Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Kr. 10 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 173 Die gcsanitpolnlsche ZionlsleokoBferenz vr/jrschau, 3. März, ,'J.T.A) In der am 1. Mirz In , r5Chau zusammengetretenen Konferenz der vier Lande*-!* mit«* &a P°'nlsc',on Ziontstcn, die den Zweck hat, eine •nliciüichc Organisation der Zioniaten ganz Polens zu schaffen, llhrlc in ^ct Eröffnungsrede der Präsident der Konferenz L N. Davidsohn aus, daß die polnischen Zionlstcn j' trsun gewesen seien, welche noch zu Beginn des 20. JahrfLlcrls dfe Forderung nach cütem unabhängigen Polen In L »rtgranim aufgenommen haben. Die Zlonistcn sind eben 'historische Gerechtigkeit; diese Ocrcchtlgkcit forderu ste 1 I, \\m den anderen. Wir hoffen, der polnische Staat ' fde in» Völkerbundsrat im eigenen Inter« die zionistischen Forderungen Iii Bezug Emigration in unser historische* Land unterstützen. »c o»f Schaffung d'«* einheitlichen Organs aller" Zlonistcn 1U| die nif Sc »,<cns wird unseren Fordcrungeo Innerbath der Weltorganl- Htfort der Zkmlsten mehr Geltung verschaffen als bisher, j'lf werden dann die gröOtc Zionistische Vereinigung der t'clt sei"- pf( Oottlieb verlas dann ein längeres Begrüßung», .(hrclbcn Dr. Chaim Weltmanns, in welchem es u.a. itlflt: Die Zionistische Wcltexekutive verfolgt mit größtem Itteressc die Einiguugsbes trebungen der »oIbIsche« Zlonistcn, die die Reihen der Zionistischen Organisation in Polen quantitativ und qualitativ verjtitVcn wird. Die Konferenz p-ewinnt ihre große Bedeutung Vilich, daß die Zionisten Polens als die Vertreter des [^dwlendstcn Teils der Wcltjudcnlicit an dem Aufbau PaüstiDas, sei es in Bezug auf die Einwanderer als auch-in Prtug auf die praktische Arbeit, an der Spitze marschieren. Nr Augen der gesamten zionistischen Bewegung sind mit;r0Öer Spannung auf das größte Jüdische Zentrum turopas gerichtet, welche» ungeachtet aller Unglücksfälle tid der kritischen Jahre nicht aufgehört hat, mit Liebe; Glauben» Fleiß und eisernem Willen filr Paliistina und das fjJlwhc Volk zu arbeiten. Möge c* ihrer Konferenz gelingen, <!ic schweren Probleme, die der Zionismus jetzt zu lösen kji, im Geiste der Einigkeit zu fördcrfli damit die große (olnistlic Judonhcit der bedeutendste Miterbauer unseres «Kanälen Heimes wird. in der zweiten Sitzung, die in dem reich dekorierten faaJ der jüdischen Gemeinde stattfindet, wurde ein Pjmancnzausschuß aus Vertretern aller bisherigen vier lindesorganisationcn gewählt. Der P^rmaiuMizausschuB schlug zur Wahl das Präsidium ior: L. Le vi le, Dr. N. David söhn, Dcp. Schreiber. Dr. Zimmer mann und J. Berger. Der Vorschlag wird dnslimmlg angenommen. Hinauf hielt Dcp. Dr. Thon das politische Referat, tat jüdischen P.irlamcntsklub, to führte er aus, slod vermiedene Richtungen vertroten. Es ist aber keine Mehrheit vorbanden, die eine rein jüdisch-politische Link verfolgt. Vir dürfen nicht immer das große Ideal des Zionismus mit der Landespolitik eng ver« knüpfen. Unsere Sejm-Politik muO auf rein jüdisch- »lionaler Orundlage beruhen und darf nicht eine simple Nationalitätenpolitik sein. Unsere Taktik ist eine rein defensive. Wir können auf eine Reihe Erfolge hinweisen. Nur dank unserem energischen Auftreten ist der Numerus clausus bis'jetzt nicht Gesetz geworden, obgleich tun zugeben muß, daß er in der Rraxis existiert. Eine teuere Regierung wird diese Praxis verlassen müssen. Der Piriamcntsklub besteht nicht allein aus Zionisten, aber die Zionisten haben die Mehrheit, die besten Kämpfer sind unsere ^fischen Kollegen. Die orthodoxen Elemente führen gemein- «im Ihren nationalen Kampf innerhalb des Klubs mit den Zloniktco. Ich bitte die Konferenz, mit allen Mitteln für 'üc Volkseinheit zu wirken. Dieselbe politische Linie müssen »lr auch In den Stadträten befolgen! Ucbcrall eine einheitliche Wilsche Front. In den jüdisch™ Gemeinden aber müssen wir '«ni» tische Politik betreiben, die Gemeinden «ollen zionislcrt werden; denn dort geht e* um die jüdische Schule, um deren Hcbraisicrung. Hier müssen wir den Kampf erfolgreich 'J Ende führen. Das zweite politische Referat hielt der Vorsitzcudo des tischen Parlamcotsklubs Dr. Leon Reich. Das Haupt- 'Itl der polnischen Regierungsparteien, sagte «, Ist es, die Juden zu schädigen. Eine Politik <!