Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1925)
- Date
- 1925-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652735--17474-3518345- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fjr.<7 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 417 ..»itklung oder ähnliche Momente zu Handelsstädten Rethen sind. Das sind die großen Hafenstädte, die Handels- .|Kit in den Industriebezirken, zentrale Markte fei bc- -jeren Produktlonsgcblctcn. Aber es braucht nicht näher i'jrt *u werden, worin der Unterschied zwischen Liverpool Kottcrdam und Tcl-Awiw zu suchen ist: ei ist derselbe jjtRchicd, der zwischen Liverpool und Pinsk, zwischen (jerdam und Kaiisch besteht Tatsächlich finden wir einen •rirtßcn inneren Aufbau wie ihn Tcl-Awlw zehjt, mit seinen ökonomischen und sozialen Auswirkungen, mit ,cm spezifischen Charakter und Gepräge von Kleinhandel j Zwerghandwerk wohl nur noch in den Städten des ^«cb-jüdischen Anslcdlungsrayons. '.Aber auch hier wird erst die dynamische Betrachtung; Entwicklungstendenzen, die mit der vierten AJijah Verden sind, ganz deutlich zu Tage treten lassen. Destanden , TelAwiw, wie gesagt, im vorigen I lerbst 6S8 I landclsittMchmungen, so bedeutet das, daß Je ein Handelsbetrieb;l ungefähr 31 Einwohner oder, mit liberaler Errechnung ((Kunden aus den umliegenden Kolonie»», ein Handelsbetrieb „I je 43 Einwohner kommt Anders ausgedruckt unterhielten {6-9 Familien je eine Oütcrvcrtcilungsstcllc. Noch für iß Frühjalir des vorigen Jahres (Nissan 5684) zeigt die Vilichs Zählung von Tcl-Awiw auf zirka 19000 Einwohner $ Handelsuntcrnchmungcn. Noch vor einem Jahre kam ,so ein Handelsbetrieb auf je 40—«0 Einwohner. Heute dürfte it Zahl der Handelsuntcrnchmungcn auf mindestem 950 .'Stiegen sein. Damit entfällt auf je 28—34 Einwohner jitf auf je 5—8 Familien ein Handelsbetrieb, Achnlich liegen die Verhältnisse im Handwerk. Im Ver- ,;l des halben Jahres von Frühjahr bis Herbst 1924 sind die- .iddttcrklichcn Betriebe von 320 auf 560 angewachsen. Kam :'so im Frühjahr ein Handwerker auf 59 Köpfe der Bcvölkc- Tcl-Awiws, so entfiel im Herbst schon ein Handwerker J 38 Köpfe. Von den unter dieser Rubrik gezählten Unter-;(hmungen nehmen die erste Reihe eins 94 Schuhwerk- «•irten, 84 Schneider- und Nähcrinnenbctricbc, 75 Tischlereien, :02 Restaurationen und Hotels. Was das Schumacherhandwerk, ß Beispiel genommen, speziell anbetrifft, so gab es Im Frühjahr des vorigen Jahres 61 Schuhmacher, Im Herbst deren ■X Außerdem arbeiteten In Tcl-Awiw zu jener Zelt sechs phänische Schuhproduktionsstätten (mit insgesamt 54 Artifckräften). Das alles, um den Kundenkreis einer kleinen Mttclstadt und einiger umliegender Sicdlungspuriktc von geiager Kaufkraft mit Schuhwerk und Reparatur zu versehen. Es sei gestattet, mit einigen Worten hier noch näher;.f einen besonderen Handelszweig einzugehen, in dessen erhiltnissc ich im Zusammenhang mit meinen Arbeiten an itr Versuchsstation genaueren Einblick zu nehmen Celegcnrit hatte — den Milchhandcl In Tcl-Awiw. Dieser Handels- «ig besitzt für uns, wirtschaftspolitisch gesehen, eine Joppelte Bedeutung. Auf der einen Seite handelt es sich um iie Versorgung unserer städtischen Bevölkerung mit einem Produkt, das in den verschiedensten Formen als Trinkmilch, ~Mtr, Käse und Sahne zu einem vom Standpunkte der Volks- (Mjmlhcit und der