Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 22 (10.11.1922)
- Date
- 1922-11-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Aus aller Welt. Im preußischen Staatshaushalt für das Jahr 1023 ist die Bereitftellrmg von Mitteln zur Unterstützung leistr^ngsschwacher Synagogengememden, die sich dem Preußischen Landesverband angeschlossen haben, beabsichtigt. — Im Prozeß gegen den Hauptmann v. Hausen, der?bnfe Broschüre „Die Geheimnisse der Weisen von Ziorr" verfaßt hat, wird auch Frau Mathilde R a t h e n a u, die Mrtter des ermordeten Reichsministers, Nebenklägerin ftm- » * Unter den Ausschreitungen im Kattolvitz hatte auch sin amisrikamiischeir Bürger zu leiden, der iiber sein Erlebnis in eineni Telegramm an die amerikanische Botschaft in Berlin berichtete, das folgendermaßen lautete: Ich, der amerikanische Bürger Oskar Haas aus Brooklyn, wurde auf der Durchreise von Warschau nach Amerika iu Kattowitz verprügelt umb beraubt. Schutz vor der polutschen Polizei vermochte ich, trotzdem ich mich als Amerikaner auswies, nicht zu erlangen. Polizeibeamte (!!) haben mich ebenfalls verprügelt und beraubt: Ich bin nach Beuchen geflüchtet und ersuche um sofortigen Schutz. Der Vertreter der Bereinigten Staaten in Kattowitz ist hierauf von amerikanischer Regierurrgsseite beauftragt worden, eine Untersuchung der dortigen Ausschreitungen baldigst durchzuführen. — In Polnisch - O b e rs ch l e s i e n haben die dortigen Jnderr beschlossen, sich an den Wahlen zum Laudtage mit eigenen Kandidaten zu beteiligen. Durch die Llnsetzrrng des Termins auf das jüdische Neujahrsfest ist aber die Stimniabgalbe der Wählerschaft regierungsseitig verhindert worden. Drüse Verfügung der polnischen Regierung widerspricht denr Versailler Vertrage. # In der T s ch e ch o - S l o w ak ei brauchten lüdrsche Rekruten wegen des Versöhnungstages statt am 2. erst am 3. Oktober einzu rücken. « «. * In Ung am soll die Reform des Oberhauses durchgeführt wenden, die auch den Vertretern der Religionen Sitz und Stimme gewährt. Da Vertreter der Iudenheit nicht vorgesehen sind, haben die irr Betracht komnrerrden jüdischest bMnHttionen^ den' Antiräg gesteckt, auch ihren Bevdllm'ächßigten dieses Recht zu verleihen. Die Frage des'- Schutzes der jüdischen Minderheit beschäftigt den Völkerbund, nachdern Ungarn die Aufnahme bereits erhaltest hat. Auf >diie Frage des englischen Vertreters hat sich der ist Genf weilende ungarische Minister Banfsy verpflichtet, das Leben der jüdischen Bevölkerrurg und ihre FreihÄt zuschützen und die Beschränkung der Hochschulfreiheit gegenüber d>est Juden aL^ufchaiffen. Diese Ministerverpslichtrlngsoll durchfolgende trübe Mitteilicrrg gekennzeichnet werden: Vor einigen Tagen haben die ungarischen Natirrwissenschästler in Kesthely eine Wanderversainmlurrg abgehalten, auf der dem verstorbenen großen jüdischen Gelehrten, Professor der Medizin Dr. Max Schlächter,- Lob- und Anerkennung gezollt wurde. Zur Men Zeit erschien der Sohn Max Schlächters, der infolge des Numerusclausus gezwungen war, an einer auslandi- " scheu Hochschule sM Doktordiplom zu ertverben, an der BüdäpWr^UnlivÄsikäL,- um sM Diplom legalisieren zu lassen. SM Ansuchen wurde mit der Begründung abgelehnkF daß' es Men gefährlichen Präzedenzfall bilden würde/ wenn mstn dem auslürDrschest Diplom eines Inden LastdeKgüWMM' erteilen' würde!' * In L i t a u e u ist vor den Wahlen glücklicherweise eine Verständigung aller jüdischer: Parteien zustande gekommen. Diese haben sich dahin geeinigt, daß in samt lichen Wahlkreisen die drei bisherigen jüdischen Kcwdl datenlisten zu einer einzigen vereinigt wurden. So konnte die Iudenheit Litauens bei den kürzlich swttgesnndenen Wahlen als eine Einheit Vorgehen. Bisher wurden folgende Wahlresultate bekannt: Christliche Demokraten 38, Volkssozialisten 20, Sozialdemokraten 10, Juden 2, Polen 2, Deutsche 1, Komuniisten 3, Kleinbauernpartei 2 Mandate. Im bishergen Sejm ist es nichl gelungen, eine gesetzliche Regelngn des Jüdischen Ministeriums zu schassen, wenn auch die jüdische Autonomie, in der Verfassung verankert wurde. * diach der Wiener „Roten Fahne" wurde, in P a l äst i n a eine selbständige kommunistische Partei gegründet. * . Der Bizekönig von Indien, Sir Rusus Jsaaes, Lord of Readiug, beabsichtigt aus persönlichen Gründen von sMem Posten zurückzutreten. .. . ' . , .Iudex. Rabbinerverband in Wien. Gegenüber einem iit einer hiesigen Tageszeitung erschienenen Angriff aus den Wiener Rabbinerverband in Angelegenheit der Enrolumente sehen sich die Unterzeichneten Rabbiner veranlaßt, folgende Erklärung abzugeben: 1. Wir protestieren gegen die Bezeichnung der Emolumente als Trinkgelder aus folgenden Gründen: a) Der „Keschach", das heißt die Honorierung der Funktionäre für den Vollzug von Trauungen, beruht, wie schon der hebräischen Bezeichnung zu entnehmen ist, aus einer alten jüdischen Tradition. b) In den Konkrrrsen der Kriltusgemeinden bei Besetznng von Rabbinerposten werden die Emolumente als wesentlicher Teil des Gehaltes des Rabbiners bezeichnet. c) Hat der Wiener Knltnsoorstand im Jrchre 1020 die Ablösung dieser Emolumente geplant, wonrit er selbst ihre Rechtmäßigkeit anerkannt hat. ck) Was die Honorierung von Leichenreden anbetrisft, so ist diese vielen Kollegen kontraktlich zugesichert, und überdies hat der Vorstand deren Rechtmäßigkeit selbst in dem gegenwärtigen Stadium anerkannt, wobei er allerdings den Betrag, ohne die Klassen der Leichenbegängnisse zu unterscheiden, einseitig aus ein Minimum reduziert hat. 2. Die Unterzeichneten stellen fest und sind bereit, hierfür Beweise zu erbringen, daß, trotz ihres fraglosen Anspruches auf Emolumente, sie in zahlreichen Fällen über Wunsch der Partei sowohl Traungsals auch Leichenreden ohne jedes Entgelt gehalten haben. 3. Die Unterzeichneten lehnen es ab, sich in eine weitere Auseinandersetzung mit der betreffenden Zeitung einzulassen, stellen aber fest, daß ein Hinanstragen interner jüdischer Angelegenheiten irr die Oesfentlichkeir gegen jüdischen Brauch verstößt. Dr. Meles, Dr. Bach, Dr. Bauer, Dr. Drobinsky Dr. Feuchtwang, Dr. Frankfurter, Dr. Funk, Dr. Grunwald, Dr. Mandel, Mayersohn, Dr. Rosenmann, Dr. A. Z. Schwarz, Dr. Taglicht. Werbet Monuenlen ffit nufer Matt!