« Hasses kann aber keinen Bestand haben. Wir führen <lnen sehr schweren Kampf. Wir müssen vom Volke, fordern, «tan wir uns mit einem Aufruf an die Massen wenden, daß weit Anordnungen befolg} werden. Der Kampf ist jetzt foppelt erschwert, weil die antisemitisch«! Parteien von der Grellen zur wirtschaftlichen Unterdrückung Jis jüdischen Elements übergegangen sind. °lt sind wir ohnmächtig gegen die Welle des Antisemitismus, ik uns zu vernichten droht, Der Vorsitzende eines pol- Jj^hen parlamentarischen Klubs erklärte mir, der Premier QfabskI habe mit Absicht die Durchführung der Kon- 'c<*kmscntziohungen beschleunigt, um die zionistischen Dcpu- 'trten unpopulär zu machen und so die jüdischen Massen J" Assimilation zuzuführen. Man muß sich aber vor Augen hlIttn: fällt der Zionismus, so verfällt auch die jüdische r'***e dem Chaos. Die Regierung nützt den Sprachenf'opf hebr5isch-jiddisch dazu aus, um ,sich!'"« materiellen Verpflichtungen gegen die jüdischen Schulen llü« dem VcreaUl« Vertrag zu catelchen. Wir werden mit »7 Energie gegen diese Sabotage der Regierung '«wtltn. Auch fordern wir, ebenfalls auf Grund des Versaillcr *"tragcs, die vollständige Autonomie der jü. 11 chcn Ocmclodcn. Der Redner wandte sich gegen 5'f Nnlschcn Sozialisten, die den Zionismus schmähen. In u3land, sagte er, schreibt Macdonald begeisterte Artikel y ßüchcr für den Zionismus, in Frankreich ist Leon Öl um Führer der Kcrcn Hajcssod-Bcwcgung, in Deutschland '"'t Eduard Bernstein in zionistischen Versammlungen ,u ' <ilc polnischen Sozialisten aber versuchen, die jüdische ^'«aale- Bewegung zu schädigen, wo sie können. Unsere finUge \ffaf{e ist unsere Einigkeit, weh" wir von anderer keinerlei Unterstützung erhalten. Wir protestieren gegen 2|c falsche Beschuldigung, daß wir im Aueland gegen ^oltn auftreten, wir wollen gerne am Aufbau Polens ^arbeiten als gleichberechtigte Bürger. Neben dem Auf. ,4'J Palist Inas wollen wir für die Rechte der «den in allen Lindern kämpfen, damit ein ge ""»des Jüdisches Geschlecht heranwächst,- t, Der Kulminationspunkt der Konferenz lag m der Poll "toen .Kommlasion, die in. der. Nacht von Sonntagj auf Montag von 11 Uhr bis 4 Uhr früh tagte, Abgeordneter Grünbaum hielt ein vierstündiges Referat, In dem er die Politik des Jüdischen Sejinkliih* krllJrderle und sich besouders gegen die Abgeordneten Dr. Thon und Dr. Reich wandte. Die angegriffenen Abgeordneten verlangten, daß ihnen in einer neuerlichen Sitzung der Politischen Kommission Gelegenheit gegeben werde, die Einwendungen Grünbaums zu entkräften. Montag, den 2. März, hielt Dr. Schwa rzbart, Krakau, das Referat über die Vereinigung der bisher bestandenen Verbände und legte ein Statut vor. Er verlangt die Schaffung einer Zentralorganisation, der die einzelnen Ortsgruppen direkt unterstellt werden müßten. Die bisherigen Landesverbände sollen den Charakter von Rayons-Komitee» bekommen. Dem zu schaffenden Zciitrnlratc der ZionüiUschcu Organisation sollen die zionistischen Parlamcntsabgcordneten verantwortlich sein. An da» Referat Dr, Schwarzlvirts schloß sich das Referat Dr. Schmoraks (Lemberg) über die neuen Aussichten In Palästina, nowlc die Referat« der Herren Lew11e (Warschau) und