Nährkraft Immer wichtigeren Restandteil des Konsums wird. Auf der anderen Seite wird die Marktend Absatzlage für Milch und Milchprodukte zu einer Immer btennenderen Frage für unsere gemischten landwirtschaftlichen Ccliicbc, in deren Mittelpunkt die Milchwirtschaft steht Auch -. anderen Ländern erkennt man aus diesen beiden Oründcn im Milchhandcl besondere Bedeutung zu. Wie das bekannte Etkpicl des Wellington Milk Suppl zeigen kann, ist in Neu-;«bnd hier und da selbst in Großstädten zu einer öffentlichen Bewirtschaftung der Milchverteilung geschritten worden; auch ai Programm des englischen Munizipalsozialismus spielt die Sommunalisicrung dieses Handelszweiges deshalb eine Rolle. Wie ist im jüdischen Tcl-Awiw der Milchhandel organi siert? An einem durchschnittlichen Stichtage eines der diesirrigen Wintcrmonato nahm Tcl-Awiw ungefähr 6000 Liter Milch auf. Davon wurden etwa 2000 Liter , von der Arbeiteronsumgenossenschaft Hamnschbir, der Rest durch den pri uten Milchhandel verteilt Mit diesen 4000 Litern beschäftigen sieh in Tcl-Awiw zirka 60 private Milchhändlcr. Dabei ist Weg der Milch, und sei es nur aus dem eine halbe Stunde entfernten deutschen Sarona oder Schchunath-Borochow w verfolgen über die Etappen: eines „großen" Grossisten Wrka 1500 Liter pro Qrossist), eines mittleren Grossisten («ier dem „großen" etwa 400—500 Liter abnimmt, um sie B^«** i An die Vorsitzenden der zionistischen Ortsgruppen Deutschlands! Wir hlttflo um fchnolls üf>bnrnf<nilung c3gc UoirsSacudsfläsfiGira Ob'orsto Vertrauenstcommlsslon der zionistischen Vereinigung IUr Deutschland. -»•□ g+>,m**i*M i..............,1,1.....i».........i.^rt.iMn,..!«!,! weiterzugeben) und dann mindestens eines, In den meisten Fällen aber zweier Dctailllstcn, bis hinunter zur Größenklasse von Händlern, welche mit der Kanne in der Hand ihre 15 oder 20 Kunden besuchen, um Je ein oder zwei Liter in Ihrer Küche zurückzulassen. An jeder dieser Zwlschcnstcllcn erfolgt ein Aufschlag auf dm Pri*hiz.cntcnprcls, der etwa P i/j bei"» Grossisten, P 1—2 bei Delaillldcn pro Rolle! Milch beträgt. Die Spannung zwischen Er/enger- und Vcrbraiiclicrkrcis rcllU so weit auf. Auf dem halbstündigen Weg zwischen Saronn und Tcl-Awiw kann das Rotte! Milch von 7>/j bis 12»/5 l» steigen. Andererseits ist die ökonomische und soziale Position der Milchhändlcr selbst auch klar genug. Umsätze und Oewinne schließen bei der großen Masse von ihnen einigermaßen gesunde wirtschaftliche Verhältnisse aus. Diese Tatsachen übrigens widerlegen zugleich jene glänzende Theorie, die neuerdings im jüdischen Jischuw in Palästinn sich Im Umlauf befindet und hohes Ansehen genießt. Es Ist die Theorie, daß die vierte Alljah aus sich selbst heraus sich erhalten kann, Indem die jeweils nachströmenden Kräfte der Alijah zu dem wirtschaftlichen Nährboden werden, aus dem die ersten, die früher angelangten, ihre Säfte ziehe«; indem sozusagen die gestern angekommenen, auf den Schuftern des früheren Jischuw stehend, die heute Ankommenden wirtschaftlich „in Empfang nehmen", um morgen von diesen Neuankömmlingen abgelöst zu werden In Erwartung der neuen Welle. Das Ist eine herrliche Lehre, wie nur Juden sie erfinden können. Es ist schade, daß In der Wirklichkeit ihr keine glänzenden Aussichten beschert «Ind. Zwischen Frühjahr und Herbst 1924 ist Tcl-Awiw von 19000 auf 22000, also