Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 323)
- Language
- German
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Grande nur etwas bilden, das dieser Wesensart zum formulierten, ideologisch unterbauten Ausdruck verhilft. (So wie ja jeder aus dem Volk kommende und in es mündende Impuls das gedankliche Gefäß für schon bestehende Gefühle finden muß.) Warum aber ßabbi Israel in dieser Umgebung gerade jene Forderung, die sich später als Mussar proklamierte, erhob und nicht irgendeine andere, dafür lassen sich, glaube ich, im Tatsächliehen nur schwer Erklärungen und Motive finden. Man hat es damit zu deuten versucht, daß in seiner Zeit die geistige Um- Schichtung des Ghetto einsetzte, die Haskala aufkam und die rabbinische Welt unbewußt nach einer Festigung ihrer Position suchte. Man hat davon gesprochen, daß die Jahre zwischen 1820 und 1840 ein rapides Abnehmen der Gottesfurcht sahen und also eine Bemühung, sie neu zu beleben, provozieren mußten. Man bat ferner darauf hingewiesen, daß der Kampf zwischen Chassidismus und Babbinismus für Litauen noch nicht ganz zu Ende gegangen war, Unzufriedenheit mit dem allzu logischen, allzu gemütsarmen jüdischen Alltagsleben sei von den Ländern des chassidischen Elans nach Litauen übergesprungen und habe kompromißsuchende Gestalten, wie etwa den sonderbaren Rabbi Menasche Iljer, auf den Plan gebracht... Aber all das sind Deutungsversuche des Historikers, nachträglich unternommen, sie können vielleicht die Erscheinung als Geschichtsfaktum, nicht aber den Menschen verständlich machen. Halten wir uns dagegen an die im Kreis der Mussarschüler überlieferten Berichte vom menschlichen Werden Rabbi Israels, dann erfahren wir, daß in Salant keine Auseinandersetzung mit den Zeitprinzipien und aus ihr folgender Entschluß zur Tat stattgehabt hat, sondern ein richtiggehender Akt der ״Berufung“. Sie ist ausgegangen von einem Mann, der in diesem Städtchen das Vorbild par excellence, ״der“ Idealmensch war. Er hieß Rabbi Sundei. Berufung. Rabbi Sundei galt dem Städtchen bezeichnenderweise als ״das“ Vorbild, weil er ihm in allem konträr entgegengesetzt war. Ihn dirigierte spontane Impulsivität. Er hört eines Tages von