Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 123)
- Language
- German
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60 seine Leute um Vergebung. Der Rabbi entgegnete, er selbst habe den Leuten nichts zugefügt, das sei wohl die Strafe des Herrn; doch werde er, der Fürsprecher, bei seiner Rückkehr wieder alles in Ordnung finden. So geschah es auch. Daher erhielt der Ort den Namen Pamiontkowo, d. h. Erinnerungsstätte, vom polnischen pamionte sich erinnern* * 3 4). Zur Charakterisierung seiner grenzenlosen Bescheidenheit wird auch erzählt: Einst hatten seine Bachurim beschlossen, einem missliebigen Kollegen eine körperliche Züchtigung (משכנתא) zu teil werden zu lassen und dazu die dunkle Abendstunde gewählt, in welcher der betreffende Mitschüler ins Lehrhaus kommen sollte. Statt des Schülers aber trat der Meister selber ein; er liess die Züchtigung an sich geduldig vollziehen, ohne je darüber das Geringste verlauten zu lassen5). Sein unerschöpflicher Wohltätigkeitssinn wird durch folgende Anekdote illustriert: An einem Winterabend überreichte ein älteres Mädchen tränenden Auges dem Rabbi ein dringliches Bittgesuch. Derselbe, in momentaner Geldverlegenheit, liess sich von dem verwunderten Mädchen nach der jüdischen Ressource, dem Sammelpunkt der jüdischen Elite Posens, führen, trat unter die masslos erstaunte Spielgesellschaft und lud vier Herren zu einer gemeinsamen Kartenpartie bei einem Einsatz von zwei Dukaten ein. Nachdem die Karten verteilt, ausgespielt waren und zuletzt die Reihe an ihn kam, rief er aus: ״Herz ist Trumpf“ und zog die Kasse an sich; darauf rief er die draussen harrende Bittstellerin herein und überwies ihr den hohen Gewinn, den bald alle anwesenden Mitglieder der Gesellschaft nach Kenntnisnahme des Vorganges um ein Ansehnliches vermehrten. So hatte der geistvolle Einfall eine unglückliche Familie aus ihrer drückenden Lage unversehens befreit und beglückt6). Auch als Richter hat er öfters durch einen geistvollen Einfall die Wahrheit ans Licht gezogen: So traten eines Tages H) Nach mündlicher Ueberlieferung; ähnlich lautet eine schriftliche Mitteilung des Lehrers Grünfeld-Schwersenz. Doch ist die ausschliessliche Be׳־ Ziehung auch dieser Sage auf R. Akiba Eger nicht gesichert. 4) Bleichrode. 5) Mündliche Ueberlieferung. e) Brüllsche Monatsblätter, Jahrgang 18.