um 3000 Einwohner angewachsen. Wenn unterdessen die Handelsuntcrnchmungcn von 501 auf CSS gestiegen sind, so bedeutet es, daß diesem Zuwachs der Bevölkerung ein Zuwachs von Je einem Handelsunternehmen auf 16 Einwanderer gegenübersteht. Wenn in dieser Zeit die ll.indwcrkcruntcrnchmungen von zirka 320 *uf 580 angewachsen Rind, so ergibt sich daraus, daß auf je 11,5 Einwanderer ein neuer handwerklicher Betrieb geschaffen worden Ist Gibt es irgend jemanden, der glaubt, daß diese Entwicklung auch nur geraume Zeit andauern kann? Gibt es wirklich Pol'rtikcr in der zionistischen Bewegung, die ernst genommen zu werden wünschen, die nicht verstellen, daß die Voraussetzung für die Richtigkeit dieser glänzenden Einwaudcrungs'thcoric eine In geometrischer Progression vor sich gehende Immigration wäre — eine Perspektive, die wohl auch von den phantaslcrclchstcn Köpfen für die nächste Zeit nicht für möglich gehalten werden wird. Was unter diesen wirtschaftlichen Verhältnissen geschaffen wird, ist deutlich genug. Es entsteht so in unseren Städten eine überspannte Anhäufung von Menschen, die nichts anderes ist als ein nledrigstchcndcs, sozial und ökonomisch gedrücktes, volknwirtschaftllch unrationelles und kostspieliges Händler- und Handwcrkcrprolctariat. Ohne wirk liehen Wohlstand, ohne gesunde Lebensbedingungen, ohne normale Arbeitsverhältnisse, ohne wirtschaftliche Perspektiven. Infolge des nahezu unbegrenzten Druckes der Konkurrenz Tendenz zu immer stärker zurückgehenden Ocwinncn und zu einer immer ausgedehnteren Arbeitszeit, zu einer immer rücksichtsloseren Ausnutzung von Kinder- und Frauenarbeit Infolge immer stärker zurückgehender Umsätze Tendenz zur Verschlechterung der Ware, zur aufreibenden Kreditwirtschaft Als Ncbenfolgc: ein wachsendes Mißverhältnis zwischen dem Verbrauch der Städte, insbesondere an gewerblichen Produkten, und der Eigener/eiigiing im Lande. Anschwellen der Importe und Verschlechterung der Handelsbilanz, die gerade im Begriff war, sich von ihrem gefährlichen Nachkriegsstand etwas zu erholen. Als weitere Ncbenfolgc t stetiger Druck auf die Einwanderer, die fibersetzten und zusammengedrängten Wirtschaftszweige zu verlassen, und sich lockernden und aus sichtsrcichcrcn Illusionen spekulativer Tätigkeit zuzuwenden, Anwachsen der Agentur- und Maklcrbctricbc aller Art \ i hßt? Was Ist es, das sie ausharren läßt, auch wena der Mann, an den sie als Kind geschmiedet wurde, ihnen noch eine 'weite und dritte Oattin beigesellt? Ist es ein Ocfühl für <Icn Zuf'llsgsttcn, das dem entspricht, was wir anderen Liebe rennen? Ist es ein Oottcsglaube, der nur die Furcht vor dem |-trafenden kennt und nicht auch das Vertrauen auf den Liebenden und Verzeihenden? Oder ist es nur stumpfer, wreh Jahrtausende lange Unterdrückung gezüchteter Sklaven- »mn, dem die Oabe der Leidenschaft und Auftcbung verwen ging? Wir wissen nichts von den Orundiagcn aller dieser „guten" ■ orientalischen Ehen um uns her, wissen nicht, ob sie wirklich Art so sind oder sehr niedrig und erbarmungswürdig. Und wie wir von ihrem Olaubcn nichts wissen und von wem Lieben nichts wissen, so wußten wir bis gestern auch rjtMs von den Quellen des Schöpfertums, die In diesen '»ucn des Orients verborgen slivd. Ocwohnt, sie ml« unserem •«ö zu mewen, kamen wir nicht einmal aul den OcdanV.cn, g>» in diesen ganz Unwissenden