Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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iö Die Einführung des Morenutitels entstand also nicht aus Titelsucht, gegen welche besonders Maimonides1) und dessen Sohn Abraham2 *) energisch auftraten8), sondern diese neue Einführung war, wie wir bereits gesagt haben, stets von einem Utilitätsprinzip geleitet, hierdurch Unberufene von rabbinischen Funktionen fern zu halten4). Uber die Entstehungszeit wie auch über die Autorschaft des Morenutitels herrscht, wie wir bald sehen werden, tiefes Dunkel. Mit dem Versuch einer Lösung dieser Frage wollen wir uns in den nächsten Abschnitten beschäftigen. 2. Verschiedene Ansichten über die Entstehungszeit und Autorschaft des Morenutitels. Zum Schlüsse des vorigen Abschnittes haben wir erwähnt, dass bis heute nicht mit Sicherheit ermittelt werden konnte, wann der Morenutitel entstanden und von wem er eingeführt worden sei. Bevor wir unser Urteil hierüber abgeben, wollen wir hier kurz die über dieses Thema geäusserten, weit auseinander gehenden An־ sichten initteilen. 1. Abrabanel5) betrachtet den Morenutitel als eine unpassende Nachahmung des Doctortitels. In Nachahmung des von den Universitäten erteilten Doctor- oder Magistertitels sei, so meint Abrabanel, der Morenutitel als Zeichen der Amtsfähigkeit den ausgebildeten Schülern schriftlich verliehen worden. Es bleibt aber immer noch schwierig zu ermitteln, wann, wo und von wem dieser Titel bei den Juden eingeführt wurde. Mit Recht bemerkt Fränkel6): der Doctortitel als solcher entstand zwischen 1128 und 1137 bei der in der Jurisprudenz berühmten Universität zu Bologna, die ein Privilegium zu seiner Verleihung ף Mischnakommentar zu Bechoroth IV, 6. 8) Maimonides’ Responsen, ed. Leipzig 1859, Nr. 250, und R. Moses Sofer, Rga. IV, Nr. 59. *) Vgl. unten S. 42. 4) Siehe Zemach David, ed. Offenbach 1768, I, S. 30 a. נחלת אבות ר vi, 1. s. v. נקרא ר_ע. 6) Jahrh. f. Gesch. der Juden u. des Judentums, Bd. 1, S. 162.