Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 324

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 324)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3486266-3486297--8775-3495155
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

irgendeinem großen Rabbi, nimmt einen Sack anf die Schulter, einen Stock in die Hand and wandert zn ihm. So ist er bis nach Galizien, so ist er zn Rabbi Akiba Eger nach Posen, zn Babbi Chajim nach Woloschin gekommen nnd hat dort wie einer der jüngsten Schüler gelernt. Es packte ihn plötzlich das Empfinden, er dürfe nicht mehr ruhig im Städtchen sitzen nnd er verscholl mit einem Mal auf ein, zwei, drei Jahre, zog irgendwo über die Landstraße, saß irgendwo im Beth-Hamidrasch. Ein Schüler des Wilnaer Gaon, einer also, von dem Litauen würdevolle Haltung und Selbstachtung verlangt, ging er in einfachen, zerrissenen Kleidern, sah ans wie ein Schnorrer. Ein Rabbi, der eine Jeschiwa hätte leiten können, ernährte er sich, wenn überhaupt, von einem Handwerk, vom Schustern, von Wagenfähren, Lasten nach Memel bringen. (Es gehen im Osten viele Geschiehten von Rabbi Sundei um, die berichten, wie er unerkannt und ohne sich erkennen zu lassen, von den Rabbis in Wilna und Kowno seinem Aussehen gemäß und wie ein Wasserträger behandelt wird, wie er Auskunft darüber geben soll, was der Rabbi Sunde! in seinem Städtchen macht und nichts sagen will, wie er als Kutscher, der er scheint, Branntwein za trinken bekommt, obwohl er ihn nicht vertragen kann, geprügelt und bespöttelt wird und schweigt.) Litauer kennen kein Stegreif-Dasein; sie rechnen und bauen vor. Stoßen sie deshalb auf einen Menschen wie Rabbi Sundei und sein blind unbedingtes Gottvertrauen, dann fassen sie sieb staunend an den Kopf. Daß er ohne jede Aussicht auf Brot für morgen heute seine Arbeit einstellt, um zu lernen, daß er sicher ist, obwohl er ihm gamichts bieten kann, einen Schwiegersohn zu fiüden, wie er ihn haben möchte, (nnd tatsächlich den späteren Oberrabbiner von Jerusalem, Rabbi Schmuei Salant gewinnt) daß er ins Leere hinein über die Landstraßen zieht, daß ihm keinen Augenblick bange ist um sein leibliches Ergehen — davon kann man in Salant nicht auf hören, sich bewundernd zu erzählen. Die Verständigeren aber sprechen natürlich mehr noch als über all dies — von dem Gegensatz, der bei Rabbi Sundel zwischen der Sorge um alles Körperliche und der ums Seelische besteht. Noch unverständlicher, als daß die eine ihn so gar nichts angehf, scheint, wie die andere ihn immer mehr und immer wieder plagt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.