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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-01-21 · Heft 3 (21.1.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 3 (21.1.1893)
Date
1893-01-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gestsrreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 3. eifrig mit hebräischen Sprachstudien. Auch hochstehende Staatsmänner wendeten dem Hebräischen Aufmerksamkeit zu, so der ׳ Holländer Hugo Grotius und der Engländer Johannes Selden. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. Der Borstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hatte in Folge der Zuschrift des Herrn Wilhem Ritter v. Gutmann, dass er seine Welle als Präsident dieser Gemeinde niederlege, einstimmig beschlossen, demselben durch eine Deputation dm wärmstm Dank und die vollste Anerkennung für seine hervorragenden Verdienste ausdrückm zu lassen, ihm das lebhafteste Bedauern über feinen Rücktritt auszuspr:׳Herr und ihn zu ersuchen, die Demissiön zurücknehmen zu wollen. Herr v. Gutmann erklärte der Deputation, aus vielen Gründen die Demission nicht zurücknehmm zu können, wol aber wolle er auch ferner Vorstandsmitglied bleibm, was vom Vorstande in seiner jüngsten Sitzung beifälligst zur Kenntnis gmommen wurde. — Bei Niederlegung des Präsidiums hat Herr Wilhelm Ritter v. Gutmann an den Vorstand ein Promemoria gerichtet, aus welchem wir einige Stellen, welche die jetzt allgemein ventilirten Cultusfragen erörtern und darum besonderes Interesse erwecken, mittheilen: ״Vor 30 Jahren habe ich als Tempelvorstand veranlasst, dass der Chor, insbesondere in der Leopoldstadt, auf der Galerie placirt werde, und weiß ich nicht, warum derselbe wieder herunter kam. Es ist Letzteres mtschiedm weniger ästhetisch und konnte nur in dem kleinen Tempel in der Seitenstettengasse gutgeheißen werden. Es wurde damals hier dem Chore weniger Bedeutung beigelegt uud darum konntm auch die Sopraystimmen anstandslos durch Knaben vertreten werden.... Anders verhält es sich aber jetzt, und namentlich im großm Tempel in der Leopoldstadt... .Ich habe mich bei dem Öberrabbiner Dr. Jellinek, Rabbiner Dr. Wolf und den Lectoren Weiß und Friedmann versichert, dass ein gemischter Chor anstandslos gestattet ist ... Rabbiner Dr. Wolf hat nur die Bedingung gestellt, dass darauf geachtet werden müsse, dass nicht etwa Frauen, die nicht ganz comme il faut sind, zu dem Gefange zugelassen werden, was ja doch selbstverständlich ist. Ich kann mit vollster Bestimmtheit die Ueberzeugung aussprechen, dass weim die zwei bedeutendsten Gelehrten und orthodoxen Rabbiner, der selige Rabbi Moses Sofer, Rabbiner zu Preßburg, und der selige Landesrabbiner von Mähren, Rabbi Abraham Placzek, aufstünden und wir ihnen unsere neugetroffenen Einrichtungen vorweisen würden, sie dieselben auch nicht im Geringsten beanständen müssten, ich bin im Gegentheile sicher, dass sie sie ganz ihren Intentionen entsprechend finden würden..." Wien. Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann ist vor einigen Tagen an einer schweren Influenza erkrankt und musste Herr Professor Notbnagel als Consiliarius berufen werden. In dem Befinden des׳ Paüenten soll gestern eine ג leichte Besserung eingetreten sein. Wien. Vor 25 Jahren hatten sich unter der Aegide des mitllerweile verstorbenenen Gemeinderathes Johann Kropf einige jüdische Hausirer zusammengethan zur Gründung eines Vereines, der ihnen in Tagen der Not und Krankheit gegenseitige Hilfe und Unterstützung bringen zsollte. Aus so kleinen Anfängen entwickelte sich der Verein ״Eireseck sckel emmes", der heute, Dank der Umsicht des Vorstandes, namentlich des unermüdlichen Präsidenten, Herrn Leop. Fried, alle Berufsklassen umfasst und zu den hervorragendsten Kranken-Vereinen Wiens gehört. Sontag, den 10. d. M., um 6 Uhr Abends versammelten sich die Mitglieder desselben und zahlreiche Gäste zur Feier des 25jährigen Bestandes im Tempel in der Seitenstettengasse.Nach einem Festgesang mit Harmoniumbegleitung, ausgeführt vom Obercantor Singer und dem Chorpersonale, hielt der Prediger Dr. Wolf eine erhebende Festrede, worauf das ״Menucha-Nechonah-" und das Kaddisch-Gebet als Seelen-Andacht für die verstorbenen Mitglieder folgten. Den zweiten Theil des Programmes bildeten: ein Lied, componirt vom Obercantor Singer, der 133. Psalm, und zum Schlüsse das ״Alenu". Es war eine wahrhaft erhebende