ein Wissen um Farbe und orm sein könne, das reiner und unverbogener ist ahi unser «Ktnei Wissen. Bis wir es durch einen Zufall entdeckten, «» wir fanden, daß hier ein ganz ursprünglicher, uröstlichcr -<sn lebt für die Harmonie der Farben, für die Schaffung wenger und kühner, stiller und bewegter Formen, ein Wissen, ßcht unscr an aUcn Meutern der Erde ge- «»nUci Wissen, das aus Tiefen der Volksseele schöpft, unserem von Bildimg getrübten Blick verborgen sind. Wir uBtcn auch nldits davon, daß den Händen dieser fremden uicncn Frauen, denen Europäer die Aufgabe zugewiesen S *c,blt *lle ßrobe Arbcit »bzunehmen, die Oabe Om u i,t» dcn TrÄumcn von Form und Farbe lebendige Ärf.1" ßC^1l,Tlc der °ricnt ihnen Oe»t«I* «tot; in ItüIWcn W,rkcrc,cn' in sP»»*njrcweben und Stroh- Oehi?» F",ern. er,t' durch clncn Zu,lU» wi«ö» wir um diese» "cimnij, und nun wissen wir auch, daß wir darauf vern«cn müssen, lehren zu wollen, wo es Oesctzc gibt, von «ck»w L nicht* tlmcn» d*8 wir un$ demütig damit zu belüZu ,abcn« dem' w" besteht während wir es noch in ^tt glaubten! etaer jüdischen Volkskunst den Weg zu ebnen. Das Ist das Bild, von den wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungstendenzen, das die vierte Alijah in der Stadt, in die sie strömt, bietet: Es Ist ein uns wohlvertrautcs. Es ist das Bltd, das die jüdische Wanderung überall innerhalb der reifen kapitalistischen Epoche darstellt, wo wir sie mitreden. Wie die vierte Alijah Jenen äußeren AnliV.cn entspringt, die seit jeher die jüdische Wanderung in Bewegung gesetzt haben, dem Ausstoßungsprozcfl der älter werdenden Volkswirtschaften der Wirtsvölker (in diesem Fall der aVtivcn und expansiven Wirtschaftspolitik der polnischen Machthaber), 60 trägt sie auch alle Charakterzüge dieser Bewegung und muß olle ihre notwendigen Wirkungen im Gefolge haben. Sie ist ein Teil der stycliisclicn Wanderung der jüdischen Massen, denen der Boden, auf dem sie wirtschaftlich stehen, immer stärker und stärker unterwühlt und endlich ganz unter den Füßen fortgeschwemmt wird. Das Londoner Whitcehapcl, das New Yorker Ea*tcn<l, die jüdischen Siedlungen von Buenos Aires und Johannisburg sind nur die Meilensteine der letzten Jahrzehnte auf diesem Weg. Es Ist die besondere Tragik der vierten Alijah, daß ihr Ziel keinen spanischen und keinen holländischen, sondern den Namen der ersten hebräischen Stadt in Palästina tragen muß. Die kolonisatorischen und volkswirtschaftlichen Wirkungen dieser Alijah sind dadurch nicht minder notwendig gegeben. Sie können im Grunde keine anderen sein als die, die sie unter gleichen Bedingungen in anderen Ländern hervorruft. Auf palästinensischen Hoden werden a la longue die gleichen sozialen und ökonomischen Gesetze wirken, wie auf polnischem, argentinischem und südafrikanischem. Es werden städtische Enklaven geschaffen, in denen sich übersetzter Handel und Handwerk zusammendrängen. Diese Enklaven bilden in erster Linie relativ bedeutende Mittelpunkte des Konsums, sie bilden Mindcrhcilsinscln in einem großen sie umgebenden Meer frcnidvolkswirtschafllichcr Produktion. Entsprechend der quantitativen Entwicklung dieser städtischen Inseln legen sich Ringe frcmdnationaler aufblühender und reicher werdender Landwirtschaft um sie herum. Es reicht aus, die arabischen Dörfer in der Umgegend von Tcl-Awiw oder Jerusalem mit