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Die Welt · 1913-04-11 · 15 (11.4.1913) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 465 die^elt Ordnung wieder herstellen, und das gelang ihr um so schneller, als das verlorene Kind sich bald wieder heil einfand. Der griechische Schmiedegeselle wurde verhaftet. Kleine Nachrichten Die Verwaltung des „Roten Halbmondes“ hat dem Großrabbinate für das herannahende Pessachfest 200 türkische Pfund zugunsten der Kriegsgeschädigten überwiesen. In Smyrna ist am zweiten Tage Purim der Grundstein zu einem jüdischen Krankenhause gelegt worden. Der Wali selbst hat diesen feierlichen Akt vollzogen. In derselben Stadt ist ein neuer jüdischer Klub für die Pflege der Körperkultur entstanden, von dessen Tätigkeit für die Smyrnaer Jugend viel erwartet wird. Die Umwandlung der „Jewish World64 (Von unserem Berichterstatter.) London. Ein zionistisches Ereignis, das auch allgemeines Interesse beanspruchen kann, ist die Uebernahme der „Jewish World“ durch ihr englisch-jüdisches Bruderblatt, den „Jewish Chronide“. Die „Jewish World" wird noch selbständig erscheinen, aber sie wird wohl kaum mehr als eine Beilage zum „Jewish Ghronide“ darstellen. Die Geschichte der „Jewish World" reicht bis zum Jahre 1S73 zurück, aber die letzten 7 Jahre waren die ereignisreichsten. Sie wurde früher von Mr. John Raphael, mit dem Dr. Herzl freundschaftliche Beziehungen unterhielt, redigiert. Obwohl nicht ausgesprochen zionistisch, war diese Wochenschrift uns gut gesinnt, aber ein Syndikat, das dann die Zeitung übernahm, übergab die Leitung an Luden Wolf, der sich durch eine besondere Abneigung gegen den Zionismus ausgezeichnet hat. Mr. Wolfs redaktionelle Tätigkeit war aber in finanzieller Hinsicht wenig glücklich, und eine Anzahl anderer Redakteure, die ihm folgten, konnten die Konkurrenz mit dem älteren und besser eingeführten „Jewish Chronide" nicht durchführen. Immer aber blieb die „Jewish World" der zionistischen Bewegung mehr oder weniger feindlich gesinnt, obwohl seit zwei Jahren eine besondere Abteilung, „Our Foreign Letter", von einem Zionisten geschrieben wird, die unlängst einen warmen Appell für den Jemenitenfonds brachte. Glücklicherweise wird der „Jewish Chronide", dessen Redaktion in den bewährten Händen unseres Gesinnungsgenossen L. J. Greenberg ruht, in zionistischer Richtung geleitet, und wir können zufrieden sein, daß nunmehr auch das andere englisch-jüdische Wochenblatt unsere Sache befürworten wird. Judenhaß und Armenpflege in Wien (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Die Spenden jüdischer Wohltäter, die zur Verteilung an Arme „ohne Unterschied der Konfession" in die Wiener Gemeindekasse fließen, sind wahrlich nicht gering. Die Juden bauen Spitäler für Leidende „ohne Unterschied der Konfession", übergeben sogar dem antisemitischen Bürgermeister ihren kostbaren Privatbesitz samt Kunstschätzen (wie erst jüngst den Wertheimsteinpark) und zahlen schließlich auch tüchtige Steuern. Gegenstück: Ein armer, altersschwacher jüdischer Hausierer, ein gebürtiger Wiener, steht vor der Delogierung und muß sich entschließen, den amtlich bestellten, christlichsozialen Armenrat aufzusuchen. Viermal macht er den Leidensweg, bis er vorgelassen wird. Die sechs Kronen, die er zur Miete benötigt, erhält er nicht. Aber dafür beschimpft der Herr Armenrat den gebrechlichen Greis, bedroht ihn tätlich und weist ihm mit den Worten: ,,H inaus Sie Jud’, kommen Sie mir nicht mehr da herein!