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Jüdische Korrespondenz · 1920-01-16 · 3 (16.1.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz Nr. 3 (Fortsetzung von Seite 4.) 615 .020 — müssen die jüdischen Reichs ausländer — in Preußen 38.844, in Deutschland über 70.000 — in Abgang gebracht werden, da diese nicht von Deutschland, sondern von ihren nichtdeutschen Heimatstaaten zum Heeresdienst einberufen wurden. 7. Es ergibt sich sonach, daß von den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens — unter 540.000 — beträchtlich über 100.000, das heißt also etwa 20 Prozent der gesamten deutschen Juden an dem gegenwärtigen Kriege teilgenommen haben, ein Ergebnis, welches in allen Ehren vor der breiten Oeffentlichkeit wird bestehen können. Für alle diese Angaben befindet sich das sorgfältig gesammelte und geprüfte statistische Material namen- und ziffernmäßig in unseren Händen." Damit ist dieser antisemitischen Hetze der Böden entzogen. Wer sich an ihr beteiligt, schmäht das Andenken derjenigen, die für die Verteidigung des Deutschen Reiches ihr Leben eingesetzt haben, und macht damit sich selbst verächtlich. Die Einwanderung nach Amerika. Aus New Jork wird uns berichtet: Der Gencralkommiffär für das Einwanderungswesen hat dem Kongreß Bericht über die Einwanderung in der Zeit vom I.Juli 1916 bis 30. Juni 1919 erstattet. Dem Referat ist zu entnehmen, daß im Berichtsjahre 1918—19 141.132 Fremde nach Amerika eingewandert sind und 123.592 Fremde Amerika verlassen haben, so daß sich ein Jmmigrantenzuwachs von 20.700 Personen ergibt. Diese Zahl ist verschwindend klein gegenüber den Ziffern der Vorkriegszeit, immerhin jedoch etwas größer als im vorangehenden Jahre, da Amerika gegen die Einwanderung sich geradezu hermetisch abgesperrt hatte. Der Grund dafür, daß die Einwanderung nach Amerika trotz der Beendigung des Krieges so klein ist, liegt in den Paßerschwerungen für Fremde für das Betreten und Verlassen amerikanischen Bodens. Bei der kleinen Zahl von Einwanderern wurden die Zurückweisungen doch ziemlich streng gehandhabt: 1455 Personen wurde die Landung verweigert, weil sie nicht lesen und schreiben konnten, 466 aus anderen Gründen. Bemerkt wird jedoch in dem Bericht, daß die Bestimmung über den Analphabetismus nicht so streng gehandhabt wurde; der empfindliche Arbeitermanael hat die Behörden veranlaßt, über die Bestimmung in vielen Fällen hinwegzugehen. Der Arbeitsmangel besonders auf dem Lande, hat auch bewirkt, daß die Regierung das Gesetz des „Contract Labour" zu brechen genötigt war. So wurden im Berichtsjahre an die 40.000 Arbeiter aus Mexiko bezogen, für welche die Beschränkungen ausgehoben wurden; sie fanden auf Farmen, bei Bahn- .und Staatsarberten Verwendung. Der Bericht verweist auch offen auf den Arbeitermangel, welcher die Vereinigten Staaten nötigt, der Einwanderungsfrage erhöhtes Augenmerk zuzuwenden. Es ist auch anzunehmen, daß die wirtschaftliche Krise in Europa einen starken Emigrantenstrom nach Amerika ziehen dürfte. Der Bericht befaßt sich auch mit der jüdischen Einwanderung und ihrer Zukunft. Es wird die Vermutung ausgesprochen, daß die Zahl der jüdischen Einwanderer geringer sein werde als vor dem Kriege, da für die russischen Juden, welche das Hauptkontinent der Immigranten gestellt hatten, der Beweggrund zur Auswanderung — die blutigen Verfolgungen der zaristischen Regierung — weggefallen sei und da sie jetzt Ansiedlungsgelegenheit in ganz Rußland hätten. Es sei auch anzunehmen, daß die Ordnung der Zustände in Osteuropa den Juden Gleichberechtigung bringen und den Anreiz zur Emigration mildern werde. Freilich sei jetzt noch der gegenwärtige wirtschaftliche Ruin der osteuropäischen Juden die soziale Feindschaft, welche jetzt egen sie herrsche, zu berücksichtigen. Doch — so schließt der die Juden etreffende Teil des Berichtes — ist zu erwarten, daß die Juden in Rußland und Polen sich einleben werden, wenn der Druck von oben verschwinden wird. Rundschau. (Koustituierung des Vorstandes der Israelitischen Knltnsgemeiude Wien.) In der am 6. Jänner 1920 stattgefundenen Plenarsitzung wurde die Neuwahl der beiden Vizepräsidenten und von acht Mitgliedern des Vertreter-Kollegiums im Sinne der §§ 8 und 9 des Statuts vorgenommen. Die Wahl des Präsidenten wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Zum 1. Vizepräsidenten wurde Herr Hofrat Dr. Benjamin Rappaport wiedergewählt, zum 2. Vizepräsidenten Herr Kommerzialrat Leopold Simon neugewählt. In das Vertreterkollegium wurden wiedergewählt die Herren Dr. Jakob Engel, Ernst Hirsch, Siegmund Kauders, Baurat Wilhelm Kempler, Dr. Markus Spitzer. Neugewählt wurden die Herren Dr. Josef