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Jüdische Korrespondenz · 1920-01-16 · 3 (16.1.1920) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3 Jüdische Korrespondenz Seite 7 teile verzichtet und allein bleibt. Die finanzielle Lage der jungen orthodoxen Organisation stellte sich in der Sitzung wenig trostreich dar, so daß die Haltung gegenüber dem Volksverband um so mehr von einem gewissen Heroismus zeugt. (Auch ein Volksvertreter.) Der Czernowitzer Holzhändler Jakob Hecht, der sich dazu -hergegeben hat, gegen den Willen der Juden ein Mandat in den rumänischen Senat anzunehmen, ließ sich von der in Bukarest in französischer Sprache erscheinenden und für das Ausland bestimmten Regierungszeitung „Jndependance Romaine" interviewen. Er erklärte: Die Juden sind sehr zufrieden, rumänische Bürger zu werden; es gibt bei uns wohl Zionisten, die aus religiösen Gründen für Zion sind; einige Advokaten, die Klienten suchen, wollen jedoch daraus eine politische Bewegung machen. Die Juden fordern auch keine Minoritätsrechte und verurteilen die ganze Aktion, die der Nationalrat dieserhalb im Auslande unternommen hat. — Der in Czernowitz erscheinenden „Ostjüdischen Zeitung" entnehmen wir in diesem Zusammenhang, daß Hecht von der rumänischen Negierung, trotz Waggonmangels 35 Eisenbahnwagen erhalten hat und die Bewilligung, 35 Waggons Bauholz, welche früher für den Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Orte in der Bukowina beschlagnahmt waren, über die Grenze auszuführen. Bei dem großen Holzmangel dürfte Hecht bei diesem Geschäfte Millionen verdienen. (Eine neue Massenflncht.) Der Tarnopoler Korrespondent des „Kurjer Codzienny" meldet, daß zwischen Kiew und Woloczysk Tausende polnischer, russischer und jüdischer Bewohner vor den bolschewikischen Banden flüchten. In Schmerinka befinden sich etwa 15.000 dieser Flüchtlinge, deren Lage sehr bedauernswert ist. (Der Morgenthim-Bericht.) Senator Gerry brachte im amerikanischen Senat folgende Resolution ein: „Mit Rücksicht darauf, daß die nach Polen entsandte amerikanische Kommission mit Morgenthau an der Spitze ihre Arbeiten bereits abgeschlossen und Morgenthau seinen Bericht bereits dem Staatssekretär überreicht hat, wolle der Senat beschlWen, daß der Staatssekretär eine Kopie dieses Berichtes dem Senat übersenden soll, insofern dies den Staatsinteressen nicht zuwiderläuft." Dieser Antrag wurde ohne Widerspruch einstimmig angenommen. (Antisemitische Debatten in England.) Die Northcliff-Presse, insbesondere die „Times" und die schon immer antisemitische „Morning Post" bringt in letzter Zeit wiederholt Artikel, die den Bolschewismus nach bekannter Methode als eine jüdische Angelegenheit darstellen. Besonderes Aufsehen haben die Artikel von „Verax" in der „Times" gemacht. Dieser Autor versucht den Antisemitismus seiner Ausführungen dadurch zu verdecken, daß er die Befürchtung ausspricht, nach Niederwerfung der Bolschewikiherrschaft würde an den Juden eine furchtbare Rache geübt werden. Zahlreiche Erwiderungen, n. a. von Israel Cohen und anderen, sind in der „Times" erschienen.- Die jüdischen Blätter äußern sich sehr ausführlich zu der Angelegenheit. Der „Jewish Chronicle" bringt einen längeren offenen Brief an Northcliff. Die liberale englische Presse wendet sich scharf gegen die antisemitische Propaganda, ganz besonders die führende liberale Wochenschrift „The Nation" in einem „Hepp-Hepp-Hepp!" überschriebenen Aufsatz. (Amerikanische Hilfe für die ukrainischen Juden.) Die Londoner „Morning Post" vom 12. Dezember berichtet: „Der New Iorker Berichterstatter des Londoner Jüdischen Preßbureaus meldet, daß laut einer Reuternachricht Lansing an den Oberst Harry Cuttler telegraphiert habe, die Regierung der Vereinigten Staaten habe beschlossen, alle notwendigen Maßnahmen zur Hilfe für die ukrainischen Juden zu treffen. Der nach dem Süden Rußlands entsendete Generalkonsul der Vereinigten Staaten hat den Auftrag, besondere Aufmerksamkeit dem Schutz des Lebens und Eigentums der jüdischen Bevölkerung zu schenken.. Lansing hat ferner erklärt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten alles veranlassen werde, um den amerikanischen jüdischen Organisationen die Möglichkeit zu geben, Geldunterstützungen für die jüdische Bevölkerung nach der Ukraine au leiten." (Persischer Antisemitismus.) In der letzten Sitzung des Londoner Board