Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 103)
- Language
- German
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4Ö tigen Einflüsse, den sich ihre Vorsteher über sie zu verschaffen wissen, namentlich in der sehr verständigen Leitung des würdigen, alten Oberrabbiners. Er hat die Judenschaft zu der Leberzeugung gebracht, dass eine verschuldete Veranlassung zur Cholera durch einen Diätfehler u. s. w. der unter den Juden sehr tief verabscheuten Sünde des Selbstmordes nicht bloss gleichzustellen, sondern noch höher zu achten ist, weil der Uebertreter nicht bloss sich selbst, sondern auch anderen schade. Durch seine Bemühungen ist ein Fonds zu stände gebracht, wodurch die Synagoge in den Stand gesetzt wird, alle unbemittelten Juden, welche nur von leichten Krankheitsfällen betroffen werden, auf ihre Kosten zu verpflegen. Hierdurch wird der bei der Cholera so sehr wichtige Punkt erzielt, dass die Krankheit nicht verheimlicht, sondern gleich ärztliche Hilfe gewährt wird, wodurch bekanntlich die Krankheit in den meisten Fällen beseitigt wird.“ Infolge dieses Berichtes zeichnete der preussische König Friedrich Wilhelm III. ß. Akiba Eger durch das auch in der Staatszeitung veröffentlichte Kabinetschreiben vom 5. September aus, in welchem der wohltätigen Folgen ״der von der Posener Judenschaft unter der tätigen und umsichtsvollen Leitung ihres Oberrabbiners ergriffenen Massregeln zur Abwehrung und Heilung der Cholera“ huldvollst gedacht wurde, zugleich mit dem Aufträge an den Oberpräsiden־ ten Flott well, ״dem Oberrabbiner das Wohlgefallen und die Zufriedenheit seines Königs mit dem von ihm beobachteten, nachahmungswerten Verfahren“ auszudrücken1-9). Dieses Schreiben wurde ihm durch einen hohen Beamten an einem Sabbath verschlossen überreicht, weshalb er zu diesem in zweideutiger Weise sagte, er könne es nicht lesen. Daraufhin erbrach es der Beamte und las es ihm vor130). Ausserordentliche Verdienste um das Wohl seiner Gemeinde erwarb sich ß. Akiba Eger auch durch seine bewunderungswürdigen, weisen Anordnungen für die in diese Zeit (auf den 8., 9. und 10. September) fallenden hohen Festtage. Nach Beratung mit Aerzten liess die mosaische Cholerakommission, deren Haupt und Seele er war, überall die siebzehn Bestimmungen enthaltenden, von ihm und seinen Assessoren unterzeichneten ״Verhaltungsregeln für das Neujahrs- und Versöhnungs- 129) S. Bleichrode über den vollständigen Wortlaut dieses Schreibens. 130) Mitteilung seines Schülers R. Meir Bergei.