Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
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39 Jahrzehnt reichlich Gelegenheit, seinen edlen Wohltätigkeitssinn in grossartigstem Stile zu entfalten. Zugleich mit dem Ausbruch des Aufruhrs im Königreich Polen hielt nämlich auch die Epidemie der asiatischen Cholera daselbst und bald darauf im Grossherzog־ tum ihren Schrecken verbreitenden Einzug. Am IS. Juli 1831 musste der Oberpräsident bekanntgeben, dass der unheimliche Gast sich auch in der Stadt Posen eingeschlichen habe127). Die nunmehr mit aller Energie durchgeführten, fürsorglichen Anordnungen und Vorsichtsmassregeln der Regierung fanden bald ihre wirksamste Unterstützung und Förderung durch die weisen, rationellen Massnahmen und die lieberhafte, rastlose Tätigkeit des greisen Menschenfreundes R. Akiba Eger. Seine umsichtige Fürsorge für eine geregelte Lebensweise der Armen, sein einflussreicher, echt jüdischer Appell an die Mildtätigkeit der Reichen, wie auch an das Pflichtgefühl der Armen, damit keine der das Leben bedingenden Verhaltungsmassregeln ausser Acht gelassen werde, die durch ihn organisierte ״Cholerakommission mosaischer Glaubensgenossena haben neben dem an sich so wirksamen Schutz der jüdisch-rituellen Lebensweise das Umsichgreifen der Pest durch die ob ihrer Armut am meisten bedrohten Juden in der erfolgreichsten Weise abgewehrt und ihn zum Lebensretter und Wohltäter in zahllosen Fällen erhoben. Damals hat er auch öfters den Mut der Verzagten durch zahlreiche Kemeoth (Amulette) aufgerichtet128). Am 21. August 1831 berichtete die Ortskommission zu Posen der Immediatkommission zur Abwehrung der Cholera über den Gang derselben, ״dass die Sterblichkeit in Posen verhältnismässig äusserst gering ist. Der Grund davon liegt bei der grossen Dürftigkeit, worin ein grosser Teil der hiesigen Juden lebt, in der religiös-politischen Stellung derselben, in dem mach- 127) Meyer a. a. O. S. 384. Zeitschrift der historischen Gesellschaft für die Provinz Posen, II. Jahrgang S. 283 ff.: Zur Geschichte der Cholera- Epidemien in der Stadt Posen. 128) lieber den Inhalt eines solchen Amuletts und die eigentümliche Gebrauchsweise desselben (1ההזיה מזבל את הנייר אשר בתזב עליו הסגולה כדי שיד,י׳ קל לאכול) vergleiche Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde XIV S. 91. Ein anderes, von R. A. E. damals empfohlenes Amulett lehnte sich an den Psalmvers 106,30 an. Dass R. A. E. auch der Verfasser dieser Amulette war, ist nicht erwiesen. Von letzterem Amulett wird sogar ausdrücklich berichtet, dass es ihm von einem älteren Gaon überliefert worden sei.