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Der junge Jude · 1928-11-01 · Heft 6 (November 1928) · p. Seite 195

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 195 (sequence 21)
Language
German
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wird, das innere Leben der Blinde nicht zerstören, sondern es, im Gegenteil, befruchten und bereichern. Man wird Fragen, zu denen die Veranstaltungen der Schule ersten Anstoß geben, in engerem Freundes- und Kameradenkreis erneut erörtern, sich größere Klarheit darüber zu verschaffen suchen. Die Heimabende unserer Bünde werden durch die Anregungen der Schule einen ganz neuen Impuls erhalten. Insbesondere wird die Arbeit in den Junggruppen, deren Führer die Schule besuchen, einen starken Aufschwung nehmen. Die Befürchtung, daß das innere Bundesleben durch die kulturelle und wissensmäßige Bereicherung der Führer und Kameraden verarmen und ins Stocken geraten könnte, ist wenig stichhaltig und würde jedenfalls auf die innere Lebensfähigkeit des betreffenden Bundes ein merkwürdiges Licht werfen. Ein anderes Bedenken ist spezifisch zionistischer Art und daher besonders würdig, gerade in dieser Zeitschrift gründlich behandelt zu werden. Kürzlich schrieb mir ein junger zionistischer Freund in Bezug auf den Gründungsplan der Schule Folgendes: „Es besteht die Gefahr, daß die Schule zu gut wird. Jede Beschäftigung mit jüdischer Kultur hier in der Galuth, die nicht gleichzeitig zionistisch durchdrungen ist, kann uns, ä la longue gesehen, gefährlich werden. Ich erinnere Sie nur an die Zeiten von Zunz, Sachs, Geiger, Holdheim und Hirsch etc. Es gelang und es wird gelingen, die Menschen jüdisch zu erfüllen, es wird geschaffen werden ein klar umrissenes liberales jüdisches Kulturideal, das, meiner Meinung nach, wohlgeeignet sein wird, junge Menschen vollauf zu erfüllen, ein jüdisches Galuthideal wird geschaffen werden, das eines Palästinas entraten kann... Ich sehe hierin die größten Gefahren, daß es wirklich individuell möglich ist, in der Galuth jüdisch zu leben, daß eine ungeheuere Bereitschaft, Jüdisches erleben zu wollen, subjektiv »sehr wohl ein Aequivalent gegenüber jeder anderen Judennot schaffen kann. Ich bezweifle, daß die Führer der Deutsch jüdischen, der C. V.-Jugend, der Kameraden etc. schlechte Juden sind, es gelingt ihnen schon und wird ihnen immer besser gelingen, durch Liebe zu den jüdischen Kultur dingen, sie sich zu erobern, einen Rausch zu kosten, eine geistige Uebertemperatur zu erzeugen, die alle latenten Energien erweckt und in befriedigendem Kampfe ein Judesein und ein Deutschtum, ein jüdisches Galuth schon jetzt, ihnen schafft. Dem aber dürfen wir nicht entgegen kommen... Auf keinen Fall können wir es uns erlauben mitzuhelfen, wohl verstanden jetzt mitzuhelfen an der Erleichterung des Galuth ohne Betonung des Zionismus. Dahin muß aber die „Schule der jüdischen Jugend" wirken, wenn sie wirklich gut werden wird — die Freude der Erkenntnis, der Erschließung der jüdischen Kultur wird den Menschen ganz gefangennehmen und den Ausweg zeigen, in der Galuth jüdisch zu leben... Ich bin aber, wie gesagt, für die Institution der „Schule der jüdischen Jugend", da sie aus anderen Gründen, mit denen ich Sie hier nicht aufhalten möchte, sicher nicht gut werden wird..." Diese, wie mir scheint, hochinteressanten Ausführungen geben einer Meinung Ausdruck, die in der Tat beute in weiten zionistischen Kreisen verbreitet ist, wenn sie auch vielleicht nicht immer mit der gleichen wohltuenden Ehrlichkeit und Offenheit ausgesprochen wird. Die grundzionisiische Erkenntnis, daß sich im Galuth kein voll jüdisches Leben aufbauen läßt, verführt hier zu dem Trugschluß, daß 195

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