Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 45 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 280 JÜDISCHE PRESSE Nr. 45 I GRATIS! REST BIS ZU 3 METER GRATIS GRATIS! I wiederum nur Trauriges •und Trübes über die Lage der Juden in ,Rumänien in den Zeitungen vernommen. Wird der zionistische Oberrabbiner von Bukarest, Dr. Nemierower, Senator, so hält er eine Rede im Senat, die offiziell von der Regierung verbreitet wird, ein Beweis, wie sehr diese Regiierung von dem zionistischen Nemierower in gutes Licht gesetzt wird. Nach einigen Jahren kommt Weizmann nach Bukarest und wiederum eine Ueberfiillc von judenfreundliehen Aeußerungen. Inder Zwischenzeit freilich wird über Pogrome, über Ausschreitungen, über Entrechnungen berichtet.!Etwas stimmt da nicht. Es war nie unsere Sache, die schwere Situation unserer Brüder in irgend einem Lande durch Verbreitung von Alarmnachrichten, durch Organisierung von auswärtigen Interventionen, noch mehr zu erschweren. Anders sollten jüdische Führer sich nicht von dem Glanz einer Sonne bestrahlen lassen, die für ihre Brüder nicht Glanz, sondern Sengen und •Brennen bedeutet. Die zionistischen Führer betrachten aber zurzeit die Judenfrage ausschließlich vom Standpunkte des Keren Hajessod. In Amerika läßt sich für diesen Fonds am besten unter •der Perspektive der Judenbedrückung in Rumänien arbeiten. Diese unglücklichen, verfolgten Brüder müssen in Palästina eine Zufluchtsstätte finden. In Rumänien hingegen läßt sich für diesen Fonds unter dem Eindruck einer freundlichen ministeriellen Aeußerung gut arbeiten. Also verbeugen sich die Propagatorcn des Keren Hajessod in Rumänien vor jenen Ministern, vor denen nach •der amerikanischen Version die Juden sich nach Palästina flüchten müssen. lEs wäre übertrieben, aus dieser ,Diskrepanz!irgend eine moralische Konsequenz!zu ziehen. Man arbeitet ■eben Sn •der Propaganda mit differenzierten, den Landesverhältnissen angepaßten Methoden. Die Tote־Meer-Ko!1zession und die englischen Interessen. (J. T. A.) Colonel Howard Bury richtete im Unterhause an den ׳Ministerpräsidenten die Anfrage, ob er angesichts der großen Wichtigkeit •der Kalisalze des Toten Meeres für das britische Reich Maßnahmen treffen würde, daß bei Vergebung der Konzession die Kontrolle über die i Ausbeute ׳in britischen Händen verbleibt; die Gesellschaft, die die Ausbeute vornimmt, müßte eine britische, der Vorsitzende derselben ein britischer Untertan sein. Er wies auf das Beispiel der englisch-persischen Oel-Gesellschaft hin, bei der sich die Regierung durch A'ktienkauf eine Kontrolle gesichert hatte. An Stelle des Ministerpräsidenten gab Ormsby-Gore die folgende Auskunft: Es sind bei •der Regierung vier Be- Werbungen eingegangen.!Im Prinzipe wurde beschlossen, die Konzession zur Ausbeutung •der Kalisalze des Toten Meeres ,an Major Tulloch und •an;Ing. Novomeysky unter der Voraussetzung, daß befriedigende finanzielle Garantien geleistet werden, zu vergeben, lieber einzelnes wird noch verhandelt: das eine ׳kann aber gesagt werden, daß die Regierung nicht ,beabsichtigt, sich durch Aktienkauf eine Kontrolle zu sichern. Colonel Howard Bury fragte dann weiter: Weiß OrmsbyjGore, daß diese Konzession für Großbritannien von vitaler Bedeutung ist. daß allein die Pottascheablagerangen einen Wert von 14.000,000.000 Pfund Sterling darstellen, daß!Deutschland bis jetzt gewissermaßen das Monopol über dieses Erzeugnis hat? Will die Regierung angesichts dessen nicht die Erwerbung von Kontrollaktien erwägen? ׳Ormsby-Gore: ,Die ganze Angelegenheit ist noch im Stadium des Versuches. ,Was immer die Salze wert sein mögen, das Ausbeuteverfahren, das Problem •der ■Zuführang •der Salze zu den Weltmärkten lassen das ganze Geschäft vorläufig als ein Experiment erscheinen. Bei einem solchen Stadium kann man dem britischen Steuerzahler nicht zumuten, Kapital herzugeben. Die Konzession kann nicht als für ewige Zeiten abgeschlossen gedacht werden, die Entwicklungsmöglichkeiten müssen in Betracht gezogen werden. erhält jeder zehnte Käufer bei unserem am 14. d. beginnenden bekannt billigen Weihnachtsverkauf von SEIDENSTOFFEN Seidenhäuser S. WILLHEIM!ll!lllllllllllllllllllllllllllllll!lllllll!llllllllllllllllllll!lll I. Tuchlauben Nr. 8 I. Bauernmarkt Nr. 2A Enorme Auswahl aller Arten SEIDENSTOFFE zu fabelhaft billigen Preisen I Frag’ mich was! Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir 1 0 Serien von je 1 0 Fragen aus dem Gebiete jüdischen Lebens und jüdischer Wissenschaft. Für jeden Leser, der uns die richtige Beantwortung aller 100 Fragen einsendet, haben wir einen wertvollen Bücherpreis ausgesetzt. Nach Abschluß der ganzen Serie werden wir die richtigen Antworten und die Namen derPreistr'äger veröffentlichen. Die Antworten sind unter der Chiffre ״Frag׳ mich was!“ an die Wiener oder Preßburger Redaktion zu senden. III. 1. Wann und was war die Wiener Gesera? * 2. Wieviel Targumim gibt es auf die Bibel? * 3. Wer war Pantera? * 4. Wie hieß der letzte Gaon? ■i■ 5. Wie hießen die Lehrer Raschis? * 6. Wo, befand sich das erste jüdische Ghetto? * 7. Wem wird die Erfindung des Schachspieles zugeschrieben? ■ * 8. Worin unterscheiden sich die Tfilin des Rabbenu Tarn von jenen Raschis? * 9. Wo ist Rabbi Akiba Eger geboren? ־1: 10. Welcher österreichische Dichter hat ein ״Esther“-Drama geschrieben? uz Nachrichten. zu Die Notlage des Schulwerkes in Erez Jisroei. Vor wenigen Wochen haben wir einen Artikel veröffentlicht, der sich mit der traurigen Lage des orthodoxen Schulwesens im ,heiligen Lande befaßt. Inzwischen werden die Nachrichten, die uns aus Erez Jisroei erreichen, immer trauriger. Wie die ״Jüdische Rundschau“ kürzlich berichtete, hat selbst die Zionistische ־ Organisation sich gezwungen gesehen. Schulen zu schließen. Auch ׳das Schulwerk der Agudas Jisroei steht vor der großen Gefahr, Schulen schließen zu müssen, wenn die Orthodoxie sich nicht ihrer heiligen Aufgabe bewußt wird, für eine thoratreue Judenhcit im Lande der Thora zu sorgen und dem Schuhverk durch kleine monatliche Spenden die Weiterexistenz zu ermöglichen. 13!jüdische Schulen sind in bitterer Notlage! 6 5 jüdische Lehrer beziehen seit •Monaten keinen Gehalt! 1 5 75 jüdische Kinder hungern!und sind •durch christliche Missionen bedroht! An uns allen liegt es, dieser Gefahr zu steuern, •diese große Not zu lindern. Drum ergeht an alle, die es ehrlich mit G-tt und seiner Lehre meinen, der Ruf: Zeichnet eine Rausch-Chaudesch-Spende für unser Schulwerk in Erez Jisroei! Chanukafeier der Talmud-Thora Volks-und Bürgerschule Wien. Sonntag, den 18. ׳Dezember nachmittags um 3 Uhr findet die große Chanukafeier der Talmud Thora- Volks- und Bürgerschule im Festsaale •des Bayerischen Hof, 11״ Taborstraße mit reichhaltigem Programm (siehe 111serat) statt. Karten im Sekretariat •der Schule, 11״ Malzgasse 16. Der Veranstaltung, die die größte Clianuka- Kindervorstellung zu werden verspricht, sieht man in allen Kreisen mit großem Interesse entgegen. Verbreitung von Rituahnordlegeuden — S 20 Strafe. (J. T. A.) ׳Das Wiener Strafgericht verurteilte den ,Redakteur des iHaken'kreiizIerblattes ״Volkskampf“ zu 4S Stunden Arrest oder S 20 Geldstrafe wegen Verbreitung einer aufreizenden iRitualmordlegende. Der angeklagte Redakteur hielt es ■nicht einmal 'für nötig, vor Gericht zu erscheinen. Das Leichenbegängnis Alexander Lederers. (J. T. A.) Am Mittwoch •den 30. November wurde der nach seiner Rückkehr von einem Besuch beim Grafen Klebeisberg plötzlich verstorbene Präsident der Pester israelitischen Religionsgemeinde, der 75jährige Dr. Alexander Lederer, zu Grabe getragen. Die um halb 9 Uhr früh begonnene Bestattungsfeier währte bis dn die Nachmittagsstunden. Vor- Standsmitglieder der Gemeinde trugen den Sarg vom Trauerhause nach dem Budapester Haupttempel, wo er aufgebahrt wurde. Der große Tempelraum samt Galerien war bis auf den letzten■ Platz von einer trauernden Menge gefüllt. Es erschienen Vertreter des Ministerpräsidenten, des Kultusministeriums, ferner der Präsident des Oberhauses Baron Julius Wlassics. Oberbürgermeister Doktor Ripka, der erzbischöfliche Vikar Dr. Mcssaros, zahlreiche Parlamentarier und hohe Beamte. Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi führte lin seiner Trauerrede aus: ״Wir stehen hier trauernd an deiner Bahre, Alexander Lederer, der du dem Judentum Ruhm erworben und unvergängliche Werke geschaffen hast. Dein Streben war, die alten Traditionen des Judentums wieder aufleben zu lassen und sie wieder in die Familien hineinzutragen. Mit allen deinen Gefühlen warst du Jude.!Blutenden!Herzens nehmen wir Abschied von dir, die ■Liebe deiner Gemeinde begleitet ׳dich auf deinem letzten Weg.“ — Der Generalsekretär der Gemeinde Dr. Julius Gabor sagte: ״Jedes Kind unserer Glaubensgenossenschaft weiß es heute, daß ■dein letzter amtlicher Weg dem Interesse ׳der jüdischen Hochschüler gegolten hat.“ 'Es sprachen noch zahlreiche Rabbiner und Vertreter jüdischer Körperschaft e^n Ungaras,w^m1j die Bgsta4tung niedrigt und Esov achtmal: Mein Herr! genannt, bei deinem Leben, ,Ich werde von seinen Kindern eher als von deinen Kindern acht Könige erstehen lassen. * Und Jakob fürchtete sich s ׳.’ h r und cs wurde ihm ■a ng s t (XXXII, 8). Rabbi Pinchas bemerkte: Zwei Menschen gab G-tt die beste Verheißung und dennoch gerieten sie in Furcht. Wer waren dieselben? Oer Auserwählteste •unter den Vätern und •der Auserwählteste unter den Propheten. Der Auserwählteste ,unter den Vätern ist Jakob, welcher •die Verheißung erhalten hatte: Ich werde mit ׳dir sein, und zuletzt fürchtete er sich doch. Der Auserwählteste ׳unter den Propheten ist Moses, welchem G-tt ebenfalls gesagt ■hatte: Ich werde mit dir sein, und zuletzt fürchtete er sich doch. Und Jakob fürchtete sich sehr und es wurde ihm angst (XXXII, 8). Rabbi Jehuda bar .1Illai sagte: Das ist nicht Furcht und das ist nicht Angst, die ihren Grund in einer und derselben Gefahr haben, ,sondern seine Furcht bestand darin, daß er Esov nicht erschlage, und seine Angst bestand darin, •daß er nicht von ,Esov erschlagen werde. Er dachte nämlich: Ist er mir überlegen, so kostet es mein Leben, bin ich ihm überlegen, so erschlage ich ihn. * Und Jakob fürchtete sich und es wurde ihm angst (XXXII, 8). Jakob dachte sich: All diese Jahre wohnte Esov im Lande Israel. Das könnte ihm als Verdienst beistehen; all diese Jahre ehrte er seine Eltern, U.nd das wird ihm sicher beistehen. Daher fürchtete er sich sehr. * Da er sah, daß er ihm nicht b eikornmen konnte (XXXII, 25). Rabbi Chanina bar Jizchak sagte: G-tt sprach zu Esov: Er kommt zu dir mit fünf Amuletten. Und welche sind ׳diese? Sein Verdienst, das Verdienst seines Vaters, seiner Mutter, seines Großvaters und seiner Großmutter. Miß dich mit ihm, ob •du auch gegen sein Verdienst bestehen wirst. * Und die Sonne ging ihn; auf (XXXII, 31). Rabbi Berachia sagte: Wem ging sie denn nicht auf? Allein ihm ging sie auf, um ihn zu heilen, den anderen aber nur als Licht. Rabbi!Huna sagte: Wie die Sonne unseren Vater Jakob ■hellte, so wirkt sie für Esov und seine Stammesfürsten wie eine verzehrende Flamme. G־tt sprach zw Jakob: Es soll ׳das für deine Kinder ein Vorzeichen sein. Wie die Sonne dich heilt und den Esov und seine Stammesfürsten versengt, so wird sic einst auch deine Kinder heilen, die Völker aber wird sie versengen. * U n d J ako b hob seine Augen auf u n d, siehe,'Esov kam und mit ■ihm 400 Mann; da