Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
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15 grossen Menschenmasse, die auf dem Posener Wege seiner Ankunft entgegenharrten, unter grossem Jubel der jüdischen Bevölkerung seinen Einzug in Posen, wo auch viele seiner Verehrer aus der Provinz zu seinem feierlichen Empfang sich eingefunden hatten44). Hier schlug er in dem vor den alten Synagogen auf der Judenstrasse befindlichen, vor zirka 1V2 Jahrzehnten niedergerissenen Gemeindehaus für sich und seine Familie für Lebenszeit sein Heim auf und bestieg alsbald jenen später mit schwarzem Leder bezogenen Lehrstuhl, der heute noch als Reliquie aufbewahrt und pietätsvoll iinbesetzt bleibt. Von hier aus entfaltete er nun, trotz der Entfremdung eines Teiles der Gemeinde, der immer mehr die innere Fühlung mit seinem grossen Seelenhirten verlor, eine ungeahnt weitreichende und tiefgreifende Wirksamkeit, die der ihm zugedachten, von völliger Verkennung seiner wahren Seelengrösse zeugenden Fesseln spottete. Zwar musste jetzt der vielbeschäftigte Edle der Befriedigung seines Hanges nach persönlichen Liebeswerken gegen die einzelnen Kranken seiner zerstreuten Gemeinde Schranken auf erlegen45) und konnte nur noch im Grossen seine humanitären Bestrebungen pflegen; um so eifriger und erfolgreicher oblag er dem Lehr- und Richteramt. Schon der von ihm 25 Jahre lang gewissenhaft eingehaltene Arbeitsplan, der für alle Wochentage ausser den Rüsttagen zu Sabbathen und Festtagen Geltung hatte, beweist die Fülle und Grösse der Aufgaben, die sich der unermüdliche emsige Meister hier stellte. Um 4 Uhr morgens begann er mit Mischnahstudien sein Tagewerk, hielt dann nach dem Morgengebete (im Winter wohl vor demselben) eine etwa einstiindige cursorische Talmudvorlesung vor einzelnen Gemeindeu) Tiefen Eindruck machte es auch in Posen, als einer der heftigsten Gegner, ein Buchhalter des Grosskaufmanns Victor Josef, der geäussert haben soll, dass bei seinem Leben R. Akiba Eger nicht nach Posen kommen solle, kurz vorher plötzlich, vom Schlage geröhrt, starb. Vgl. auch חוט המשולש S. 40, wo ähnliches von einem (Fleischer) erzählt wird, der die Ovationen bei Empfang des voruberfahrenden R. Akiba Eger lieblos kritisierte. 45) Zwei von ihm besoldete Boten mussten an seiner statt alle Kranken der Gemeinde aufsuchen und ihm über ihre Lage und Bedürfnisse berichten. (Bleichrode.)