kommen, nehmen wir Gelegenheit, diese Lücken auszufüllen. Selbstverständlich sind .diese Heimnachmittage auch für die Pflege des Kameradschaftsgeistes sehr dienlich. . Jeden Monat gehen wir einmal auf Fahrt, und wenn ich Ihnen sage, daß ich mich darauf genau so freue wie meine jungen Freunde, dann ist das in keiner Weise übertrieben. Noch vor einigen Monaten hätte ich das nicht für möglich gehalten, aber die Aufgabe begeistert und duldet keine Halb- beiten. Wer glaubt, an diesem Posten mitarbeiten zu können, muß sich darüber im Klaren sein, daß exilier Einsatz, der ganzen Persönlichkeit Grundbedingung für das Gelingen ist. In den Ferien unternehmen wir regelmäßig größere Fahrten. So lernen wir uns näher kennen und sind imstande, auch an die sportliche Ausbildung des Einzelnen unter besonderer Berücksichtigung seiner Begabung heranzugehen. Besonders einer — Jochen Feingold — trägt unsere Hoffnungen in reichem Maße. Er stellt eine sportliche Begabung auf jedem Gebiet dar.“ Fast könnte man den Sprecher beneiden, so begeistert klingen seine Worte, stolz und froh zugleich. Und wenn man sieht, wie er von allen Seiten jubelnd begrüßt wird, wie es in den Gesichtern aufleuchtet, wie sie sich herandrängen, um einen Händedruck auszutauschen und sich dann wieder trollen, zufrieden und glücklich, „Bucki“ gesprochen zu haben, dann versteht man wie dieser junge Student, den das Leben nicht gerade von Problematik und Schattenperioden verschont ließ, immer wieder Zeit und Lust für seine „Kleinen“ findet. Sie werden einst für ihren Klub kämpfen und siegen, ohne jene zu vergessen, die sie für den Erfolg vorbereiteten. Jim Kroner. Berliner Abende „Musikalische Weihestunde“. So bezeichnete sieb ein Konzert, das der Synagogen verein Levetzowstraße unter Mitwirkung des Roskinschen Chores und Kammerorchesters veranstaltete. Uns scheint das an sich sehr wertvolle Programm diese Art der Benennung doch nicht zu rechtfertigen; es fehlte — in einem Synagogenkonzert! — jedes jüdische Stück, und die Serenaden Mozarts sind in all ihrer Schönheit ausgesprochene Profanmusik, wollen nichts anderes sein. Die orchestrale Wiedergabe zeigte manchmal einen gewissen Mangel an Straffheit, mitunter auch einige nicht überzeugende Freiheiten in der Temponabme, war ater im Klanglichen zumeist recht gut. Uneingeschränktes Lob gebührt dem Chorleiter Roskin, der sich mit einer ausgezeichneten Aufführung der herrlichen Mendelssohnschen Hymn: „Hör mein Bitten“ sowie des großen Hallelujah von Neefe — dem Lehrer Beethovens — ein großes. Verdienst erwarb. Das Sopransolo sang Toni Türk mit glanzvoller, tragfähiger Stimme und vorzüglicher Sprachbehandlung. F. Märchenabend. Aus beklemmender Enge in ferne Weite führte (im Hause des Herrn Arthur Friedländer in der Kleistsfraße) eine Vorlesung ostasiatischer Märchen von Laura Peltesohn. Sie bot altindische Märchen, chinesische, japanische. Ihre Auswahl bewies feines literarisches Einfühlen und kulturhistorisches Verständnis; man hörte aus dem Indischen z. B. „Die mannstolle Sjammawati“, aus dem Chinesischen „Das tote Mädchen“, aus dem Japanischen „Yuki Onna oder die Schneefrau“. Der Vortrag der Künstlerin paßte sich den seltsamsten Zauber- und Geistermotiven an und beherrschte die ganze Skala des Spannenden, Schauervollen und Humoristischen, die für das Märchen in aller Welt 'charakteristisch sind. Die Zuhörerschaft, in der auch angesehene Mitglieder der hiesigen chinesischen und japanischen Kolonie sich befanden, konnte feststellen, welch tiefer seelischer' Zusammenhang aller Erdteile und Rassen gerade in den Märchenmotiven sich offenbart. Hörte man doch z. B. in der japanischen Geschichte von Uraschima-Taro, der sieben Tage " bei der Meereskönigin verweilt zu haben meint, in Wirklichkeit aber 700 Erdenjahre verbrachte, und nach dieser Erkenntnis sich den Tod wünscht, deutlich die' talmudische Legende vom 70jährigen Schlaf des armen' menschenfeindlichen Chonja anklingen und zugleich das schöne deutsche Undine-Märchen. Allgemein war der Beifall und lebhaft der Wunsch, Laura Peltesohn bald auch in größerem Rahmen wieder zu begegnen. Dr. S. Köpenicker Wäscherei Ernst Richter Köpenick, Mahlsdorfer Straße 90 F 4 Köpenick 0263 Telef. Bestellungen täglich, autier Freitag u. Sonnabend, schonendste Behandlung Letzte