Breuer, Hofrat Siegfried Gerstmann, Dr. Isidor Samuely. (Die Flüchtlinge in Wien.) In der Sitzung der Nationalversammlung vom 9. Jänner brachte Abgeordneter Spalowsky die Flüchtlingsstage zur Sprache und forderte, die Ausweisungen strenger durchzuführen. Staatssekretär E l d e r s ch erwiderte: Was die Ausweisung der Fremden anlangt, so bietet die Durchführung der Ausweisung aller Personen, die nach dem 1. August 1914 uach Wien gekommen sind, naturgemäß große Schwierigkeiten. Die über die Zahl der Flüchtlinge angestellten Erhebungen ergaben, daß weit nicht soviele Flüchtlinge anwesend sind, als angenommen wurde. Ihre Zahl muß mit ungefähr 24.000 angenommen werden. Soweit kann nicht gegangen werden, daß jeder, der in einem Beruf steht, hier bleiben kann, wenn deutschösterreichische Staatsbürger in diesem Berufe arbeitslos sind. Was geschehen kann, um die lästigen Personen zu entfernen, geschieht. Aber die trostlosen Verkehrsverhältnisse werden auch in dieser Richtung ungeheure Schwierigkeiten bereiten. (ärobar — für die Juden.) Der tschechoslowakische Minister Dr. 8robar, der sich so oft als Antisemit hervorgetan ' hat, ist nun einmal als Beschützer der Juden — in Ungarn^ aufgetreten. In einer Rede erklärte ßrobar: „Das magyarische Regime weist uoch eine abstoßende Eigenschaft auf, die persönliche Verfolgung des magyarischen Judentunis. Es ist dies ein unerhörter Undank der magyarischen Nation gegenüber ihren Juden, die das magyarische Kapital bis zur schwindelhaften Höhe vermehrt, der magyarischen Nation eine unermeßliche Zahl von Schriftstellern, Künstlern und Gelehrten gegeben, die magyarische Journalistik auf eine vollendete Stufe gebracht, durch ihre Regsamkeit, Unternehmungslust und Begabung auf allen Feldern des staatlichen Lebens die faule Gentry und Aristokratie ersetzt haben. Jetzt aber vernichten die Magyaren diese ihre emsigen Arbeiter mit der größten Brutalität. Fünfzehn Millionen einflußreiche, vermögende und gebildete Juden Europas werden dieses unmenschliche Vorgehen der magyarischen Intelligenz und Aristokratie niemals verzeihen, und es kann für die Juden eine Lehre sein, was für eine Gefahr es bedeutet, wenn sich die Söhne einer Nation in die Dienste ihrer Herrennation stellen, um ihnen bei Unterdrückung anderer Nationen Schergendienste ' zu leisten. Inhumanität und Unsittlichkeit bringen nicht nur den Unterjochten Unglück, sondern - auch den Unterdrückern und deren Gehilfen Verderben." (Wenn es sich um die Juden in der Slowakei handelt, spricht Lrobar anders.) (Die Landesversammlnug der slowakischen Orthodoxie.) Aus Preßburg wird dem „Israelit" geschrieben: Die Landesversammlung, hat nach einem längeren, äußerst eindrucksvollem Referat von Rabbiner Aron Katz, Neutra, den Beschluß gefaßt, den offiziellen Anschluß an die Agudas Jisroel. zu erklären in der Voraussetzung, daß diese — wie von ihr wiederholt öffentlich erklärt wurde — die Autonomie der einzelnen Landesorganisatiouen hinsichtlich religiös-politischer Fragen respektiert sowie in Erez Jisroel nichts gegen den Willen der dortigen rabbinischen Autoritäten unternimmt. Die Einhaltung der letzteren Bedingung ist durch die Stellung des rabbinischen Rates gesichert. — Die lange Zeit hindurch geführten Verhandlungen über den Anschluß der Orthodoxie an den zionistischen „Volksverband der Juden für die Slowakei" haben trotz der lveitgehenden Zugeständnisse des letzteren zu keinem Ergebnis geführt. Die Landesversammlung erklärte sich bereit, gemeinsam mit dem „Volksverband" eine „Kommission zur Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Juden" zu bilden, vorausgesetzt, daß der Volksverband als solcher sich alsdann auflöse. Diese Bedingung hat der Volksverband entschieden abgelehnt, so daß das Endergebnis eine Verschärfung der Gegensätze ist. Die Landesversammlung war bei ihrem Beschlüsse von der Erwägung geleitet, daß ungeachtet aller Kautelen und Sicherungen in praktischer Hinsicht doch die bloße Tatsache des „Anschlusses" der orthodoxen Majorität an eine religiös bewußte neutrale, dabei aber mit der ganzen Würde einer nationalen Vertretung sich bekleidende Organisation dem in Ungarn stets hochgehaltenen Prinzips der Souveränität der Thora widerspreche. Die Orthodoxie ist sich klar darüber, daß vom Standpunkte ihrer praktischen Interessen der Anschluß an den „Volksverband" und die ihr dadurch erwachsende Mithilfe tüchtiger und erfahrener Fachleute auf den verschiedensten Gebieten äußerst vorteilhaft gewesen wäre. Es ist einfach ein Opfer, das man dem eigenen Gewissen und der Reinheit des Prinzipes bringt, wenn man auf alle diese Vor-

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