Berg er (Wihia) über die Jewish A g e n c y. * (Telegramm aus Warschau, 5. März.) Die Konferenz nv.hra den Antrag Dr. Schwarzbarts, an, die bisherigen vier polnbch-zionistischen Provlnzialvcrbände zu vereinigen. Der neue Zcntralrat der gesamt* polnischen zionistischen,Organisation besteht aus 31 Mitgliedern, von deuen 18 von Kongreßpolen, 8 von Ostgatizicn, 6 von Wcslgaliricn und 2 von WUna entsandt werden. Die zionistischen Scjmdcputlerten und Senatoren sind dem Zentralste verantwortlich, Die Kestcrew der Manischen Zfonlslei Kowno, (J.T.A.) Nach dreitägigen Verhandlungen würde die dritte Konferenz der litauischen Zlonistcn geschlossen. Iii der ScJilulWlzuug hielt Dr. FI a n t k e Berlin eine längere Rede über die Probleme und die Methoden des Zionismus. Den zionistischen Vertretern Im litauischen Sejm wurde das Vertrauen ausgesprochen. In einer weiteren Resolution wurde beschlossen, die Jugend im Geiste der hebräischen Sprache zu erziehen. Eine Resolution fordert die Einberufung einer Landeskonferenz noch vor dem 14. Zionlstcnkongrcß. Es wurde einstimmig ein Zentral, komitec aus den folgenden Personen gewählt: Vorsitzender Dr. B. Bergcr; Mitglieder A. Idclsohn, Dr. M. Wolf, M. Jatkunski, M. Cohen, Dr. Lapin, M. Elp cm, Dr. Z. Feldstein, L Tschnrncs, Dr. J. Robinson, R. Rubinstein und Dr. Schwarz. Ersatz: Dr. J. Levi tan, Borr!* Bernstein und Dr. Ohoronachlnskl. Außerdem wurde ein Rat aus 15 Personen gewählt. Oer Sletflwprozeö Der UnlersuchungArli-hter Im Si>.igcrpro,ftu' der Staatsanwaltschaft eine Liste von 200 Zeugen überreicht, die m dem in einigen Wochen beginnenden zweiten Stclgerprozeß vernommen werden sollen. Das Appellationsgericht hat den Haftcntlassungsantrag, den die Verteidiger der verhafteten vier jüdischen Bürger gestellt haben, abgelehnt, Polalscle UDO* jüdische Studenten Warschau. (J.T. A.) Die jetzt in Wilna tagende Landeskonferenz der polnischen Akademiker hat außer dem mitgeteilten Beschluß über den Numerus clausus auch noch einen Beschluß gefaßt, die Jüdischen Akademiker gesell« schaftlich zu boykottieren. Die jüdischen Akademiker in Polen organisieren eine Masscnproteslvcrsainiiiliing gegen die Beschlüsse der Wilnaer Tagung der polnischen Akademiker, di« von der Regierung nicht allein die Einbringung eines Numerus clausus-Gc«ctzc» gegen die Juden, «ondem auch die Durchführung des nogcnannten Glombinsky'schcn Zirkulars über den praktischen Numerus clausus fordern. Neuerliche RevIMonsvcrhindlnnrj im Prozeß desRibblSchapIro Warschau. (J. T. A.) Während des pobiisch-russischcn Krieges im Jahre 1020 wurde, wie erinnerlich, in Plork Rabbi Chaim S c h a p i r o wegen Spionage zugunsten Rußlands durch ein Feldgericht zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet. Der einzige Indizienbeweis gegeJi Rabbi Sehapiro bestand darin, daß er, während außerhalb der Stadt die Kämpfe vor sich giugcu, auf dem Balkon seines Hauses stand und Handbewegungen machte, Rabbi Sehapiro sa^tc nus, er habe nichts weiter getan, als seine Morgenandacht verrichtet, wobei er die traditionellen Bewegungen oatjftdischcr Andächtiger ausführte. Vor mehr als einem Jahre fand vor einem militärischen Krcisgcrlcht in Plozk eine Rcvlslonsvcrhaiidlung statt; das Gericht hatte das Urteil des Feldgerichtes bestätigt. Das Oberste Militärgericht hat aber auch dieses Urteil annulliert und eine neuerliche Verhandlung vor cluem Militörkrclsgcricht anberaumt. Der Prozeß wird am 21. April d. J. In Plozk unter dem Vorsitz des Obersten Marscbalko stattfinden. In der polnischen Judcnhclt, in welcher das Schicksat des unglücklichen Rabbiners große Teilnahme hervorgerufen hat, sieht man dem Ausgang des Prozesses mit ungeheurem Interesse entgegen. Eine Abordnung der Jüdischen