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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-10-09 · Heft 35 (9.10.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 35 (9.10.1882)
Date
1882-10-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Flügelschlag einer für seine Glaubensgenossen glücklicheren Zeit — er vernahm den Weltenrus nach Freiheit und wußte, daß der heißersehnte Moment der endlichen Befreiung Israels mit Riesenschritten herannaht— darum war es sein einziges Streben, auch das jüdische Gotteshaus, den jüdischen Gottesdienst besser, zeitgemäßer zu gestalten. — Kaum ward das vom glorreichen Kaiser Franz erlassene Gesetz (die Erlaubniß zum Ankäufe von Haus und Boden seitens der Juden) veröffentlicht — ging man in Wien schon daran, das alte Betlocal der Juden niederzureißen und ein neues, freundliches aufzurichten, - Wohl mögen die damaligen Edlen Israels alles Erdenkliche geleistet haben um dem Judenthum und der Nachwelt in diesem allerersten Synagogenbaue ein würdiges Denkmal ihrer Kämpfe und Bestrebungen für die geschichtliche Entwickelung des öfterreichischen Judenthums zu überliefern — aber gewiß hat keiner das Fortschreiten des stattlichen Gebäudes, (wie es noch heute in der Seitenstettengasse besteht) herzlicher beobachtet, wie M . . . . — Das neue Haus, den damaligen Verhältnissen entsprechend, prachtvoll ausgestattet stand 1826 fertig und M . . . . fühlte nur zu sehr, daß seine gesanglichen musikalischen Fähigkeiten den Anforderungen des modernen Geschmackes nicht entsprechen. Seine religiöse Anschauung fand ja ihren Ausgangspunkt im Nikolsburger und Prager Ghetto, deshalb war seine Art des Vorbetens auch die klagende, ängstlich stehende — die Lamentation. — Das moderne Judenthum, dem ein Heller glückverheißender Befreiungsmorgen bereits entgegen zu dämmern begann — fühlte sich zum Danke veranlaßt — verlangte demnach Jubelhymnen und Freudengesänge. Deshalb müssen wir es anerkennend verzeichnen, mit welch' hohem Grade von Selbstverläugnung und Hintansetzung seines eigenen Interesses es M . . . . begrüßte, daß die Vorstandschüft für die Verherrlichung des Gottesdienstes durch Wort und Ton, die der Judenschaft genügend bekannten Männer hieher berief und wir glauben dieser Opferfreudigkeit M ... .'s am besten Ausdruck zu verleihen, wenn wir seine, diesen Gegenstand betreffenden, eigenen Worte anführen. Am Schluffe seiner kurzgefaßten Selbstbiographie schreibt er: ונבנתה ב״ה״ב מחדש לשם ויתהלה, לכבוד ולתפארת ותקנו אותה בכל מיני תקון ויופי, להתפלל שם במקהלות, ולשורר בשירה המרה — וישימו עליהם איש אשר נתן לו הי לשין למודים ושפה ברורה (Mannheimer) ולמטה ממנו עומד המנגן להתפלל (Sulzer) ועליו הנערים המשוררים, מלובשים בגדי עבודה (Chor) נם אותי זכרו לטובה לעמוד על משמרתי ערב ובוקר ובו/ Er fand seine Genügt huung nicht in der Befriedigung seines Sänger-Ehrgeizes, sondern in der endlichen Verwirklichung feiner heiligen Wünsche und begnügte sich mit dem Dienste am Morgen und Abend der Wochentage. Er wirkte nun bescheiden an der Seite Sulzers, bis er erblindet und schwach den jungen, strebsamen Adolf Fischer als Assistenten erhielt, um selbst dann noch, so oft es ihm möglich war, zum Tische des Herrn hinzutreten. So erblicken wir im Leben M . . . .'s ein rastloses Streben, — ein ewiges Sinnen und Trachten —, ein kontinuirliches Arbeiten an der Verbesserung der Institution feiner Glaubensbrüder, namentlich des Gottesdienstes und obgleich im Nachlaffe kein