Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-12-11 · Heft 29 (11.12.1893) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 29 (11.12.1893)
Date
1893-12-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/1304829-3453273-3453302--3880-3458283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 29. Meine Chronik. Wien. Sonntag, den 3. December wurde im türkischisraelischen Tempel die Thronbesteigung Sr. Majestät des Kaisers und der Eingang des Chanukafestes durch einen solennen Gottesdienst festlich begangen, bei welcher Gelegenheit auch 50Jarme Kinder der türkischen Gemeinde mit hübschen Winterkleidern betheilt wurden. Der Feier wohnten bei: Der Vorstand der türkischen Gemeinde mit dem Vice-Präses Herrn Liceo Adutt, das Comite des ״Halbascha-Vereines", Herr Jaques M. Russo und Herr Isidor Farchy, Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch, Cultus-Vorsteher Dr. Marcus Spitzer, viele Gemeinde- Mitglieder׳ und Gäste. Nach Anzünden des Chanukalichtes durch Ober-Cantor Bauer, der diese Function mit Chor und Orgelbegleitung vornahm, hielt Herr Director M. Groag eine warmempfundene und forinvollendete Festrede, die allgemeinen Eindruck hervorrief. Darauf folgte die Kaiserhymne und nachher recitirte Herr Ober-Cantor Bauer für die verstorbenen Stifter der Talmud-Thoraschule das Menucha-iieclioiia (Haschkawa) genannt. Mt Absingung des Jigdal durch den Tempelchor unter Leitung des Chordirigenten Löw it endete die schöne und erhabende Feier. Wien. (Ein junger Lebensretter beim Statthalter.) Vor Kurzem wurde über die muthige That des vierzehnjährigen, bei dem Uhrmacher Herrn Schick, Circusgasse Nr. 11. in Lehre ׳ stehenden jüdischen Lehrjungen Ignaz Spiegel berichtet, der mit , Gefahr seines eigenen Lebens einen siebenjährigen Knaben vom Tode des Ertrinkens gerettet hat. Dem wackeren jungen Lebensretter war für seine Heldenthat von dem Statthalter die gesetzliche Lebensrettungs-Taglia im Bettage von fl, 26.25 zuerkannt worden und in der betreffenden amtlichen Zuschrift hieß es: ״Sr. Excellenz der Herr Statthalter hat mich beauftragt, Ihnen die volle Anerkennung für Ihr bei diesem Anlasse in so erfolgreicher Weise bethätigtes muthiges, entschlossenes und aufopferungsvolles Eingreifen auszusprechen." Sonntag um 12 Uhr Mttags wurde nun der junge Lebensretter vom Statthalter Grafen Kielmansegg in Audienz empfangen. Der Statthalter ftagte den Knaben, bei wem er so gut schwimmen gelernt habe,, worauf derselbe mit lauter Sümme erwiderte: ״Excellenz, das habe ich von selbst gelernt und bin dennoch ein sehr guter Schwimmer." Der Statthalter reichte darauf dem Knaben die Hand und sagte: ״Ich danke Ihnen hiemit nochmals persönlich für ihre Heldenthat und für ihre kühne Rettung des Ernst Schenkirsch und spreche Ihnen nochmals meine besondere Anerkennung für Ihr erfolgreiches, muthiges, entschlossenes und aufopferungsvolles Eingreifen bei der Lebensrettung aus. Bleiben Sie immer so brav, tapfer und edelmüthig, so werden Sie nicht nur Ihren lieben Eltern und Verwandten, sondern Allen, die Sie kennen, Freude machen. Ich werde Ihnen stets gewogen bleiben". Hierauf drückte der Statthalter dem kleinen Jungen nochmals die Hand, worauf Ignaz Spiegel, freudig bewegt, den Audienzsaal verließ. Die wirklich herzlich eindringliche Art und Weise, in welcher der hohe Staatsfunctionär dem tapferen Jungen seine Anerkennung und sein Lob aussprach, wird dem jugendlichen Lebensretter gewiss unvergesslich bleiben auf seinem weiteren Lebenswege — aus dem Jungen wird gewiss etwas Tüchüges werden. ״Hoch klingt das Lied vom braven Mann" im Dichtermunde, aber auch die Geschichte vom braven Jungen verdient die vollste Verbreitung. Wien. Montag den 4. Dezember ist der Führer der orthodoxen Juden in Wien, Herr Rabbiner Salomon Spitzer, im 70. Lebensjahre gestorben. Rabbiner Spitzer war ein Schwiegersohn des berühmten Preßburger Oberrabbiners Moses Sofer und wirkte durch 40 Jahre als Nabbiner der ״Schiffschulc". Wegen seiner hohen talmudischcn Gelehrsamkeit und seines strengen Konservatismus genoss er allgemeine Achtung und Werthschätzung. Bis zum Jahre 1872 war der Verblichene Mitglied des Wiener Rabbinates, zu welcher Zeit er jedoch in Folge mehrerer in den beiden Wiener Tempeln cingeführt-n liturgischen Neuerungen aus demselben austrat. Aus Sehnsucht nach dem heiligen Lande wollte Rabbiner Spitzerseine letzten Lebensjahre in Jerusalem beschließen, doch die göttliche Fügung hat es anders bestimmt. — Die Leiche wurde zur Beerdigung Mittwoch den 0. d. Mnach Preßburg überführt. Die Straßenlaternen in der Schiffgaffe waren angezündet und in und vor dem Hause hatte sich eine ungemein zahlreiche Trauerversammlung eingefünden. Nachdem der Schwiegersohn des Verblichenen, Rabbiner