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Die Welt · 1913-04-11 · 15 (11.4.1913) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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466 Nr. 15 Nunmehr wurde die Leiche der Pavlik von Arbeitern gefunden; die Elbe hatte sie an einer seichten Stelle ausgespült. Glücklicherweise sind an der Leiche außer kleinen Hautschürfungen keine Wunden bemerkbar. Die Obduktion wurde noch am selben Tage vorgenommen und hat unzweifelhaft ergeben, daß die Pavlik durch Selbstmord geendet hat. Wäre die Auffindung der Leiche nicht geglückt, so hätte dies für die jüdische Bevölkerung Kolins von unabsehbaren Folgen sein können. Die gewissenlosen Hetzer, allen voran der famose Katechet, sollten aber nun auch den Behörden übergeben werden, sofern Oesterreich noch als Rechtsstaat gelten will. Jedenfalls sollten die Juden energisch auf exemplarische Bestrafung dringen. Wie aus K o 1 i n unter dem 7. April gemeldet wird, wurde der Katechet Hrachowsky von seiner Vorgesetzten geistlichen Behörde nach einem kleinen böhmischen Orte strafversetzt. Die wirtschaftliche Krise in Ungarn (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Die seit dem Sommer des vorigen Jahres andauernde wirtschaftliche Krise, die sich von Monat zu Monat verschärfte, hat auch unter den ungarischen Juden große Verheerungen angerichtet. Betrifft doch eine jede wirtschaftliche Krise in erster Reihe den mittleren und kleinen Kaufmannsstand, unter dem sich in Ungarn viele Juden befinden. Die große Geldknappheit, die plötzliche Entziehung des Kredits, verursachte den materiellen Ruin von hunderten und tausenden dieser Juden, die selbst keine größeren Mittel besitzen, auf Kredit angewiesen sind und in normalen Zeiten gerade ihr Dasein fristen können. Die zugrunde gegangenen Geschäftsleute aus den kleinen Städten und Dörfern suchen nun in der Hauptstadt des Landes ihr Heil. Jedoch vergebens. Auch in Budapest brachte die wirtschaftliche Krise viele Kaufleute und Kaufmannsangestellte um ihren Erwerb. Diese und die aus der Provinz Hierherströmenden vermehren die Menge der Arbeitslosen, deren Zahl noch immer im Zunehmen ist. Und mit dem Wachsen der Zahl der Arbeitslosen wächst auch die Kriminalität. So wurden z. B. vom Juli 1912 bis zum 15. Februar 1913 wegen strafbarer Handlungen nicht weniger als 214 Agenten dem Gerichte überliefert, während es im ganzen Jahre 1911 nur 76 waren. In den letzten drei Quartalen hat sich die Zahl der wegen betrügerischer Geschäftsmanipulationen verhafteten Personen um mehr als 170 % vermehrt. Bisher unbescholtene Personen gerieten durch die materielle Bedrängnis mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt und in gar vielen Fällen war unverschuldete Not die Triebfeder der Vergehen. Leider sind die Juden in nicht unbeträchtlichem Maße an diesen Vergehen beteiligt und die Kriminalstatistik der Jahre 1912 und 1913 wird bei einzelnen Delikten für die Juden viel ungünstiger ausfallen, als in normalen Zeiten. Dies wird dann natürlich, wie vorauszusehen, von den Feinden unseres Volkes nach Kräften ausgenützt werden. Das Judenmotiv in der ungarischen Wahlrechtsfrage Wie allgemein bekannt, beherrscht die Wahlrechtsfrage seit Jahren das politische Leben Ungarns. Die Sozialdemokratie forderte, seitdem sie in Ungarn Fuß gefaßt hat, die Einführung des allgemeinen Wahlrechts, doch wurde diese Forderung der „Judensozi“ zuerst verächtlich beiseite geschoben. Die Sozialdemokraten gewannen aber mit der Zeit viel mehr nicht jüdische als jüdische Anhänger, wurden eine politische Macht und begannen vereint mit der radikal gesinnten Bürgerschaft aufs neue den Kampf. Jetzt wurde von den Machthabern geltend gemacht, daß man die