Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486269--0367-3486727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
30 R. Akiba Egers Jugend 1761—1780. Akiba Eger oder, wie er sich selbst auf deutschen Schrift*״ stücken zeichnete, Jacob Moses Eiger1), erblickte am 11. Cheschwan 5522-) (1761 d. gew. Ztr.) in dem schöngelegenen, von Weinbergen umgebenen Eisenstadt in Ungarn als der älteste Sohn des Moses Gins und seiner Gattin Gitl geb. Eiger das Licht der Welt. Seine Geburt und Jugend fallen in die Zeit, da das Judentum noch sich selbst gehörte und genügte. In sich, namentlich in ihrem, alle Verhältnisse des Lebens und des Herzens umfassenden Religionsgesetz, fanden die Juden den Quell ihrer Geistesnahrung, die Weihe ihres Gemütes, ihren sittlichen Halt, die Norm für die Entscheidung ihrer Zweifel und Interessenkonflikte und Ersatz für den Verzicht auf manigfache Natur- und Lebensgenüsse, während die Vorstellungen und Vorgänge in der Welt sie kaum interessierten. Der unselige Streit zwischen Jonathan Eibenschütz und Jacob Emden, der kurz vorher die europäische Judenheit in zwei Lager gespalten hatte, war allmählich zur Ruhe gekommen und die die Judenheit noch ungleich tiefer zerklüftende Aulklärungsbewegung war noch zu sehr in ihren ersten, schüchternen Keimen, als dass sie den herrschenden Feuereifer für die Pflege des Thorastudiums zu lähmen vermochte. In Polen wie in Deutschland, Oesterreich, Russland stand das Talmudstudium in lebendigster Blüte. Abgesehen von den kleineren, vielbesuchten Jeschiwoth (Talmudschulen), die fast in jeder grösseren Gemeinde zu finden waren und nach rauher Tagesarbeit ideal-geistige Erfrischung boten, stillten die grossen, 400 und mehr Jünger ausbildenden, talmudischen Hochschulen, zu Prag seit 1755 unter der Leitung des bald zur ersten Autorität gereiften R. Jecheskel Landau, zu Hamburg 1750 — 1764 unter dem scharfsinnigen R. Jonathan Eibenschütz, zu Fürth 1765—1776 unter dem weithin massgebenden, gewandten R. Joseph Steinhardt, zu Metz, wo neben Samuel Helmann (bis 1765) R. Arje Leibusch, Verfasser des 'שאגת ארי und טורי אבן, (bis 1785) glänzte, zu Frankfurt a. M., wo auf den 1756 verstorbenen, eminent grtindliehen Talmudforscher R. Jacob Josua seit 1759 R* Abraham 9 Unter hebräischen Dokumenten nannte er sich stets עקיבא גינז מא*ש. 2) Das Geburtsjahr 1761/2 ist durch die Generaljudentabelle in Mk- Friedland amtlich festgestellt und ist demnach Kämpf (S. 1 u. 41) und der in der Chronologie unzuverlässige Lewysohn, auch Lewin u. a. zu berichtigen.