ihrem Wohlstand und in ihrer fortschrittlichen Form mit denen in der Umgegend von Djenln oder Tul-Kcrcm zu vergleichen, um zu wissen, wie weit auch In Palästina diese Entwicklung bereits gegangen Ist. Parallel dieser Entwicklung der Landwirtschaft vollzieht sich ein Ucbcrgang zu rationelleren und produktiveren technischen und wirtschaftlichen Methoden. Als Folge davon: wachsende soziale Macht, Steigen des nationalen Selbstgefühls der bodenständigen und verwurzelten Massen der Bevölkerung. Der alte Ablauf der Ereignisse, der bisher noch überall und stets, in der Tschechoslowakei wie in Polen und in den baltischen Provinzen, mit dem Tage abgeschlossen hat, wo diese bodenständige, in der Ackerfurche schreitende Bevölkerung ihren nationalen Stempel auch der Stadt und der politischen und sozialen Form des ganzen Landes aufgeprägt hat. Daran kann keine Mandatarmacht und keine Deklaration der Welt auch In Palästina etwas ändern. Nicht wer Tcl-Awiw, Bath-Oalim oder Bcth-Hakercin — und sei es auch mit Zchntauscnden von Einwohnern — In der Hand hat, nicht einmal, wer die Hafcnkotizession von Haifa oder die Bcwässcrungskonzcssion des Jordans besitzt, sondern der, der In der Akkocbenc den Pflug In der Hand hält und der, auf dessen Felder die Bewässerungskanäle fließen, wird die politische und die wirtschaftliche Zukunft dieses Landes bestimmen. Genügt die Illusion einer „volkstümlichen Alijah", um diese unsere Orundiibcrzcugungcn zu erschüttern? Es ßlbt überdies zwei besondere Momente, die wahrscheinlich bewirken, daß die Grenzen für Entwicklungsmögllchkeiten auf der Grundlage der vierten Alijah In Palästina noch enger gezogen sind und noch schneller erreicht werden müssen als In Irgendwelchen anderen Gebieten. Ich meine damit nicht einmal so mächtige subjektive Faktoren wie die aggressive Bewegung der Araber, sondern objektive, In den eigentumlichen wirtschaftlichen Bcdingungen de« Landes Palästina liegende. Insofern nämlich Palästina ein Land des Orients ist, ist es zugleich ein typischer Standort orientalischer Wirtschaft, die in ihrem ganzen Bereich, von Turkcstan bis Marokko, die typischen Seitdem wir unverholft auf dieses schlummernde Künstlertum gestoßen sind, verstehen wir ein wenig besser, woher diesen ganz unwissenden orientalischen Jüdinnen die Würde ihrer Haltung, die stille Orazic Ihres Wesen», die fast wunderbare Genügsamkeit an einigen Bissen Speise, einem Tröpfchen Trank, woher ihnen aber auch die Abneigung gegen grobe, seelenlose Fronarbeit kommt Aber wir ahnen nur; wir wissen nicht, nichts von Ihrem Olaubcn, nichts von ihrem Lieben, nichts von den Quellen ihres Kiinstlcrtums. Und wir fragen uns, wann einmal der Tag kommen wird, da das gemeinsame Leben auf dem Hcimatbodcn uns so nahe bringt, daß ein Jude den anderen verstellt, da Freidenker, Chassid und Orientale zu einer neuen Einheit verschmolzen sein werden. Dann wird vielleicht auch die Zeit da sein, da der Christ den Juden, der Jude den Mohaincdan<r mit dem clncn Begriff umfängt: „Mcnschcnbrudcr". Dann erst wird das Grauen der Einsamkeit von Jtruaatan welchen. Geschenke an die Jüdische Natlon.alhlbllothek'. Die Londoner Royal Socictv, deren Ehrensekretär, Professor Sir Arthur Schuster, der Einweihung der Universität Jerusalem beiwohnte, hat der Bibliothek der Universität nunmehr die Kollektion Ihrer „Procccdings" in 71 Rinden zum Geschenke gemacht — Lord ßalfour übersandte nach seiner Rückkehr nach London der Bibliothek seine Hauptschriften. — Die Bibliothek erhielt nunmehr als Oeschcnk von Frau Geheimrat Rathenau in Berlin die sämtlichen Schriften ihres Sohnes, des verstorbenen Ministers Walther Rathenau, darunter auch zahlreiche Privatdrucke. — Auf Veranlassung der Witwe Oustav Mahlers, die Im Frühjahr In Palästina war, erhielt die Bibliothek die Partituren der Symphonien Oustav Mahlen, ein Oeschcnk der Universal Edition In Wien. — Der Verlag Patn Zsolnay In Wien überreichte der Bibliothek seine sämtlidicn Veröffentlichungen. — Der phda- Soglschc Verlag Gcdalge in Paris fibersandte der Biblioick eine große Anzahl seiner Publikationen. — Der Verband zionistischer Akademiker in Brünn abonnierte auf Wunsch der Bibliothek einige in Palästina verlangte Zeitschriften. — Die jiddische Kultur-Liga In Warschau ubersandte der Bibliothek ihre sämtlichen Publikationen. Die Tageszeitung Moment" in Warschau machte der Bibliothek iure sämtlichen Bände von 1011 bis l<)24 in 21 U.indcn gebunden zum Geschenk. Die Spende erfolgte an das Warschauer Komitee der Bibliothek. Nach den Mitteilungen dieses Komitees schreitet die Arbeit in Polen eifrig vorwärts. Fast jeden Tag erhält das Komitee ganze Bibliotheken und Kisten mit Huchem aus Warschau und aus der Provinz. Audi In Posen sind jetzt Zweigstellen dieser Gesellschaft gegründet worden. Vier von der Gesellschaft abgesandte Kisten sind in Jerusalem eingetroffen. Die Büdicr wurden auf Kosten der Gesellschaft In Warschau gebunden und nach Jerusalem transportiert. Eine wertvolle Handschrift erhielt die Bibliothek soeben als Geschenk des Herrn T. Miller in Rcchobot. Es handelt sich um ein Handschriftcnfasrikcl, welches ein Manuskript des bekannten Präger Oberrabbiners Ezechiel Landau (Nöda bijehnda) und eine Handschrift des Vorkämpfers der Reformbewegung, David Friedländer, enthält. „Mcnornh"» Illustrierte Monatsschrift für die jüdische Familie, Wien I, Zelinkagnssc 13. (Preis des Jahresabonnements: 12 Mark.) D.K r.oebcu erschienene Juniheft der Zeitschrift bringt einen Aufsalz des bekannten Kunstkritikers Univ.-Prof. Max Eislcr, „Rcmbrandt's Bihclradierungcn" mit zahlreichen Reproduktionen. Aus dem weiteren Inhalte dieser Nummer heben wir hervor: Dr. Marcus Kohn: Von der Waisenfürsorge des altjüdi»chen Staates; Oskar Neu manu: Zion; Der Maler Manc Katz (illustriert); J. P. Schaplra: Chassidischc Fragmente; Zwei Ocdiclitc des Jchuda Halevi; Oskar Neu mann: Mirjam (illustriert); Alexander Ebenes er: Die Stadt am Berge (illustriert); Wilhelm l»öwinger: Der Anteil der Juden an den Naturwissenschaften. Außerdem die gewohnten Rubriken: Frauenwelt, Schach und „Für unsere Kleinen". _ Berlin. (J.T.A.) Aus Anlaß des 70. Geburtstages des hervorragenden christlichen Theologen Oustav Dal mann haben ftilir^ntlc Gelehrte aus Skandinavien, England, Holland, die Schweiz, Amerika und Deutschland einen Aufruf zu einer Oustav Dalmann-Stiftuug erlassen. Die Stiftung soll dazu helfen, das von Dalmann ins Leben gerufene Palästina-Institut an der Grrifswaldcr Universität zu einer IMIcgcstätte der Paläslina-Kunde und der Oeschlchte und Religion des palästinensischen Judentums auszubauen. Prof. Dalmann ist zurzeit auf einet Forschungsreise durch Palästina begriffen.