Wclibllhfcontereiz Chcrbourg. (J.T. A.) Am 25. Februar schiffte sich die Abordnung der Jüdischen WelÜillfskonfcrenz, bestehend aus den Herren Dr. Leo Motzkln, Obcrrahblncr von Leningrad Dr. M. E i s c n s t a d t und preußischen Landtngsabgcordnetcu Dr. Oscar Coh n, im Hafen von Chcrbourg mit dem Dampfer „Olympic" nach Amerika ein. Am Tage der Abreise besuchte die Abordnung den von der Wellhllfskonfcrenz in Chcrbourg begründeten Klub für gestrandete Emigranten. Die indische Einwanderung In Amerika Im lelzlen .ilbjabr Washington. (J.T.A.) Das amerikanische Arbeitsdepartement veröffentlicht soeben einen Bericht über die Jüdische Einwanderung von Juli bis Dezember 1024, Daraus ist zu ersehen, daß von 147737 Personen, die Im letzten Halbjahr In die Vereinigten Staaten eingewandert sind, nur 4975 Juden .waren, in dcreclbeu Zcitpcrlodc wurden 13021 Personen an der Grenze zurückgewiesen, darunter'637 Juden, .4448 wurden des Lande« verwiesen, unter Ihnen 154 Juden. Zu unserer Cemelndepoliilk Von Ben-Zlon Fett. Mit diesem Beitrag eine« der neiigewählten Mitglieder der preußischen Laiidcsversammlung setzen wir die Diskussion über die Gemeindepolitik fort. Red. Nachdem sich die Gemüter beruhigt, die Wogen der Leidenschaft gelegt haben, gilt es, 6ich über unsere grundsätzliche Einstellung zu der Frage der Gemeindepolitik sowohl in prinzipieller wie auch taktischer Hinsich» klar zu werden. Der Vorwurf unserer Gegner, daß wir für die Wahlzeit, oder besser gesagt, für die Gemeindepolitik, unseren ehrlichen Namen nls Zionisten mit dem einer Volksparlcl vortäuscht haben, scheint mir nicht ganz unbegründet zu sein. Wir lial>en In drei Jahrzehnten aufopferungsvoller Arbeit einen starken Einfluß auf das Inncrjfldlschc Leben gewonnen und wenn auch die Zahl der organisatorisch erfaßten Zionisten nicht der unserer tatsächlichen Anhänger entspricht, so bestellt die Tatsache der organischen Entwicklung unserer Ideologie in den breitesten Schichten unseres Volkes, die Immer mehr von dw Ansicht durchdrtmgrn sind, daß In den ilonhtlRchMi Reihen die beonidcre Aktivität tu allen jüdischen Fragen zu Hoden Ist und diese Ansteht Ist es, die uns immer breitcro Schichten des Volkes zuführt. Diese Aktivität war es, die im Osten nach Jahrzehnte dauernder Aufklärungsarbeit zur Zerschmetterung der Assimilation geführt hat imd dieser Aufklärungsarbeit Ist es zu danken, wenn wir In dem ersten Wahlkampf zur Landcsvcrsammlung uns eine starke Position sichern konnten. Auch Im gegnerischen Lager täuscht man sich nicht darüber, daß dieser Wahlerfolg den Anfang des Endes liberaler Vorherrschaft Im jüdischen Ocmclndelcbcn bedeutet. Zwar glaubten unsere Gegner 6dion jetzt diese Zeit gekommen, noch hat aber dliMii.il die entscheidende Stunde nicht geschlagen, wir befinden uns eher In den Anlangen diese« EntsehckJungskampfes und jetzt heißt es, sich für diesen vorzubereiten. Aus den Erscheinungen dieses Wahlkampfes haben wir zu lernen. Da komme ich zu einer Frage, die, wenn auch heikler Nalur, doch mit aller Offenheit und Klarheit in unseren Reihen beantwortet werdou muß. Wir haben in der Zionistischen Organisation In Deutschlaud bi bezug auf die OcincindcpoliUk VogcIstrauß-PolinTc getrieben, und nur so konnte es kommen, daß einzeln« unserer Freunde diese Politik einfach auf eigene Faust gemacht haben. Diese Art von Politik mußte in der Konsequenz zu einer falschen Auffassung des ganzen Problems führen und in den eigenen Reihen deu Anschein erwecken, als ob jeder für sich eine c-Jgonc Gemcindcpolllik machen darf, während bei unseren Ocgnern der Eindruck der Unaufrichtigkeit entstand. Dieser Mangel an Klarheit führte auch dazu, daß in unseren Reihen noch die Möglichkeit von Wahlbündnissen mit den Liberalen