stellte er die K ■i n ׳d er ■ u ■m Lea, Rachel und u m die zwei Mägde auf ׳(XXXII, I). Er teilte die Kinder auf und sprach: Nun mag •׳jedes für sich einstehen. Rabbi Löwy sagte: Der Löwe war einmal auf die Land- und Waldtiere aufgebracht, da sprachen dieselben untereinander: Wor geht hin •und besänftigt ihn? ,Ich gehe hin, sprach der Fuchs, denn •ich weiß 300 Fabeln, damit werde ich ihn besänftigen. Gut, sprachen die Tiere, wir wollen gehen! Er ging ein Stück mit ihnen und blieb stehen. Was ist dir? fragten sie ihn. Ich habe, antwortete er, hundert von den Fabeln vergessen. Sie sprachen: Du weißt immer noch hundert. Als sie zum Löwen kamen, sprach er: Ich ׳habe alle vergessen, es mag ■jeder für sich ihn besänftigen. So hielt es auch ■unser Vater Jakob (er sprach zu seinen Kindern: Es mag jedes für sich bei Esov bitten). Jüdischer Humor. Die Träume. Drei Bachurim, die sich auf der Wanderschaft befinden, haben in einem ■Hause, wo eben ,Hochzeit gefeiert wurde, ein Gansviertel geschenkt bekommen. Da ihnen aber auch Speis‘ und Trank geboten wurde, sind sie für heute gesättigt und beschließen, den Braten für morgen aufzuheben. Für drei Mann, besonders für drei mit gutem Appetit gesegnete Talmudschüler, ist nun ein Gansviertel nicht viel, sozusagen ״nur für einen hohlen Zahn,“ und so verabreden sie, daß jenem von ,ihnen das ganze Stück zufallen solle, der in •der kommenden Nacht den schönsten Traum haben werde. Am nächsten Morgen sitzen sie beisammen und erzählen sich ihre Träume. Die beiden ersten haben ׳Herrliches geschaut. Der eine war im Garten ,Eden, im Paradies, das er mit feuriger •Zunge schildert. Dort habe er vor dem Baum gestanden, an dem Adam zum Sünder geworden. Und eine Stimme gerufen: ״Weil du besser 1bist als dein Urvater dieses Baumes nicht pflückst, sollst du 'belohnt werden!“ Er habe nun lange dagestanden ,und seine!Begier, nach den goldenen!Aepfeln zu ,greifen, bemeistert.!Da habe die Stimme gerufen: . ״Weil du beser bist als dein Urvater Adam, sollst du morgen früh das Ganslviertel bekommen!“ Der zweiter!Bocher hätte geträumt, er sei in allen Himmeln gewesen. 11m ersten habe er tausende weißer Gänse weiden sehen auf smaragdenen Wiesen, im zweiten lauter schwarze, im dritten lauter gesprenkelte, :im vierten wären die Gänse geschlachtet, im fünften gebraten, im sechsten zerschnitten worden, im siebenten aber saß Gottes Herrlichkeit selbst mit seinen!Heerscharen und ließ sie mit den gebratenen Gänsen, von denen ein wunderbarer Duft ausging, bewirten. Er aber, der Bocher, saß mitten zwisehen den Engeln.!Eben schwebte ein Seraph herbei und reichte ihm ein saftiges Stück, eben wollte er es zum Munde führen-da erwachte ■er. Er habe aber das süße Gefühl, daß •er das Gänseviertel bekommen müsse. Der dritte Bocher saß wie verklärt da und schwieg. ״Und wie war dein Traum?“ riefen •die beiden andern. ״Mein Traum war kurz,“ begann er endlich. ״Mir träumte, ich sei in einer Wüste, und mir war, als hätte ich vierzig Tage und Nächte lang gefastet. Und ein fürchterlicher Hunger war in mir-ein Hunger יein Hunger —“. Er machte eine Pause, als wollte er das Schreckliche nicht weiter ausspinnen. Nun . . . und was weiter?“ riefen die Bachurim gespannt. ״Was soll weiter sein? Wie der!Hunger nicht •hat aufhören wollen, bin ich aufgestanden und hab‘ das Gansviertel aufgegessen.“ Zur Trauung wird man geführt; zur Scheidung läuft man. Ein Kaufmann läßt seinen Anwalt kommen, um Testament zu machen. Jeder Wohltätigkeitsverein soll 10.000 Schilling bekommen, jeder Neffe und!jede Nichte 50.000 Schilling. ״Sind Sie so reich?“ fragt erstaunt über diese Großzügigkeit der Advokat. ״Das nicht, aber meinen guten Willen soll man sehen!“ Schwiegersohn zur abreisenden Schwiegermutter: ״;Nächstens mußt du Freitag kommen und über שבת bei uns bleiben!“