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Die Wahrheit · 1922-11-10 · Heft 22 (10.11.1922) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 22 (10.11.1922)
Date
1922-11-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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zestes Deilis, dem Automobiluni> Antisemitenlömg Henri Ford angebiedert und dessen Hetzblatt mit schwerlalibrigen Aufsätzen versehen. Brosol hat in New-Borl den „Verein russischer Offiziere" gegründet, ungefähr etwas wie unsere famose FrontkLmpferversinigung, dte ebenfalls den Antisemitismus zürn Mittel' des Monarchismus macht. In seiner Eigenschaft als Vereinspräsidenl und Schriftsteller hat nun dieser Russe dem milliardeurerchen Fabrikanten bereits viele Tausende von Dollars abgeknöpft, angchlich den Zarismus als sichersten Vernichter des Judentums auszurichten, in Wirklichkeit die Beschränktheit Fords eigenen Zwecken dienstbar zu machen. In der alten Welt müssen die Hohenzollern dem AntisemÄismus Borspanndienste leisten, in der neuen sind die Romanows dafür gut. Es ist überall derselbe Schwindel, Schwarz-weiß-rot in anderer Couleur. (Fortsetzung folgt.) Rasse, Volk, Nation. Von Dr. Max Grunwald. (Schluß.) Röder, Gutmann, Schleich, In diesem Zusammenhänge sei-auch mit Genugtuung des soeben in zweiter Anflage erschienenen Buches von Adam Röder (Reaktion und Antisemitismus, Berlin 1921, C. A. SchwetschLe u. Sohn) gedacht das der Verf-asser, Herausgeber der „Süddeutschen ' konservativen Korrespondenz", also ein konservativer Politiker, als „Mahnwort, cm die akademische Jugend" richtete National ist, nach Roder, jeder Mensch, der Heimatsliede empfindet. „Auch der Neger, der als Kind in Deutschland ausgewachsen ist,. wird, wenn nach Aethiopien zurückversetzt, sobald er den deutschen Heimatlaut vernimmt, sein Herz höher schlagen fühlen. Von einer Stimme des Blutes (oemmmiib er nichts. In dem deutschen Juden ist das einorgantisierte Heimatsgefühl genau so automatisch tätig, wie in jedem anderen. Die Heimat chm nehmen wollen, heißt, sich am allgemeinen Menschentum versürtdigen." Nationalismus hingegen ist parteipolitische AusLWbung und Ausbeutung des nationalen Originalgesühls. „Es sind selten die Heimattroiten, die. sich nationalistisch nennen." „Man bestreite keinem Deutschen seine. nationale Gesinnung. Es ist ein göttlicher Z uL in der Seele des Menschen, das Fleckchen Erde zu liebelt. das Gott chm gab, als er seine Seele in das Reich des^ Ungewissen sandte." Nationalismus ist „Außerachtlassung des religiös-ethischen Gesetzes, daß die 'Menschheit über dem einzelnen Volk steht, daß wir erst Menschen sind und dann Volk, und daß die Entwicklung besonders unterm religiösen Gesichtspunkt wieder zur Einheit 'führen muß." „Die Nationen sind im letzten Sinne nichts Gottgewolltes, sondern — Zugelassenes, das int höchsten echischen und Mttlichen AuMick überwunden werden soll." „Jeder, der Deutschland Uls sein Vaterland ansieht, mit dem ihn Drache, Erzichung und LebensM verbinden, ist als national anzusehvn, wenn er d arauf Anspruch erhebt." „Die apriorischle Heimatslisbe bedarf aber einer rationellen Ergänzung, einer Projizierung aus dem Jdvalistischen ins Wrvkliche. Das ist die Staatsgesinuung, das BÄsuntnis zum Staat." Die Gerechtigkeit, des Staates - oberstes Ziel, verlangt, daß jefrem das Seine wird. „Nationalistische Politiker, und Popularschriststeller mißbrauchen mißverstandene Postulate des Darwinismus und der Viehzucht, um ans die Rasse nnd ihre Reinhaltung zurückzukommen, alsdas eigentliche sittliche Unphänomen