Feier, mtsprechend dem Abschlüsse eines Vierteljahrhunderts eifrigen Wirkens dieses Humanitären Vereines. Und auch die Veranstaltung dieser Feier zeigt von dem regen Eifer seines Vorstandes, der Herren Leop. Fried, I. Mittler, Mich. Fleischmann und Siegfr. Beer, für die Vereinsinteressen,-und es sei im Namen der von diesem Verein unterstützten Armen in erster Linie diesem Vorstande der Dank ausgesprochen. — Die Feier war von zahlreichen Gästen, worunter nebst den Vereinsmitgliedern auch Deputationen vieler humanitärer Vereine, so auch die Herren Reichsrathsabgeordneter Dr. I. S. Bloch, Baurath Stiaßny, Director Arnold Marek, Herr B. Kanitz, Präses des Gaumel- Chesed-Vereines, Herr S. Heit und viele hervorragende Persönlichkeiten zu sehen waren, besucht. Kttttenplarr, im Jänner 1893. Den 3. d. M. brach in der Orgel- und Harmoniumfabrik der Firma I. Tuöek ein Brand aus. Dem Muthe und energischen Eingreifen des Militärs ist es zu danken, dass derselbe keine größeren Dimensionen annahm. Den! Fabriksgebäude gegenüber. liegt die Kaserne des 21. Infanterie- Regiments. Kaum bemerkte d2r wachehabende Hauptmann Franz Ritter von Weiss die Gefahr, als er auch schon mit Lieutenant Edlen von Godlewski und der Mannschaft zur Hilfe herbeieilte. Durch Qualm und Flammen drangen die Wackeren in die Nähe des Feüerheerdes. Hauptmann v. Weiss hätte bei den! Rettungsversuche beinahe das Leben eingebüßt. Nicht minder war die Mannschaft bedroht. Der durch den Frost eingetretene Wassermangel und das matte Eingreifen seitens der autorisirten Nettungsanstalten erschwerten das Rettungswerk. Nach sechsstündiger Arbeit gelang es das Feuer zu localisiren. Es waren glücklicherweise nur Holzvorrähte verbrannt. Die Fabrik ist intact geblieben und die Arbeit hat keine Unterbrechung erlitten. Chlrrmetz. Jedes Land hat wohl seine eigenen Sitten und Gebräuche, jedoch darin stimmen alle Länder, ja alle Städte und Dörfer überein, dass sie viele Personen a 1a Schönerer, Vergani, Schneider, Lichtenstein, Lueger aufzuweisen haben. Als Beweis dessen diene folgende antisemitische Heldrnthat: Vor zwei Jahren wurde der hier seit vielen Jahren ansässige Herr Med. Dr. Carl Stein, . Stadt- und Bahnarzt, zum Districtsarzte ernannt, jedoch nur provisorisch, obwohl ein zweiter hiesiger Arzt sogleich definitiv ernannt wurde. Bevor jedoch das Provisorium abgelaufen war, kam ein dritter Arzt (Christ) hieher, der erst seine Studien vollendet hatte. Sogleich befasste sich die Mehrzahl der Mitglieder des Bezirksausschusses damit, Herrn Dr. Stein, der sehr verdienstvoll gewirkt hatte, zu degradiren und den dritten jugendlichen Arzt zum Districtöarzte zu emennen. Gesagt — gethan. Herr Dr. Stein wurde seines Dienstes enthoben, letzterer eingesetzt. Jedoch recurrirte unser braver jüdischer Doctor beim Landesausschusse und gewann den Prozess. Nicht genug daran, — der Bezirksausschuss recurrierte beim Verwaltungsgerichtshofe. Vor einigen Wochen nun fand daselbst die Sitzung statt, wobei das Nrtheil gefällt wurde, es liege gegen Herrn Dr. Stein nichts vor, da er stets seine Verpflichungen und Obliegenheiten treu und gewissenhaft erfüllt habe, er müsse daher sofort in sein Amt eingesetzt, zum definitiven Districtsarzte ernannt werden. Dies half endlich, und so haben wir hier unseren braven jüdischen Distriktsarzt. Es sei noch hervorgehoben, dass der löbliche Bezirksausschuss als Belohnung für sein Vorgehen für das verflossene Jahr vielleicht zwei Doctoren werde zahlen müssen. Budapest. Am 22. d. M. findet in der Nombach-Synazöge die Trauung des Fräulein Berta Bachmann, Tochter des verehrten Collegen Obercantor Jacob B a ch m a n n, mit Herrn Sandor Steinfeld statt. LiPto-Szt.-MiAos. Obercantor Schwalb, der sich hier großer Beliebtheit erfreut, ist in der Sonntag den 8. d. M. stattgehabten Generalversammlung definitiv angestellt worden. Berlin. An Stelle des nach 02jähriger Amtsthätigkeit in den Ruhestand tretenden Professor L. Lewandowski ist Herr Capellmeister Kellermann, bisher in München, zum Chordirigenten gn,der neuen Synagoge in Berlin gewählt worden. Berlin, 7. Jänner. Die heutige ״Volks-Zeitung" schreibt: Zu einer Loyalitätskundgebung hat es der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde nun doch noch gebracht. Allerdings hat er dieselbe nur in lapidarischer Kürze und nur indirect, und zurar

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