Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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39 keit des Itzig Margulies von anmutigen Parkanlagen und Blumengärten umgeben und mit einer stattlichen Bibliothek aus־ gestattet war, wurde bald zur Ruhmeshalle der Thora. Zahlreiche Jünger strömten dorthin, um zu den Füssen des jungen, begeisternden Meisters, den kein Amt, keine Aussicht auf Gewinn, kein Verlangen nach Geltung, sondern nur — nach Art des wahrhaftigen Pharisäers — die aus dem tiefsten Herzen quellende, selbstlose Liebe zu Gott und seiner Lehre zum Lehr- Stuhl und zur Übernahme seiner Lasten gedrängt hatte, Erleuchtung und Belehrung zu empfangen. Ohne jede Polemik entwickelte R. Akiba vor ihnen seine eigenartige Lehrmethode, die der bereits von R. Jesaia Hurwitz verurteilten, in Polen dennoch heute noch nicht ganz überwundenen Vorliebe für geistvolle Wörtchen und sensationelle Gedankenkombinationen im Princip abhold war. Die Grundkraft seines Geistes war streng logischer Gedankengang, die Ergründung der Wahrheit stets das letzte Ziel seines Strebens. Nicht um blendendes Geistesspiel, sondern um wissenschaftlich ernste, wahrhaftige Geistesarbeit war es ihm zu tun. Der von ihm allerdings auch gepflegte Pilpul war ihm nur Mittel um die Verstandeskräfte der Jugend zu wecken und zu üben4)• Es ist auch sehr bezeichnend, dass R. A. so viele von ihm aufgeworfene Fragen und Schwierigkeiten ungelöst liess und nicht zu gewaltsamen Schein- und ״Notlösungen“ seine Zuflucht nahm. Auch hat er niemals um gewisser Tendenzen willen einzelne Materien einseitig bevorzugt, sondern alles, auch Agadisches wie aus seinem גל יון הש״ס erhellt, gleichmässig gewürdigt5). Den umfangreichen Talmud mit seinen scharfsinnigen, oft schwer zu ergründenden Kommentaren, ferner das ganze Gebiet des praktischen Religionsgesetzes und schliesslich die unmittelbaren Quellen desselben, טור או״ח דו״ד, führte R. Akiba Eger hier seinen Schülern täglich mit dem durchdringenden und blendenden Lichte seines Geistes in drei gesonderten Vorlesungen vor6). Hierdurch fand er zugleich selbst Gelegenheit, die ganze talmudische Materie in gründlichster 4) S. Einleitung zu '1 ת seine eigne Verwahrung gegen פלפול של הבל sowie Einl. zu דרוש וחרוש ed. Warschau, auch häufiger in den Responsen: אמרתי דרך פלפול לחרורי כני ישיבה, namentlich '75! 1 ת. 5) S. auch Kämpf S. 20 Anm. 6) S. Schreiber.