Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 122)
- Language
- German
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59 Sagen, Anekdoten und charakteristische Aussprüche. Wie gewaltig־ die Persönlichkeit des R. Akiba Eger mit ihrer Zaubermacht die jüdische Volksseele ergriff, wird durch nichts so bekundet, als durch den reichen Schmuck von Sagen, mit welchem schon seine Zeitgenossen, trotz des nüchternen Zeitgeistes, sein Wesen wie das eines Helden einer längst entrückten, grauen Vergangenheit verklärend umkleideten, sowie durch die Fülle geistvoller Anekdoten und Bonmots, welche der jüdische Volks־ mund an seinen Namen knüpfte. Schon die Nächststehenden riss er dazu fort׳, den Schleier der Idealisierung um ihn zu breiten. So ist es wohl zu verstehen, dass sein eigner Vater in der Stunde verzweifelter Hilflosigkeit sich durch eine wunderbare Erscheinung in der Gestalt seines fernen Sohnes wie durch einen Rettungsengel aus der Gefahr des Ertrinkens in reissenden Fluten befreit glaubt, dass ferner sein Schüler Anse hei Licht enstein in stockflnsterer Mitternachtsstunde um das Haupt des Meisters einen höheren Lichtschein leuchten sieht, der ihm die Geheimnisse höherer W eisheit erhellt1). Bezeichnend ist es ferner, dass das Volk auch auf ihn die ursprünglich dem ״hohen Rabbi Löwu zugeschriebene Sage übertrug, wonach er einen durch ihn belebten Golem (Tongebilde) die V oche über in seinen Dienst genommen, vor Sabbatheintritt aber durch eine Ohrfeige wieder leblos gemacht habe2). Auch wird ihm folgendes nacherzählt: R. Akiba Eger fuhr einst von Posen nach Obersitzko (was übrigens öfter geschall). Auf seiner Rückreise stürzten in der Nähe des heutigen Dorfes Pamiontkowo (bei Samte!*) einige Feldarbeiter mit Sensen auf das Gefährt des langbärtigen Rabbi los, blieben aber plötzlich mit den erhobenen Sensen wie festgenagelt stehen, ohne einen Laut hervorzubringen. Als der darauf herbeigeeilte Grundbesitzer seine Arbeiter wie Bildsäulen dastehend erblickte und nach dem Grunde fragte, war keiner imstande, ihm zu antworten. Nur ein ferngebliebener Augenzeuge erklärte ihm den Vorgang. Der Gutsherr ritt infolgedessen dem Rabbi nach und bat ihn für D Bleichrode. 2) Knoop, Sagen und Erzählungen aus der Provinz Posen, S. 358 und Anm. daselbst die Beanstandung Blochs; doch erfuhr auch ich durch ältere Leute, dass die Uebertragung stattgefunden hat.