epochemachendes Buch feiner Gesänge von der hohen künstlerischen Bedeutung M ... .'s Zeugnis ablegt, so haben wir Cantoren dennoch aus seinen Bestre- Lungen ersehen, daß er ein bescheiden Blättchen der Erinnerung vollauf verdient. — Der Mann der emsigen Arbeit genoß die Früchte seiner Thätigkeit nicht einmal darin, daß er nur einen Tag die Wonne eines aus Knechtschaft befreiten Menschen genießen konnte; denn in demselben Jahre (1848) als er sein Toleranz-Patent bekommen sollte — starb er. — An seinen Sarge standen all die Edlen und Ritter des damaligen Judenthums bei seinem Leichenbegängnisse am 1. Jänner 1849 functionirten Manheimer, Sulzer und Fischer. Dr. ÄdoLs Zellinek.. Am Freudenfeste der Thora sind es fünfundzwanzig Jahre geworden, daß der Mann, dessen Name an der Spitze dieser Zeilen steht, zum ersten Male in der hiesigen Leopoldstädter Synagoge predigte und damit eine segensreiche und ruhmvolle Thätigkeit inaugurirte, die bis zum heutigen Tage andauert und zu Nutz' und Frommen unserer Glaubensgenossen hoffentlich noch lange währen wird. Wer in Oesterreich und noch weit, weit über die Marken dieses Staates hinaus, kennt nicht Adolf Jellinek? Wenn der oft gebrauchte und noch öfter mißbrauchte Satz ,,Per aspera ad astra“ auf irgend Jemand Anwendung findet, so ist es der berühmte Prediger und hochverehrte Kanzelredner der Wiener Gemeinde. Rauh und unfreundlich war die Jugend Jellinek's, als Knabe schon mußte er den harten Kampf um's Dasein kämpfen, durch Unterrichtgeben sich das kärgliche Brod verdienen. Aber durch seine seltenen, ja blendenden Geistesgaben rang er sich nach und nach zu jener hohen Stufe empor, die er heute einnimmt. Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, eine ausführliche Biografie Jellinek's zu geben, wiewohl es einen hohen geistigen Genuß gewährt, solch' ein bedeutungsvolles Menschenleben, das soeben ein Vierteljahrhundert voll hervorragender Wirksamkeit abgeschlossen, zu überblicken; aber eine Würdigung seiner Verdienste, seine hohe Bedeutung als Gelehrter und seine eigenartige Individualität als Kanzelredner dürfte unseren verehrten Lesern gewiß nicht unwillkommen sein. Daß Jellinek einen hervorragenden Antheil an der Reformbewegung im Judenthume hat, ist eine allgemein bekannte Sache; es dürfte wenige geben, die so unmittelbar auf ihre Glaubensgenossen einzuwirken verstanden, als er und in der That ist es ihm gelungen, viele unserer religiösen Anschauungen zu läutern und zu klären. Eine Achtung gebietende Thätigkeit entfaltet aber Jellinek auch als Gelehrter und er gehört mit zu jenen vielen, dem Schooße des Judenthumes entsprossenen Männern, ja er steht in der vordersten Reihe Derjenigen, deren Geistesarbeit hoch über confessionelle Unterschiede steht; Literatur, Wissenschaft und Kunst zählen sie in gleicher Weise zu ihren Vertretern. Schon in seinem zartesten Kindesalter.war Jellinek orientalischer Sprachen mächtig und diese blieben neben den classischen Sprachen und der Philosophie seine Lieblingsstudien bis auf den heutigen Tag. Als Orientalist besitzt Jellinek einen ausgebreiteten Ruf und seine Schriften, deren er zahlreiche publicirt hat, werden von der Fachkritik als Ergebniß umfangreichen Wissens, gründlichen Forschergeistes und nicht gewöhnlichen Scharfsinnes bezeichnet. Wir wenden uns nun zum Prediger Jellinek und sind damit bei der eigentlichen Aufgabe dieses Artikels

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