Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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34 Schreiber und Naphtali Caro um den dortigen Rab■ binatsstuhl stritten, mit energischer Strenge für das Recht des ersteren eintrat114). In Pinne wurde er bei einem ähnlichen, heftigen Streite zwischen Isaac Lewy und Coel (1833) vom Magistrat selbst zum obersten Schiedsrichter vorgeschlagen 115). Oft eilte er persönlich nach der Stätte des Unfriedens. So reiste er 1821 nach Lissa in dem allerdings vergeblichen Streben, diese Gemeinde seinem abwesenden Freunde R. J a c 0 b Lissa zu sichern116). Selbst die ferne Grossgemeinde Wilna, die ihm vorher ihr Rabbinat angetragen und bereits den Rabbinatsbrief zugestellt hatte, beugte sich später vor seinem rücksichtslosen Verweis, als sie zu ihrem Vorteil und zum Schaden einiger, bei R. Akiba Eger Beschwerde führender Interessenten ein Gemeinde- Monopol einzuführen gedachte 117). Sein feines Takt- und Gerechtigkeitsgefühl bestimmte ihn aber auch nicht selten, die erbetene Einmischung und Entscheidung abzulehnen. Noch viel bedeutsamer und folgenschwerer als diese Teilnahme an dem Wohl einzelner Gemeinden war das Eingreifen R. Akiba Egers in die, die gesamte Judenheit aller Kulturländer tief bewegenden, in zwei feindliche Lager zerklüftenden Bestrebungen, den althergebrachten Gottesdienst der Synagoge zu reformieren. In der sein ganzes Wesen naturgemäss durchdringenden Ueberzeugung, dass der überkommene Schatz der geoffenbarten Religion und ihrer Formen nur in ihrer, aus sich selbst heraus organisch entwickelten Gestalt, unverfälscht und ungeschmälert, insbesondere frei von jedem fremden, unjüdischen Einfluss, gewahrt werden kann, jedes Rütteln an dem Gemäuer der Ueberlieferung aber den Grund und schliesslich das Ganze erschüttere und gefährde, trat der sonst so friedliebende Mann dieser Bewegung mit all seiner Kraft, mit der grössten Entschiedenheit und lebhaftesten, bisher nicht genügend gewürdigten Teilnahme entgegen. Schon im Jahre 114) Letzterem schrieb er damals פן בחרב אצא לקראתך . (Persönliche Mitteilung des Herrn Mittwoch-Schrimm.) 115) Siehe Lewin, Aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde zu Pinne, S. 15. 116) Siehe Kämpf a. a. O. S. 36. 117) Bleichrode. Den im Wilnaer Gemeindebuch befindlichen nnn^Brief konnte ich trotz vielfacher Bemühungen nicht zur Einsicht erlangen.