Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3486266-3486271--0841-3487202- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
33 religiöser Betätigung stets durstender Feuereifer, der ihn, den ungewöhnlich gewandten מוהל, mitten aus seiner Vielgesehäftigkeit an die Wiege der männlichen Gemeindekinder wie nach der Ferne rief, sein nie versagendes, zuvorkommendes Wohlwollen gegen alle, die seinen vielgeschätzten Rat oder seine hilfreiche Tat begehrten oder ihrer bedurften, sein teilnehmendes, förderndes Interesse an allen grösseren Wohltätigkeitsanstalten innerhalb wie ausserhalb seines Wirkungskreises 108), seine dem Frieden nachjagende, so oft erfolggekrönte Friedensliebe Hessen ihn als das Ideal einer edlen, vornehmen und hoheitsvollen Menschenseele erscheinen und zwangen selbst die ihm widerstrebenden Andersgesinnten zu unbedingter Huldigung 109). Der Provinz Posen und Umgegend aber galt R. Akiba Eger auch ohne den offiziellen Titel als Oberlandesrabbiner, dessen Vermittlung imd Entscheidung gleichsam als die höchste Instanz oft angerufen und stets respektiert, dessen persönliche Teilnahme bei feierlichen Anlässen als ausserordentliche Auszeichnung erbeten wurde. Auf seine Vorschläge und Empfehlung wählten zahlreiche Gemeinden ihre Seelsorger110), grössere Gemeinden wie Bromberg (1834) luden ihn neben den höchsten Behörden zur Einweihung ihrer Synagogen 111). Unschätzbar sind seine Verdienste um den Frieden. So schlichtete er durch weise Vermittlung Streitigkeiten in Obersitzko, Schneidemühl, Inowrazlaw 112) und namentlich oft bei Differenzen mit und unter ihren Rabbinern und sonstigen Beamten wie in Neustadt a. d. W. (1831) 113), in Schrimm (1835), wo er, als die erwähnten Benjamin Mitte eine Wage, darunter die Worte *צדק צדק תרק, ringsum in 2 Kreisen Namen und Titulatur in hebräischer und deutscher Sprache. 108) R. Akiba Eger war Ehrenmitglied des Warschauer und des Breslauer Krankenhauses. (Bleichrode.) 109) Vergleiche die treffliche Schilderung von dem Eindruck der Persönlichkeit des R. A. Eger aus der Feder seiner Urenkelin Ulrich Frank im Jahrbuch für Jüdische Geschichte und Literatur 1905, S. 219 und 220. 110) So auch Obornik; vgl. דברי צבי Einleitung. m) Siehe sein Schreiben bei diesem Anlass an den Vorstand, aus dem Original übersetzt bei Herzberg, Geschichte der Juden in Bromberg, S. 44. 112) S. Brann a. a. O., Lewin, Gesch. der Juden in Inowrazlaw, S. 79. 113) Bei dem Streite mit dem Rabbiner ר' שלום. (Nach einem mir von Dr• Heppner eingesandten Handschreiben des dortigen Vorstandes an R. A. Eger). 3