“ die Türe. Das liebliche Bild aus dem Wiener christlichsozialen Kulturleben wäre, wie so viele andere Fälle roher Behandlung armer Juden, unbekannt geblieben, wenn es nicht den Weg über den Gerichtssaal in die Oeffentlichkeit gefunden hätte. Jetzt haben die freisinnigen, vor allem aber die jüdischen Gemeinderäte das Wort. Ein Gemeindefunktionär im Ehrenamte, ein „Armenvater", der seinen ihm anvertrauten „Pflegling" wegen seines Judentumes beschimpft, darf nicht im Amte sitzen. Die Angelegenheit ist zu wichtig, als daß man sie mit fatalistischem Achselzucken abtun dürfte. Heraus „Donauklub"' und „Freiheitlich-sozialer Verein", „Wirtschaftsbund" und „Fortschrittsfreunde", die Sache der Freiheit, des Fortschritts und der Menschlichkeit wurde gröblichst verletzt! Zur Hilsner-Affäre ln der Hilsneraffäre sollen — wie verlautet — fortgesetzt neuerliche Einvernahmen gepflogen werden. Wenn nicht dunkle Mächte wieder alles vereiteln, dürfte in absehbarer Zeit die Revision des Prozesses endlich erfolgen. Fortschritte des Palästinagedankens in Böhmen (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Am 30. März hielt im Prager „Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheite n", einem der angesehensten Prager jüdischen Vereine, der zwar nur böhmischjüdische Interessen vertritt, aber auch den Zionisten gegenüber stets Takt bewiesen hat, der Wiener Rabbiner Dr. Max Grunwald einen Vortrag über „R eiseeindrücke aus dem neuen Palästin a". Er schilderte das erwachende nationale Leben in den Kolonien und Städten in anschaulichster Weise, vermied aber jeden Hinweis auf den Zionismus und die nationale Bewegung, die all dies geschaffen haben. Trotzdem freuen wir uns, daß durch seine liebevolle Schilderung das Interesse an allen Palästinabestrebungen bei der Prager jüdischen Bevölkerung unverkennbar gesteigert Auch die Jemeniten-Aktion, die hier ein rühriges neutrales Komitee, bestehend vor allem aus Mitgliedern der Benei Berith-Logen, in die Hand genommen hat, macht große Fortschritte. In Prag allein sind schon fast 10 000 Kr. gezeichnet. Auch in den übrigen Städten Böhmens wurden die Sammlungen energisch eingeleitet und manche kleine Gemeinde hat schon ihr Häuschen und mehr beigetragen. Erwähnenswert ist folgender Fall: In Komotau beging die „Chewrah Kadischah" ihr 20 jähriges Gründungsjubiläum; aus diesem Anlaß beantragte der Obmann des Vereins, Herr Jakob Hirsch, daß die Chewrah Kadischah ein Jemenitenhaus auf den Namen des Vereins spende. Der Antrag wurde unter begeistertem Beifall angenommen. Er sei zur Nachahmung wärmstens empfohlen. Die Aufklärung eines „Ritualmordes“ Die neueste Ritualmordaffäre, die die Bevölkerung Böhmens in Spannung hielt, hat glücklicherweise ihre Aufklärung gefunden. Die Leiche des am 7. März verschollenen Dienstmädchens Marie P a v 1 i k wurde am 5. April in der Elbe aufgefunden. Nach dem Verschwinden des Mädchens hat der Koliner Katechet P. Hrachovsky in der Prager klerikalen Zeitung „C e c h" die jüdische Familie, bei der das Mädchen bedienstet war, ganz offen des Ritualmordes bezichtigt. Trotzdem sich nun herausstellte, daß das Mädchen wegen eines Drohbriefes des Dr. Hrachowsky, mit dem sie früher ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, und wegen einer Auseinandersetzung mit ihrem jetzigen Geliebten, der von diesem Verhältnis Kunde erhielt, Selbstmordabsichten geäußert hatte und auch tatsächlich auf der Elbbrücke gesehen worden war, — blieb doch der Glaube an den Ritualmord im Volke wach.

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