des. kulturellen menschlichen Daseins." „Wir wissen nichts in der Rassrnfrag» und in der Frage der Vererbung geistiger und seelischer Fähigkeiten." Experimentelle Blutmischuu>gen bieten keinerlei Anhalt. „Das Blut des eigetten Bruders wirkt in den Adern als Frenrdkörper. Der seelische ExponentdesJ nd iv i d 'u u m s i st e n t s ch e i d e n d." „Der Antisemitismus verivirrt die Herzen, erstickt das gesuMe Gefühl und trübt d a s V e r st ä n d n i s für d ie w ir >k l i chen Z us a m m c n h ä n g e." „Er widerspricht auch dem entfachen und klaren Ideengehalt des Neuen Testamvuts." „Mit dem süßeir Gift des allzeit gefälligen, unechten „Patriotismus" präpariert, sind wir geneigt, sobald das Wort Nation ertönt, aus Me Rechts- und Sittlichkeitsbejgriffe zu verzichten." Aber „Recht muß werden mrd Recht muß herrschen". Wir beschränken uns aus diese wenigen Anführungen aus idem reichen Inhalt des Buches, das uns erst nach Abschluß unseres voranstehenden GeÄanEengcmges bekanntgeworden ist, um sestzUstölleu, wie eine von ganz anderen Voraussetzungen ausgehende Behandlung unseres Gegenstandes in wichtigen Ergebnissen sich mÄ unserer Auffassung begegnet. Nach M. I. Gutmanns „Ueber den heutigen Stand der Raste und Krankheitsfrage der Inden", der gleichfalls hier zu erwähnen ist, kann von einer Rassenreiuheit der Juden im anthropologischen Sinne, keine Rede sein. Als die einzige reine Kulturraste werden die Chinesen bezeichnet. Eine neue Perspektive eröffnet, auch das sei hier nachgetragen, C. L. Schleichs („Wunder in uns", hevausgegebcn von Hans Wucher, S. 367 ff.) Hinweis, ans-die Unsterblichkeit der ZeWerne. „Mein Lebenskampf, meine Siege im Sinne der Vernunft und der Schönheit, der Güte und der Liebe werden einst zu Motoren in Men den Lebensbetrieberl, in welche sie hinemigevaten, und umgekehrt wird mein Ich erfüllt von allen den Sehnsüchten und Fähigkeiten, welche die Wesen besaßen, die in meinen Lebensbettieb zeugend hineingelaugten." Scherzhaft übertreibend, kann man sagen: „Nie wäre Weche ein Goethe geworden, wenn er nicht einst einen Apfel, Spargel oder eine Feige gegessenhätte, in denen noch Zellen eines Leonardo da Vinci oder Giordanv Bruno waren." In der Richtung dieser Gedankenkette, die übrigens auch zu anderen bedeutsamen Gebieten (vergl. „Beerdigen oder Verbrennen?" im Frankfurter „Israelit", Mainz 1922) die Brücke. bMet, liegt die Erwägung, welchen Einfluß das ZusammeMvohnen einer Menschengruppe, aus ihre körperliche und geistige Struktur, ausübt. Durch, die Nahrungsaufnahme gelangen Zellen Verstorbener in den Organismus der Ueberlebenden. E.in Prozeß, den übrigens der Aussprttch (Schabbat. 113 b) streift: „Wer von der Erde Babyloniens ißt, ißt gewistermaßen von der Ädischen Hülle seiner Vorfahren (nach Riaschi, „die dort im Exil gestorben sind>"). Nicht Blutsgemeinschalft, sondern ZMenverwamdtschaft, nicht historische, sondern geographische Zusammenhänge, nicht Erdgeruch, sondern Bodenerzengniste schmieden somit eine Menschengruppe zu einer Einheit zusammen, die jedem Heimatgenosten, jedem Landsmann das gleiche Anrecht aus den heimatlichen Boden gibt. Vor der Hestnat sind alle Kelch, auf die, auf dieser gemeinsamen physischen Grundlage erwachsenen Kultur hat jeder der gleichen Scholle Entsprossene gerechten Anspruch. Der Antisemitismus, die Ausschließung des Heimatsgenvsten ist h.ienach ebenso wie Kastengeist und soziale GögensätzMhikeit, nicht allein etwas Unrüligiösesj Unmoralisches , und Widervernünstigessondern etwas, WOermckürliches,

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