Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 194 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Jugend darf kein Milieu gegenseitiger süßlicher Anbiederung schaffen. Nichts würde sie von vorneherein mehr kompromittieren und geradezu zum Mißlingen verurteilen, als wenn sie eine Art Sammelpunkt flauer Gesinnungsgenossen aus allen Parteilagern würde. Nicht Quasi-Zionisten, Pseudo-Liberale, Schein-Orthodoxe und Salon-Sozialisten sollen der Schule den Stempel aufdrücken. Eichtungen und Weltanschauungen sollen ihre legitime Darstellung und Vertretung behalten. Gerade die aus dieser restlosen Ehrlichkeit sich ergebende Herbheit wird eine gesunde Entwicklung der Schule garantieren. Andererseits aber soll die Schule nicht ein mechanischer Abklatsch der hoffnungslosen Zerklüftung des deutschen Judentums mit all ihren unerfreulichen Begleiterscheinungen werden. Diskussion und Auseinandersetzung, ein erstrebenswertes Ziel der Schule, sollen mit Argumenten des Geistes und in Formen gegenseitiger Achtung ausgefochten werden. Die Schule wird nicht nur aus in sich geschlossenen einheitlichen Kursgruppen und Arbeitsgemeinschaften bestehen. Es werden auch zentrale gemeinsame Veranstaltungen abgehalten werden, die die Anhänger verschiedener Eichtungen gesellschaftlich und zwecks Klärung und Aussprache zusammenführen. Und gerade in den Veranstaltungen dieser Art wird der besondere Geist der Schule seinen Ausdruck finden. Die Schule der bloßen Wissensvermittlung wird so zu Schule der Bewährung. Wenn die Schule das halten will, was sich ihre Gründer von ihr versprechen, so muß sie die Schule der Tausend, die Schule der jüdischen Gesamtjugend werden. Sie muß für Jugendliche natürliche Anziehungskraft besitzen. Das kann sie aber nur, wenn ein Geist inneren Aufschwungs, geistiger Bewegtheit und seelischer Dynamik in ihr herrscht. Auch wird die Schule nur solange Bestand und inneres Existenzrecht haben, als Jugend sich durch den Vorzug der Jugendlichkeit verbunden und gegenseitig angezogen fühlt. Eine in snießerhafte Stabilität sich flüchtende oder unbewußt in sie hinübergleitende Jugend wird weder die Energie noch auch das moralische Recht besitzen, sich eine gemeinsame Schule zu halten. Trotz berechtigter Hoffnungen auf ein Gelingen des Werkes wäre es leichtfertig, wollte man nicht von vorneherein auch jene Bedenken erörtern, die gegen den Plan einer solchen Gründung vorgebracht werden können und tatsächlich vorgebracht worden sind. Manche dieser Bedenken sind schon imnlicite im Vorstehenden gestreift worden und brauchen nicht nochmals erwähnt werden. Mit einigen muß man sich ausführlicher beschäftigen. Es gibt Bedenken «seitens der Jnsrendbünde. Die Schule wird ohne Zweifel die allgemeine jüdische Bildungsarbeit der Bünde erleichtern helfen. Wird sie aber wirklich nur helfen und nicht etwa auf irgend eine Art die ganze Erziehungsarbeit den Händen der Bünde entwinden? Wird durch die Schule nicht eine Verkümmerung des geistigen Lebens in den Bünden verursacht? Dieses Bedenken wir-1 solange gegenstandslos bleiben, als die Erziehungslendenzen unserer jüdischen Jugendbünde ganz spezifischer Art sind. Im letzten Gm^de kann die Schule doch nur das Allgemeine, wenn auch in verschiedener Beleuchtung und Intensität, geben. Die Schule wird, wenn sie im Leben der Bünde die ihr zugedachte richtige Stellung haben 194