Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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379 Sr. 12 DIE3&ELT innere Arbeit gelegt. Das Organisationsstatut sieht als oberstes Organ des Verbandes das „Zentralbureau“ vor. Zu dessen Mitgliedern wurden die Herren Dubinsky, Zeit- Iin, Rokach, Charasch, Gordon, Rosenblum und Kaplan gewählt. Der Sitzdes Zentralbureaus wird erst später von dessen Mitgliedern bestimmt werden. Eine der Hauptaufgaben des Zentralbureaus wird die Herausgabe des Verbandsorgans sein, als dessen Name von der Konferenz „Der jiddische Student“ vorgeschlagen wurde. Wie bereits berichtet, entspann sich bei der Beratung über die Sprache der Zeitschrift der Streit zwischen jiddisch und Hebräisch. Er ist durch ein Kompromiß beigelegt worden: der Nachrichtenteil des Organs wird in jiddischer Sprache erscheinen, in dem literarischen Teil sollen die Artikel in der Sprache der Verfasser, jiddisch oder hebräisch, abgedruckt werden. Die Kommission, die dem Plenum Vorschläge über die Organisierung der kulturellen Arbeit innerhalb des neuen Verbandes unterbreitete, hatte bei den Delegierten eine Umfrage angestellt, die in vieler Hinsicht interessante Ergebnisse brachte. Bemerkenswert ist u. a., daß in der großen Mehrzahl der auf der Konferenz vertretenen Städte Lesehallen mit reichem Zeitungsmaterial, meist in jiddischer Sprache, eingerichtet sind. In ihrer Mehrheit besitzen die Vereine auch eigene jüdische Bibliotheken. Um die wissenschaftliche Bearbeitung jüdischer Themata zu fördern, beschloß die Konferenz die Schaffung eines Unterstützungsfonds für Doktorarbeiten jüdisch-wissenschaftlichen Inhalts. Der Besserung der ökonomischen Lage der osteuropäischen Studenten sollen Unterstützungskassen dienen, die da zu gründen sind, wo eine allgemeine „russische“ oder „polnische“ Hilfskasse nicht besteht. Zur 'akademisch-gesellschaftlichen Frage nahm die Konferenz eine Resolution an, in der für den Kampf der osteuropäischen jüdischen Studenten gegen die Hetze der antisemitischen .Studentenschaften — besonders in Deutschland — die Unterstützung der national jüdischen Studenten Deutschlands in Anspruch genommen wird. Donnerstag Nacht wurde die erste Konferenz der nationaljüdischen Studenten aus Osteuropa mit einem gemeinsamen Bankett geschlossen. Oesterreich „Zehn Zionistenkongresse, Rückblick und Ausblick“ (Von unserem Berichterstatter.) W i e n. Der Verein jüdischer Hochschüler aus Galizien Bar Kochba veranstaltete einen Vortragsabend, bei welchem Adolf Stand dieses Thema in einem großzügigen Referate behandelte. Nach einer Schilderung der Vorarbeiten zum 1. Kongresse charakterisierte der Redner die bisherigen zehn Kon- Der XL Kongreß findet in einem Zeitpunkte statt, da unser Volk um eine bittere Lehre reicher wurde. Tausende jüdischer Kriegsopfer decken die Schlachtfelder Thraziens: der Lohn ist das traurige Schicksal des Judenzentrums Saloniki; den Brüdern in Silistrien droht die Gefahr, entrechtete Untertanen Rumäniens zu werden und bei den Londoner Konferenzen denkt niemand an das Schicksal unseres Volkes. Stand besprach dann die allgemeine Lage des Judentumes und zieht die Konsequenz, daß der bevorstehende Wiener Zionistenkongreß vor allem mit verdoppelter Energie für die Potenzierung der praktischen Palästinaarbeit wirken muß. Das überaus zahlreiche Publikum zollte Adolf Stand für den instruktiven Vortrag lebhaften Beifall. Für die Jemeniten Der Wiener Jemenitenabend fand Montag, den H*. März, statt. Herr Dr. Otto Abel es sprach über das Thema „Palästina und wir“ und Herr Dr. Georg Weiner schilderte unter Vorführung von Lichtbildern das jungjüdische Palästina. Die anschließende musikalisch-deklamatorische Akademie wurde von bewährten Kunstkräften bestritten. Sämtliche Mitwirkende (Erl. Sulamith Stein, Erl. Frieda Hell- ° r f, Herr Rudolf L a m p e 1 und Herr J. T o r c z v n e r) boien treffliche Leistungen. Mit einem stimmungsvollen leben- Tcn Bild, von Herrn Maler