of Depnties wurde ein Brief des Chiefrabbi, Dr. Hertz, vorgelesen, worin die schrecklichen Leiden und Verfolgungen, die die Juden von Hamadan seitens der persischen Behörden zu erdulden haben, geschildert werden. Laut der neuen persischen Konstitution verweigern die Perser den Juden die Gleichberechtigung und wollen den Juden bei den lokalen Tribunalen keine Gerechtigkeit widerfahren lassen. Das Komitee für Auswärtiges bei dem Board of Deputies hat den erwähnten Brief des Chiefrabbi dem englischen Ministerium des Aeußeren übersandt, woraus Lord Curzon mitteilte, daß der englische Vertreter in Persien den telegraphischen Auftrag erhalten habe, Ungerechtigkeiten gegen die Juden zu verhindern. (Ans Palästina.) Letzthin hat Rabbi Kook die Jerusalemer Rabbiner zu sich geladen und ihnen vorgeschlagen, eine „Agudas-Harabanim" zu gründen, behufs Hebung des materiellen und geistigen Standes der Rabbiner. Er schlug auch vor, ein höheres Rabbinerinstitut zu gründen, und die Thora- Chiduschim der letzten Rabbiner und Geonim in einer Sammelschrift zu vereinigen. — Die Mitglieder des Vereins „Agudas Hakodesch" in Jerusalem erwägen in letzter Zeit Maßnahmen, um dem Einfluß der modernen jüdischen Schulanstalten in Palästina entgegenwirken zu können. So sammelt man beider gesamten jüdischen Bevölkerung Unterschriften, daß sie ihre Kinder vom Besuch dieser Schulen fernhalteu. — Die in Jerusalem erscheinende Zeitung „Suria-el-G'anubiah", die von der englischen Regierung für einen Monat verboten wurde, ist vor kurzem wieder erschienen. Schon in der ersten Nummer nach ihrem Wiedererscheinen setzt sie ihre giftige Propaganda gegen die Zionisten fort. — Da die Preise für koscheres Fleisch in Jerusalem doppelt so hoch sind wie für nicht koscheres, hat sich eine jüdische Genossenschafts-MetzgMi gegründet, um aus die Preisgestaltung des koscheren Meisches einzuwirken. (Einquartierung bei den — Toten.) Der „Prazskst Pondeli" bringt die Meldung, daß in der Totenhalle des jüdischen Friedhofes bereits seit drei Monaten eine sechsköpfige Judenfamilie wohne, die in Prag keine Wohnung finden konnte. Von den Kindern sind zwei schulpflichtig, während die übrigen zwei noch klein sind. Die Familie schläft auf Strohsäcken, die sie auf die Steinfliesen der Halle gelegt haben. Nekrolog. (Leopold Hirschler ges. A.) Am 2. Jänner verblich im 51. Lebensjahre Herr Leopold Hirschler. Abkömmling von Nabbi Akiba Eger. war er der würdige Sohn seines Vaters Moses Hirschler. der als Vorsteher und nachmals Obmann der Adas Jisroel (Schiffschul) sich um die echtjüdische Sache in Wien unvergeßliche Verdienste erwarb. Leopold Hirschler, ein Jünger der Preßburger Jeschiwat, war durch seine besondere Bescheidenheit zu einer Führerrolle weder gewillt noch geeignet. Er beschränkte sich daraus, redlich zu handeln, fromm zu wandeln, Gutes zu tun und soweit ihm die Erhaltung seiner Familie Zeit ließ, Thauro zu lernen. Seine Hauptsorge, seine Kinder zu erziehen, daß sie würdig ihrer Abstammung seien, hat vollen Erfolg gehabt. Mit Hilfe seiner gleichgestimmten Gattin hat er seine Kinder streng jüdisch erzogen, und wird das seiner Krone beraubte Haus auch weiterhin eine Stätte echt jüdischen Waltens sein-, Trotz der Verkehrseinstcllung am Sonntag, den 4. Jänner, fand sich eine sehr große Zahl von Freunden des Verblichenen ein, ihm das letzte Geleite zu geben. Herr Rabbiner Fürst würdigte in ergriffenen und tief ergreifenden Worten die herrlichen Eigenschaften des Verstorbenen, einzelne besonders hervorstechende Charakterzüge hervorhebend. Herr Rabbinats» Assessor Baumgarten (Schisffchul), rühmte in seinem Nachrufe besonders die Liebe Hirschlers zum Thaurostudium, dem er besonders in der letzten Zeit alle seine Muse widmete. Mit dem nieo erdrückenden Bewußtsein, einen edlen Menschen und echten Jehudi in den besten Jahren verloren zu haben, verließen die Trauergäste das Bes Hachajim. Larnilrennachrichten. (Verlobung.) Frl. Hetti Bondi, Tochter des ehemaligen Vorstehers der Adas Jisroel, Enkelin des Herrn Markus Bondi, Seniorchef der Firma Jakob Neurat, g. Obmann der Adas Jisroel, hat sich mit Herrn Alfred Bodenheimer aus Basel verlobt. (Verlobung.) Frl. Lola Zivser, Tochter des Advokaten Dr. Josef Zipser, Präsident des Bethausvereines ,Lmes wesetmlom-, hat sich mit Dr. Paul Schutzmann verlobt.

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