Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 35 (9.10.1882)
- Date
- 1882-10-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 angelangt. Daß Jellinek der hervorragendste jüdische Kanzelredner unserer Zeit ist, bleibt eine unbestrittene Thatsache. Wo in der Welt gibt es noch einen Mann, der durch den Zauber der Sprache, bezwingende Krafr der Logik, plastische Formvollendung und rhetorische Einheit so mächtig ans sein Auditorium einzuwirken versteht, als Jellinek? Und nicht nur auf seine Glaubensgenossen allein, sondern auf Jedermann, dem es auch nur durch Zufall gegönnt, diese unvergleichliche Rednergabe zu bewundern, übt dieselbe einen tiefen Eindruck aus. Man kann sagen, daß er der Schöpfer eines eigenen Systems von Predigten geworden ist, das sich allerdings nicht gut definiren läßt; allein Eines ist es, das fast alle seine Predigten wie ein rother Faden durchzieht — die Politik. Und an dieser Stelle sei gleich erwähnt, daß er lange noch, bevor er das Predigeramt antrat, seine Glaubensgenossen muthvoll gegen allerlei Angriffe und Verhetzungen vertheidigte. Vor allem anderen jedoch ist Jellinek der populäre Redner, der seine Vorträge den Bedürfnissen und dem Verständnisse seiner Zuhörer anzupassen versteht und i mmer bestrebt ist, das Judenthum als eine besonders den Forderungeil der modernen Anschauungen entsprechende Religion zu schildern. Er ist auch hierin das Prototyp eines aufgeklärten Theologen. Seine Predigten sind vollendet in der Form, reich an Gedanken und Ideen und auch durch seine äußeren Eigenschaften erscheint er wie prädestinirt zu seinem hohen Berufe. Im Besitze eines sonoren, ungemein modulationsfähigen Organes, das sich manchmal bis zum dramatischen Effect steigert, durchdringt es die weiten Räume des Gottes- Hauses das bei seinen Predigten jedesmal bis in die entfernteste Ecke gefüllt ist. Und wie andächtig lauscht das Auditorium, welch' lautlose Stille ist über den ganzen Raum ausgebreitet! Wir staunen über die Fülle der herrlichen Gedanken, wir sind begeistert durch diese heiligen Lehren. Wir sprachen früher davon, daß sich durch fast alle Reden Jellineks die Politik zieht, also ein nicht unmittelbar religiöser Gegenstand. Er weiß aber denselben seinen Zuhörern eingehend und belehrend nahezulegen und thut dies immer mit dem letzten Zwecke, das Judenthum in die modernen Culturverhältnisse einzuführen. .Selbstredend haben seine Predigten auch eine ethische Seite. Ein genauer Kenner, ein Nichtjude, und richtiger Beurtheiter seiner Predigten, fällt folgendes, nach unserer Meinung vollkommen zutreffende Urtheil über den sittlichen Theil derselben: ״Seine (Jellineks) Moralgrundsätze sind einfach; er vermeidet engherzige, traditionelle Anschauungen, sucht wahre sittliche Menschen heranzubilden, welche ohne das Gepräge ihres ererbten Glaubensbekenntnisses zu verlieren, doch mit einer gewissen, inneren Unabhängigkeit sich in alle Lebensverhältnisse zu finden wissen. Jellinek findet dabei immer Gelegenheit, aus dem reichen Schatze der althebräischen Geschichte und Poesie Belehrendes, selbst Erheiterndes einzuflechten. Jeder Vortrag ist gleichzeitig erhebend und fesselnd und vereinigt die characteristischen Eigenschäften der Fest- und Gelegenheitspredigt, des gottesdienstlichen Vortrages mit fortlaufender, man könnte sagen, academischer 1 Schulung. Dt. Albert K . . . . Nachstehender Mischeberach wurde in Folge einer Aufforderung von Seite des ObercantorsJ. Singer von dem Vorstandsmitgliede der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Herrn Emanuel Baumgarten dem Herrn. Dr. Adolf Jellinek zu seinem 25jährigen Jubiläum gewidmet und von dem Obercantor I. Singer in kunstvoller und wahrhaft erhebender Weise bei der Jubiläumsfeier im Tempel vorgetragen. Unmittelbar vor dem Vortrage überreichte Herr Obercantor Singer eine Abschrift desselben in eine/prachtvoll ausgestatteten Mappe dem Jubilar. Da wir vorausfetzen daß diese schöne Arbeit für unsere Leser von großem Interesse ist, so bringen wir es im Folgenden zum Abdrucke: מי שברך אבותינו אברהם יצחק ויעקב משה ואהרן ונביאינו וסופרינו וחכמינו, הוא יברך את מורה מורינו הרב רבי אהרן יעללינעק ב; רבי יצהק הודה הראשון לראשונים מדרשני בתי הכנסיות. העומד על משמרת הקדש בעדתנו היום הזה זה המש ועשרים שנה׳ לדרוש ברבים מה יי שואל מעמנו׳ ללמד בישראל הק ומשפט׳ להכות בשבט פיו מנדינו ומלשיניג/ להרים קרן ישראל וכבוד שמו בקהל רב׳ להשפיל עינים דמות ולאמין ברכים כושלות. הוא הכין לבבו לימד בית ועד לדורשן התורה ולומדיה, להגדילה .ולהאדירה׳ לדרוש ולחקור בדברי הכמינו אשר על פיהם אנו חיים׳ ולשמוע בלמודים מפרש ושום שכל. הוא עשה ספרים רבים . להאר עינינו בתורת יי׳ לגלות עמוקותיה.ולחשוף מסתריה׳ ולהאיר אור גדול להולכים בחשך. זכרה לו אלהים לטובה. יקום ליה סיעתא דשמיא ובריות גופא ונהורא 'מעליא והיי אריכי. ויקוים בו: והשביע בצהצחות נפשך, ועצמותיך יהליץ, והיית כגן דוה וכמוצא מים אשר לא יכזבו מימיו. כן יהי רצון ונאמר אמן, אמן ואמן. Ms Israels Vergangenheit. Culturbild aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts ' oon S. M o d l l n g e r. (Schluß.) ״So sprechen die Gottesleugner, trotzdem es bewiesen ist, daß der Sohn Asai's, der im Himmel drin war, mit eigenen Augen gesehen, wie das Räderwerk und die heiligen Thiere einen Tanz, von himmlischer Musik begleitet, den Seraphim gegenüber in Scene setzten. Dieser Blick hat ihm zwar das!?SPSS‘?