Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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38 jüdischen Geistes. Überaus reich an Talmudgelehrten und Weisen, denen zahlreiche, nach talmudischer Ausbildung dürstende Jünglinge von nah und fern zuströuiten, wie auch an begabten Freunden und Kennern der jüdischen Literatur, die bereits Sinn für methodisch-systematische Ordnung, rationelle Schrifterklärung und die Formschönheiten der hebräischen Sprache an den Tag legten2), hatte es auch zahlreiche, grossartige Institute für jüdische Bildungs- und Humanitätszwecke. Bei seiner geistigen Regsamkeit war es auch nicht unzugänglich den von Berlin ausgehenden Aufklärungs- und Kulturbestrebungen. War es doch neben Posen die einzige Gemeinde Grosspolens, in der schon zu polnischer Zeit deutscher Unterricht erteilt wurde. — An der Spitze des Gemeinderabbinats, dem bereits 1753 die ehrenvolle Rolle eines Schiedsrichters in dem grossen Streite für und gegen Jonathan Eibenschütz zugedacht war, stand von 1774—1792 der wegen seiner Gelehrsamkeit und Charaktertugenden hochverehrte, aber auch wegen seines rigoroseren Vorgehens gegen Wesselys in der Form unvorsichtig herausforderndes Sendschreiben zu gunsten der neuzeitliehen Kultur (Pessach 1782) bekannte Rabbiner David Tewele Horochow, der auch mit den ersten Kapazitäten der Judenheit in geistiger und zum Teil verwandtschaftlicher Beziehung stand. Ihm zur Seite wirkte eine stattliche Anzahl von Vereinsrabbinen und Privatgelehrten3). In dieser jüdischen Musenstadt durfte nun der jungvermählte R. Akiba unter den glücklichsten Umständen seines Lebens, durch die Fürsorge seines edlen Schwiegervaters aller Sorgen frei, ein ganzes Jahrzehnt hindurch wirken, zur segensreichsten Entfaltung seiner eigenen reichen Geisteskräfte, wie auch zur fruchtbarsten Anregung und Förderung jüngerer wie älterer Talente. Das behagliche Heim, das dank der Opferfreudig- 2) So entstammten Lissa der Verfasser des Superkommentars zu Abraham ben Esra,אבי עזרי, der oft benutzten Zusammenstellung der talmud. Angaben über die Tannaim,נהלה שמעוני, der stilgewandte Verfasser des חולדות נח, der philosophisch gebildete R. Zwi Hirsch Kalischer u. a. *) S. Lewin, Geschichte der Juden in Lissa, die, allerdings zur Zeit noch unvollendet, bei der Darstellung dieser Periode, namentlich der Lissaer Freunde des R. A. E. oft benutzt wurde; über R. David Tewele auch Kerem Chemed 1833 S. 6, Frankel Monatsschr. 1871 S. 465, Waiden a. a O. s. v. und ‘ת H 36. Über die Bedeutung Lissas s. Lewin a. a. O. S. 46 ff. S. 118.