Forderung der unter dem Einflüsse des internationalen Judentums stehenden Sozialisten und der jüdischen Freimaurer entschieden bekämpfen müsse, da deren destruktive Tendenzen den nationalen Charakter des Staates und die christliche Moral gefährden. Da aber die Notwendigkeit einer Wahlreform allmählich dennoch in der öffentlichen Meinung anerkannt wurde, übernahm das sogenannte Koalitions- Ministerium die Aufgabe der Durchführung der Wahlreform. Der Minister des Innern dieses Kabinetts, Graf Julius A n - drässy, unterbreitete einen Wahlgesetzentwurf auf Grundlage des Pluralitätsprinzipes. Der Entwurf scheiterte zum Teil an dem Einwand, daß das Pluralitätsprinzip nur den Juden Vorteile bringen würde. Als das Koalitionskabinett zurücktrat und die Regierung an die neugegründete Partei der nationalen Arbeit abtreten mußte, brachte die neue Regierung einen dritten Wahlrechtsentwurf ein. Weser Gesetzentwurf wurde vor kurzem mit einigen Modifikationen verabschiedet, nachdem er gleichfalls mit peinlicher Sorgfalt daraufhin untersucht worden war, ob der nationale und christliche Charakter des Staates durch ihn nicht zu leiden haben würde. Der ehemalige Justizminister des Koalitionskabinetts Geza Po 1 6 ny! veröffentlicht nun aber eine Studie „Ueber die Wirkung des dritten Wahlgesetzentwurfes auf die einzelnen Konfessionen“, in welcher er den Nachweis unternimmt, daß der Entwurf den Juden besondere Vorteile, den Katholiken hingegen große Nachteile bringe. „Die Vorlage ist daher,“ erklärt der ehemalige Justizminister offenherzig, „allein aus diesem Grunde auf das energischste zu bekämpfen.“ Wenn auch Polönyi in maßgebenden politischen Kreisen längst nicht mehr ernst genommen wird, so wird seine mit reichem statistischem Material belegte „Studie“ ihre Wirkung auf die christlichen Massen sicherlich nicht verfehlen und den Judenhaß vermehren helfen. Antisemitische Strömungen in politischen Kreisen Amerikas (Von unserem Berichterstatter.) New York. Nachdem im gesellschaftlichen und geschäftlichen Leben Amerikas seit geraumer Zeit ein ständig wachsender Judenhaß zu verzeichnen ist,'zeigen sich letzthin auch im politischen Leben der Vereinigten Staaten bedrohliche Anzeichen für einen fortschreitenden Antisemitismus. So brachten dieser Tage New Yorker Zeitungen die Aufsehen erregende Nachricht, daß der Republikaner-Klub der New Yorker Westseite künftig keine Juden mehr aufnehme. Diesem Klub gehörten bisher 20 jüdische Mitglieder an, die sich sämtlich eines hohen Ansehens erfreuten. Kürzlich nun empfahlen zwei dieser jüdischen Mitglieder zwei andere Juden zur Aufnahme in den Klub; ihre Namen standen mit denen von 25 nichtjüdischen Kandidaten auf der Abstimmungsliste, aber während die übrigen 25 einstimmig aufgenommen wurden, wies man die beiden jüdischen Kandidaten ab. Auf Befragen erklärte der Vorsitzende denn auch, daß eine Gruppe von Klubmitgliedern sich gegen die Aufnahme weiterer Juden sträube. Einige der bisherigen, dem Republikaner-Klub seit Jahren angehörenden Mitglieder sind infolgedessen ausgetreten. Archäologische Forschungen in Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Paris. Wie der „Temps“ berichtet, hat Baron Edmund Rothschild durch Vermittlung des Chacham-Baschi Haim N a - hum in Konstantinopel bei der türkischen Regierung um die Erlaubnis nachgesucht, in Palästina Grabungen vornehmen zu dürfen. Der „Reveil“ aus Beirut teilt nun mit, daß die Konzession hierzu seitens der Regierung erteilt sei. Derselben Zeitungsmeldung zufolge beabasichtigt Baron Rothschild, in Jerusalem ein Museum zu begründen, in dem alle die Geschichte der Juden in Palästina betreffenden Objekte vereinigt werden sollen.

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