Kohn, dem Heimgegangenen Vater einen wehmuthsvollen Nachruf gewidmet, hielt Oberrabbiner Kuttner aus Eisenstadt eine Gedenkrede, die einen tiefen Eindruck hervorrief. Nahezu 200 Personen begleiteten die Leiche nach Preßburg, woselbst auch die Trauer um delt Dahingeschirdenen allgemein zum Ausdruck gelangte. Sämmtliche Geschäfte, an welchen der Leichenconduct vorüberzog, waren gesperrt und fast die ganze Gemeinde gab dem gelehrten Manne das letzte Geleite. Auf dem Friedhofe sprachen Oberrabbiner Schreiber aus Preßburg, Rabbiner Ehrenfeld aus Mattersdorf und Rabbiner Friedmann aus Deutsch - Kreutz, die mit überschwenglichen Worten die Verdienste des Dahingeschicdenen priesen. ',ת׳ נ' צ' ב' ף Wien. Unser hochgeschätzter Mitarbeiter, der ehrwürdige und verdienstvolle Herr Rabbiner Wollner in Wien, feierte am 10. Dezember das seltene Fest der goldenen Hochzeit mit seiner geliebten Gattin Anna, geb. Ländler. Das jubilircnde Ehepaar, das sich der vollsten geistigen und körperlichen Rüstigkeit erfreut. — Rabbiner Wollner ist 74 Jahre alt, seine Gattin 70 — wurde mit zahlreichen Ovationen bedacht, denen auch wir uns mit den herzlichsten und aufrichtigsten Wünschen anschließen. Wien. Samstag, den 10. Dezember Schabath-Chanuka, feierte Herr Mayer Scharr, Obercantor der neuen polnischen Synagoge, das Barmizwah-Fest seines Sohnes und hatten sich aus diesem Anlass außer dem Vorstande viele angesehene Mitglieder, College!: und Freunde in seiner Wohnung eingefunden. Der Confirmand hielt eine deutsche und hebräische Rede, welche vielen Beifall fand. Hierauf wurden mehrere Toaste gesprochen und auch der Hausherr dankte mit tiefbewegten Worten für die ihm seitens der Gäste erwiesene Ehre. Mehrere Gesangsvorttäge der anwesenden Meschorerim wurden sehr beifällig ausgenommen. Nest. Am 13. November ist die Gemahlin unseres hochverehrten Vereinsvorstandes, des Herrn Jacob König, Schlosser- Meisters, nach langen, schweren Leiden in ein besseres Jenseits hinübergegangen. Eine 18011011 cliascliuwoli im vollsten Sinne des Wortes, eine treue Gattin, eine aufopfernde Mutter ist dieselbe viel zu frühe im 47. Lebensjahre den Ihren, sowie den Armen, deren sie sich stets thatkräftig angenommen, enttissen worden. Nach Beendigung der üblichen liturgischen Leichenfunctionen, welche der Cantor und Religionslehrer Herr Josef Ritter mit seinen Chorknaben versah, hielt Herr Rabbiner Dr.. Schächter aus Horn einen tief ergreifenden Nachruf, der alle zahlreich erschienenen Trauergäste zu Thränen rührte. Die entseelte Hülle wurde zur ewigen Ruhe nach Znaim überführt, wo Herr Cantor Holzer eine warm empfundene Grabrede sprach. Der Allmächtige tröste den schwergeprüften Gatten und seine Kinder.'ת׳ ל צ' ב' ה Sftzüttenhofen. Nach beifällig aufgenommenem Probevorttage ist hier Herr Dr. Josef W o h lst e i n mittelst Acclamation zum Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde gewählt' worden. Malatzka. Dienstag, den 28. November fand hier die Trauung des Herrn L. Bein, Cantor in Gödöllö, mit der Tochter des hiesigen beliebten und geschätzten Cantors Herrn Rosenstein statt. Die ganze Gemeinde hatte sich im Tempel eingesimden. Den Trauungsakt vollzog der Rabbiner Dr. Pisko, welcher eine sehr schöne und gedankenreiche Rede hielt. Den gesanglichen Theil der Function versah ein Quartett, bestehend aus den Herren Cantor Schreiber, Cantor Klein, Cantor-Candidat A. Perlzweig und Tenorist Weis, welche in collegialer Freundschaft aus Wien hieher gekommen waren. Die Trauungsgesäuge wurden sehr exact und wirkungsvoll zum Vorttage gebracht. Als Cantor fungirte H. Schreiber, ftüher 1. Cantor in Klausenburg, als Chordirigent der talenürte Herr Perlzweig. Bars Toxolya, 5. Dezember. Gestern hat sich Fräulein Johanna Weiß, Tochter unseres beliebten Ober-Cantors Heinrich Weiß, mit Herrn Sigmund Deutsch, Lehrer und Gemeindenotär zu Topolya, verlobt. Fünfkirchen. Durch den Secretär der Fünfkirchener Cultusgemeinde, Herrn Gabriel Weiß, erhalten wir im Aufttage des Vorstandes nachfolgende Zuschrift, der wir bereitwilligst in unserem Blatte Raum geben: Geehrter H err Redacteur! Hiedurch werden Sie höflichst ersucht, die in Nr. 28 ihres geschätzten Blattes vom 1. d. M. publicirte Nachricht aus Fünfkirchen in der nächsten Nummer der österreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung folgendermaßen zu berichttgen: Es ist unwahr, dass die Minorität der hiesigen Gemeinde anlässlich der Wahl des Herrn I. Rosenbaum zum Ober-Cantor beschlossen hat, den Tempel zu meiden und ihre Andacht in einem Privatlocale zu verrichten. Wahr ist vielmehr, dass die Mnorität einen solchen oder ähnlichen Beschluss weder fasste noch fassen will, sondern,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.