Nathriihten Der älteste Einwohner Berlins gestorben Im Alter von 104 Jahren ist der älteste Einwohner Berlins, Moses Salomon, gestorben. jEr war im Jahre 1830 in Rynarzewo in der Provinz Posen' geboren. Bis zu seinem 72. Lebensjahre war er in verschiedenen Gemeinden der Provinz Posen als Kultusbeamter tätig. Nachdem er sich von seinem Amte zurückgezogen hatte, lebte er im Altersheim in Bojanowo: Nach Lösung der Provinz Posen von Deutschland optierte er für sein Heimatland und siedelte, neunzigjährig,, nach Berlin über, in das Haus seines Sohnes, des Rabbiners der Jüdischen Religiönsgemeinde Chariottenburg Dr. Leo Salomon. Dort übte er bis Zu seinem 102. Geburtstage gewissenhaft das Amt des Thoravorlesers aus. Zu seinem 100. Geburtstage waren ihm aus allen jüdischen Kreisen ebenso wie vonseiten der' Behörden, Ehrungen zuteil geworden. Der fromme und wohltätige Mann war bis zu Beginn einer schweren Krankheit, die ihn ein Vierteljahr ans Bett gefesselt hielt, von erstaunlicher Rüstigkeit, und er blieb geistig frisch bis wenige Stunden vor seinem Hmscheiden. Sportplatz abgelehnt Karlsruhe. Die „Badische Presse“ teilt mit,-daß der Bruchsaler Stadtrat das Gesuch der dortigen Ortsgruppe des Rdchsbundes jüdischer- F rontsoldaten um einen Platz für sportliche Betätigung abgelehnt habe. Kein Einkauf bei jüdischen Vertretern Wie das Posener Tageblatt meldet, hat die Vereinigung . r.,_ apienvareahändler der Posener Wojwodschaft in ihrer letzten Monatsversammlung beschlossen, nicht mehr bei jüdischen Vertretern einzukaufen, auch dann nicht, wenn sie christliche Firmen repräsentieren. In jeder Versammlung sollen die Namen derjenigen Papierwarenhändler verlesen werden, die die erwähnte Resolution übertreten. . Schächtverbot in Danzig? Danzig. Wie das „Danziger Echo“ erfährt, soll in Danzig ein S c h ä c h t v e r b o t erlassen werden. In den jüdischen Bevölkerungskreisen hat diese Nachricht starke Erregung ausgelöst. Dem Vernehmen nach soll sich das angekündigte Verbot sowohl auf Großvieh als auf Geflügel beziehen. Das genannte Blatt gibt der Meinung Ausdruck, daß es im Interesse Danzigs liegen werde, das Verbot nicht wirksam werden zu lassen, da die jüdische Bevölkerung sonst veranlaßt werde, ihren Fleischbedarf trotz der Schwierigkeiten außerhalb Danzigs einzudecken. Von acht Weltboxmeisterschaffen fünf in jüdischen Händen London. Die Erringung der Weltmeisterschaft im Boxen durch den amerikanisch-jüdischen Max Baer hat der Presse Anlaß zur Kritik an der These von der körperlichen Unterwertigkeit der Juden gegeben. Dabei wird in englischen Zeitungen festgestellt, daß von den acht Boxweltmeisterschaften fünf in jüdischen Händen sind: zwei Titel werden von Berney Roß, die drei übrigen von Max Baer, Rosenbloom und Jackie Brown gehalten. Eine Antwort Barthous Bukarest. (Jta.) In der Festsetzung des rumänischen Parlaments, in der der französische. Außenminister Barthou zum rumänischen Ehrenbürger ernannt wurde, hielt u. a. der Führer der antisemitischen Liga für national-christliche Verteidigung, Professor A. C. C u z a, eine- Ansprache, die er zu judenfeindlichen Ausfällen benutzte. Die Ausfälle wurden von Barthou in der Rede, mit der er. für die' Verleihung des Ehrenbürgerrechts dankte, zurückgewiesen. Der französische Außenminister erklärte, er sei Nationalist und Christ, und als solcher fordere er die Achtung vor den Gesetzen, die der Verteidigung der nationalen Rechte dienen, aber auch die Achtung vor den Rechten aller unterdrückten Völker. Er sei Christ und Katholik in seinem Herzen und verlange daher, daß die freie Ausübung des Glaubensbekenntnisses, jeder-Religion respektiert werde. Waschu. Plättanstalt, Gardinenspannerei Wilmersdorf, Kaiserallee 157 nahe Kaiserpl. Freie Abholung Chartottenb. Gepäckbeförderung E. Jeslonek Schlüterstr. 10 CI Steinpl. 5469 Möbeltransport usw. Schlosserei, Installation ■■■ Htlzuagtu. sanitäre Anlagen Müller & Kosdiel W IS Bayerischest. 32 J 2 Oliva 3147 Zigarren - Zigaretten - -Tabake Moto Bowody ScbÖneberg, Innsbrucker Straße .40 01 Stephau 4B81. Versand franko SonRendruckerei ». K Weimarer Str. 18 a. d. Kantstr. C 1 Steinplatz 1128 Drucksachen aller Art Vertreterhesudi Malereigesdiäft I Maler« und Tapezierer-Arbeiten I A. 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