erörtert werden konnte, während unsere Entwicklung in einem logischen Gegensatz zu der Einstellung der Liberalen stand. Auch der Oedanke der Gewinnung der Indifferenten konnte Ja hier nicht maßgebend sein. Hatten wir doch im ganzen Wahlkampf nicht dem Versuch unternommen, an diese In- . differenten heranzukommen und wenn die Liberalen auf flvr Konto Tousendc von Stlmraeu solcher Indcffcrentcn buchen konnten, so waren es sicherlich keine liberalen Anhänger, sondern meistens Leute, die wegen unserer Unzulänglichkeit einseitig informiert wurden. Während die Liberalen an Jeden Wähler herantraten (jede Post brachte mir z. B. solche liberale Flugblätter usw.), beschränkten wir unsere Aufklärungsarbeit auf die durch unsere Karthotek erfaßten Wähler und da*' waren gerade diejenigen, die dieser Aufklärung am wculgslea bedurltcn. Nur so konnte es geschehen, daß in den indifferenten Kreisen die Argumente der Liberalen auf fruchtbaren Boden fielen, weil diese Kreise über unsere Stellung im gar keiner Weise Informiert wurden. Die Oewliiuuug der Indifferenten darl .iber nicht ausschllcßüdt Wahlarbcit sehl, dazu gehört eine regek rechte ununterbrochene Aufklärung dieser Kreise Ober alle Fragen der Gemeindepolitik und unsere Stellungnähme zu diesen Fragen in unserer Presse und durch spczicKe Kommuniques, die allen Mitgliedern der Gemeinde zuseschk-kt werden müssen. So wird der Kontakt mit den MilgHcdern der Gemeinde hergestellt und man Ist nicht mehr darauf angewiesen, don Wähler in der Wahlzeit mit lcidcnschaftlicli durch die Hitze des Kampfes entstandene polemische Flugblätter zu spcLscn, statt ihn die ganze Zelt hindurch objekiv* über unsere Arbeit zn Informieren, Dies sind zwar Fragen der technischen Arbeil, sie stehen, aber im cngrai Zusammenhang mit uuscrer gesamten Ein- Stellung, die sich dadurch gewissermaßen kristallisiert. Denq auch hier ist eine Lücke, die unbedingt ausgefüllt werden muß^ Wnr nun einmal die Gcineltidepolllsk nicht unserer Aulfassimg jüdischer Gegenwartsprobleme entsprungen, so mußte »ie Ipso facto Privatsache eines Jede* Einzelnen werden, losgelöst von der Ocsamtorganisatlon, manchmal mit Ihr, ojt aber auch gegen sie und da die Ocsamtorgatiisation auch nicht den Versuch unternommen hatte, die Ocinelndcpolitik ihrem sonstigen Arbeitsprogramm einzuordnen, so mußte diese Lücke durch eiwas ausgefüllt werden und führte zu dem Gebilde der Volkspartcl, die überflüssig geworden wäre, wenn die Zionistische Organisation diese notwendige Arbeit selbst gemacht Mite. Kein Wunder, wenn Wer nicht nur eine organisatorische Unklarheit, sondern auch eine üi den Anschauungen Platz gegriffen hat, eine Unklarheit, die bei einer Bewegung, dl« eine Tradition dreier Jahrzehnte hinter sich hat, nicht hätte Platz greifen dürfen. Ich will von der Frage der nationalen Autonomie nicht mehr reden, well diese« Schlagwort, als Unslna tür dl« deutschen Verhältnisse, auch von unseren Ocgnern als Wahlaxgument bereit» abgebaut wurde und sie auch nicht meht ernstlich glauben, daß eine solche Autonomie von uns ia, Deutschland Je propagiert wurde. Nur für die Indifferenten war dieses Argument In der Wahlzclt als Schreckgespenst gut genug. Aber die Frage der Volksgemeinde scheint selbst In unseren Reihen nicht genug geklärt zu flclu. Wir würden es Ja sonst nicht erlebt haben, daß Im Wahlkampf von einzelnen unserer Genossen so viel an dieser Volksgemcinde herumgedeutet wurde, daß ein an und für sich gesunder Gedanke fast zur Unkenntlichkeit entstellt wurde. Was von dem Gedanken der Volksgemelndc nach der Wohl übriggeblieben tat, Ist ein Rätsel, das «einer Lösung harrt. Eine Klärung Ist hier dringend notwendig, wenn wir, in Zukunft nicht wollen, daß ein Zlonlit religiöse Prägen au«