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Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 34

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 34)
Language
German
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1424 in Bezug auf Religion, der sie kennzeichnet und der die Ursache für deren widrige Anmaßung und Ueberhebung ist. Herr Lehmann, der die Grundznge der „deutsch - jüdischen Reformpartei" vor drei Jahren paragraphirt hat, erscheint durchaus berufen, über seine Genossen und Anhänger Zeugniß abzulegen. Aber wie will er der überhandnehmenden Fahnensiucht von der Reform zum Christenthum, der vollständigen Religionslosigkeit seiner Parteigänger, deren Mangel an sittlichem Stolz, deren widriger Anmaßung und Ueberhebung abhelfen? Er hat diese offene Abkanzelung doch gewiß lediglich nur aus dem Grunde vorgenommen, um die brennende Frage zu beantworten, wie man diesen Nebeln Heilung zu bringen vermöchte. Er hat den Nothstand darlegen müssen, um sein Arkanum anzupreisen. Man höre und staune! Berge kreisen, um ein armes Mäuslein in die Welt zu setzen. Man verbanne die hebräische Sprache gänzlich aus Unterricht und Gottesdienst und gebe der Jugend „die herrlichen Psalmen, Prophetenreden, Bibelerzählungen, Weisheitssprüche der Väter, ausgewählte Stellen ans der Moralphilosophie des Maimonides, den S'ttenbüchern Mendelssohns u. v. a., aus den Gedichten Jehuda Halevis u. a. m." in deutscher Uebertragung — „und unsere Jugend lernt Verehrung vor dem alten Judenthum, Liebe und Begeisterung für eine Religion, die die herrlichsten Legenden (sie!) des Alterthums, das Grundsittengesetz der Menschheit mit dem herrlichsten aller Zeiten, wie ein immer neu verjüngender Gesundbrunnen so trefflich vereint. Da werden sie auch seltener werden, die Judentaufen, seltener die blasirten jungen Leute, die sich schämen und geniren, wenn sie als Juden erkannt, wenn sie mit Glaubensgenossen gesehen, wenn jüdische Angelegenheiten besprochen werden. Schafft Wissen, weckt Begeisterung für das Judenthum, das thut uns noth!" So Emil Lehmann, der diesen wohlklingenden Phrasen den vollendeten Bankrutt der Reform hiermit feierlich und förmlich vor aller Oeffentlichkeit erklärt hat. Wie hat es doch nur der Spanne Zeit von sechs bis sieben Dezennien bedurft, um die totale Nichtigkeit der Reform so vollständig erkennen zu lassen, daß deren Stimmführer die ganze Erbärmlichkeit selbst dokumentiren müssen. Kurzsichtige, armselige Weisheit, die Emil Lehmann hier zu Markte tragen muß; nur die Verzweiflung der vollendetsten Ratlosigkeit kann zu einer solchen Blosstellung der Reform führen. Wie rasch hat sich die Lüge als Lüge erwiesen, die Lüge von der wahrhaftigen religiösen Begeisterung, der höheren, religiösen Erkenntniß, der aufrichtigeren Gottesverehrung u. s. w. u. s. w. Absolute Religionslosigkeit, vollendeter Nihilismus, gänzliche Gleichgültigkeit — das ist das Resultat der schönen, religiösen Erhebung der Geister, wie die Reformhelden den Abfall vom Judenthum genannt haben; und die Verblendung ist so groß, daß Emil Lehmann noch heute mit den alten, abgestandenen Phrasen dem um sein Heiligthum betrogenen jüngeren Geschlechte zu Hülfe kommen will. Wir sind auf seinen Aufsatz: „Was thut uns noth", mit dem Bemerken hingewiesen worden, daß darin mit vieler Wärme für das Judenthum das Wort genommen worden und es dem Verfasser doch wahrhaft ernst darum zu thun sein müsse, Begeisterung für ein echt jüdisches Leben wiederum zu wecken. Wir erachten es deßhalb gar nicht für überflüssig, in eine Erörterung darüber einzutreten, was Herr Lehmann unter Judenthum versteht und welche Ziele er in Wahrheit anstrebt. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8. October. Von Herrn Samuel W. P ascheles, Buchhandlung in Prag, erhalten wir eine Zuschrift, in welcher derselbe die gegen ihn gerichtete Beschuldigung, er habe sein Geschäft am Sabbat geöffnet, zu entkräften sucht. Wegen Gasausströmung hätte die Thüre seines Ladens am Sabbat offen stehen müssen, und seine Frau sei nur zur Sicherung des Eigenthums in dem Lokale anwesend gewesen. Wir stehen nicht an, dies zur Kenntniß unserer geehrten Leser zu bringen. Hamburg, 26. Sept. Die jüngste Abgangs- Prüfung an der hiesigen Gclehrtcn-Schule des Johanneums hat einen wahren Dt^n temp gezeigt. Unter einer Zahl von 12 Primanern wurden überhaupt nur 7 zum Examen zugclassen, und unter diesen waren 3 Juden, Joseph Norden, Moritz Weiß, Israel Levy. Alle 3 haben die Schule während der ganzen Zeit ihres Studiums nicht am na«? besucht und sind trotzdem die Besten der Klasse gewesen. Norden war sogar Primus der Prima. Alle 7 Schüler haben das Examen gut bestanden, und bei Vertheilung der Prämien (es existiren deren 2 für die beiden besten abgehenden Schüler) hat Norden die erste und Weiß die zweite Prämie erhalten, bestehend in 800, resp. 400 Mark. Wir sehen daraus, daß die Heilighaltung des nac? den Betreffenden nicht allein nicht schadet, sondern in Wahrheit nützt, indem diese 3 Schüler sich der Achtung sämmtlicher Lehrer der Schule zu erfreuen hatten, was uns zugleich ein schönes Zeugniß für die hnmane Gesinnung des Lehrer-Collegiums darbietet. Alle 3 gehörten übrigens in der Talmud-Thora, die sie besuchten und in der sie ebenfalls die Prüfung zur Berechtigung des Einj.-freiwilligen-Dienstes glänzend bestanden, zu den besten Schülern. Möge die Carriere, der sie sich zu widmen gedenken, und

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