L. Krestin gestellt, schloß der Abend, um dessen Gelingen sich Herr Dr. Georg W eine r besonders bemüht hat. Schauturnen Die Wiener jüdische Turnerschaft veranstaltete zwei große turnerische Feste, welche ausgezeichnet besucht waren und von den erfreulichen Fortschritten der national jüdischen turnerischen Bestrebungen Zeugnis ablegten. Der 1. Wiener jüdische Turnverein hielt sein Schauturnen Sonnabend, den S. März, in den Sophiensälen, und der Jüdische Turnverein Fünfhaus am 15. März in Weigls Katharinenhalle ab. Palästinaarbeit (Von unserem Berichterstatter.) Lemberg. In der letzten Zeit veranstaltete die hiesige Verbindung „E m u n a h“ drei schöne Palästinaabende. Samstag, den 1. März, sprach Rabbiner Dr. Max Grunwald aus Wien über seine Palästinareise. Tags darauf sprach Dt. Grunwald über das heutige Jerusalem. Sonntag, am 9. März, sprach Gg. Josef Sußmann, ein gal irischer Student, der in Merchawja als Arbeiter lebt und jetzt bei seinen Eltern zu Besuch weilt, über seine Erlebnisse in Palästina. Czernowitz. Am 5. d. Mts., sprach auf Einladung des jüd.-akad. Vereins „Emunah“ der aus Palästina für kurze Zeit heimgekehrte jüdische Landarbeiter, Herr Sußmann, vor einem kleinen Kreise geladener Gäste über seinen Aufenthalt in Merchawja und über das Leben und die Verhältnisse in anderen Kolonien. Czernowitz. Der Obmann des Zionistischen Landeskomitees der Bukowina, Universitätsprofessor Dr. Leon Kellner, hat sich mit seiner Gattin für mehrere Wochen nach Palästina begeben. Kotzman. Am 1. März sprach hier Herr jur. Chaim Rosenblatt vor einem zahlreichen Auditorium über das Thema: „Der heutige Stand unserer Kultur.“ Ungarn Nachklänge des Makkabäa-Jubiläums (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Wie vorauszusehen war, hat die Feier des zehnjährigen Bestandes der Makkabäa als eine großartige Manuestation des zionistischen Gedankens gewirkt. Unsere Gegner erheben daher ein Wutgeschrei und überbieten alle ihre bisherigen Leistungen auf dem Gebiete der sogenannten „Bekämpfung“ des Zionismus. Es wäre dies eigentlich eine interne Angelegenheit der Juden in Ungarn, wenn nicht der Kampf Erscheinungen zutage förderte, die vor der jüdischen Öffentlichkeit festgenagelt werden müssen. So veröffentlicht der Redakteur der ungarischen Assimilanten-Zeitschrift, Max Szabolcsi — zu dessen Charakterisierung wir in diesen Blättern bereits einiges mitteilten — einen Artikel, der einen interessanten Einblick in das Seelenleben dieses Zionistenfressers gewährt. Die „Bekämpfung“ des Zionismus geschieht bei ihm folgendermaßen: Die Vertreter der zionistischen Leitung bei der Jubiläumsfeier waren die Herren W o 1 f f s o h n und Dr. Korngrün, folglich spricht das Assimilantenb’.att von den Herren „Grasgrün“ und „Blumensaft ‘, „Kornblau und Wait/.enfrucht“ und den übrigen „pollackischen Juden“. Wie geistreich! Ganz wie es sich für den „Magyaren“ Szabolcsi (ursprünglich Weinstein) geziemt, dessen Vorfahren ja auch über den Paß von Vereczkc (im Nordosten des Landes!) ins Land zogen, wie einst die tapferen Heerscharen Arpäds (jedoch um die Bagatelle von 900 Jahren später . . .). Es lohnt sich nicht, auf die Verdrehungen und Entstellungen im einzelnen einzugehen, durch die Herr Szabolcsi die Tätigkeit der Zionisten herabzusetzen sucht, doch wollen wir auf ihn und sein Blatt hinweisen, um einen Beitrag zur Charakteristik der israelitischen gelben Presse zu liefern. Holland Assen. Frl. Rosa Nathans hielt am Sonntag, 23. Febr., einen Vortrag über: „Die Judenfrage und Theodor Herzl.“ Deventer. Am 2. März sprach in einer kleinen Gesellschaft im Hause der Familie Cohen Herr E. V iss er über „Zionismus oder Itoismus“. IWeppel. Die Ortsgruppe Meppel hielt am 2. März eine öffentliche Versammlung ab, in der Gesinnungsgenosse J. Hertzberger einen Vortrag hielt. Groningen. Am Sonntag, 2. März, sprach Prof. Dr. L. S. Ornstein in Veendam-Wildervank über „Der Zionismus“. Die Gründung einer Ortsgruppe wurde vorbereitet.