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Die Welt · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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378 DIE&ELT Nr. 12 schreiben. Aber die Aeußerungen des Herrn Blumenfeld über die politischen Verhältnisse sind nicht richtig. In Basel war ich einer derjenigen im Permanenz-Ausschuß, die den Beschluß möglich gemacht haben, daß dem jetzigen E. A. C. die Leitung übergeben wurde. Wir haben das getan, um den Frieden in der Bewegung zu erhalten, obwonl. wir überzeugt waren, daß, wenn wir wollten, wir die Majorität des Kongresses hinter uns haben würden. Hätten wir allerdings im August vorausgesehen, daß im September der Krieg zwischen der Türkei und Italien ausbrechen würde, so hätten wir wahrscheinlich anders gehandelt. Nun standen wir aber vor der Tatsache, daß die Leitung, die auf das Programm der praktischen Arbeit in Palästina gewählt wurde, der politischen Arbeit wohl nicht gewachsen sein würde, deshalb schlugen wir die Einsetzung eines dreigliedrigen Komitees für die politische Tätigkeit vor. Es wird uns oft vorgeworfen, daß wir nichts Positives vorschlagen und nicht wissen, was wir wollen; der Vorschlag des dreigliedrigen Komitees hat den Weg klar vorgezeichnet, den wir gehen wollten. Nicht scharf genug können wir dagegen protestieren, daß in unserem offiziellen Organ, der „Welt“, der politische Zionismus in einer Weise behandelt wird, die auf vollkommene Nichtachtung unserer Ziele und Anschauungen hinausläuft. Die Differenz in der Auffassung, die zwischen Ihnen und uns liegt, ist nicht mit einem Worte zu sagen. Ihre Auffassung vom Programm differiert eben sehr stark von derjenigen der politischen Zionisten. Wenn Sie für Vertiefung und Verinnerlichung des Zionismus und für Opferwilligkeit agitieren, so steht eines fest, daß wir politischen Zionisten in Antwerpen auf diesem Gebiete nicht Zurückbleiben, sondern daß dies der Maßstab für unseren Zionismus ist. Herr M. D. Horowitz: Herr Blumenfeld habe über zweierlei Dinge gesprochen, die getrennt betrachtet werden müßten. Wo er von der Propaganda spricht, könne man ihm nur beipflichten, sofern die Erfolge tatsächlich so sind, wie sie Herr Blumenfeld geschildert habe. Aber mit seiner politischen Auffassung könne man sich keinesfalls befreunden. Herr Dembitzer: Es sei ein taktischer Fehler, das. Baseler Programm abzuschwächen. Kein Staat, der Kolonisation treibt, tut dies ohne Garantien. J. Eibenschütz ist ganz mit den Ausführungen des Herrn Torczyner einverstanden. Man unterbinde in Berlin jede politische Tätigkeit und dränge diejenigen zurück, die Initiative haben. Dr. Mirkin: Wenn Herr Blumenfeld den Zionismus nach der innerlichen Seite zu vertiefen suche, sei das sehr lobenswert, aber doch nur auf die westlichen Juden (anwendbar. Im Osten ist dies überflüssig, und hier handle es sich darum, die ganze Volksfrage zu lösen. Die praktischen Mittel genügen da nicht allein. Politik treiben, heißt alle Mittel anwenden, um zu einem Ziel zu gelangen. Die Leitung hat scheinbar eine Animosität gegen die Politik, was Wunder, wenn da nichts geschieht. Die Ablehnung der politischen Kommission sei einfach unverständlich. Herr Grüna u-G r ü n z w e i g: Er habe dem Streite zwischen politischem und praktischem Zionismus fern gestanden, weil er keine unüberbrückbaren Differenzen zwischen beiden finde. Der politische Zionismus hat weder für sich Erfolge noch hat der praktische Zionismus Mißerfolge aufzuweisen. Alle Meinungen haben im Zionismus Platz. Wenn die Majorität des A. C. das politische Komitee abgelehnt habe, so könne der Leitung kein Vorwurf daraus gemacht werden. Und dabei bemühe sich doch die Leitung, in politischer Hinsicht tätig Herr Dr. Herz rügt auch den Mangel an politischer Tätigkeit. Man lasse nicht die richtigen Leute an die Arbeit heran. Herr Jean Fischer möge Auskunft geben über die Vorkommnisse bei der Beratung des politischen Komitees, und ob er die Personen nennen könne, die dazu ausersehen waren. Herr Jean Fischer antwortet Herrn Grünzweig, daß sein Standpunkt als einfacher, disziplinierter Zionist sehr schön sei, daß aber ein Führer wissen müsse, wohin er hinstrebe. Herrn Dr. Herz könne er die Auskunft geben, daß das politische Komitee aus Sokolow, Nordau und Greenberg bestehen sollte. Herr Blumenfeld: Er habe noch nirgends einer solchen Debatte beigewohnt. Es sei eine Unterstellung, die jetzige Leitung als* unpolitisch hinzustellen, denn sie verfolge eine absolut politische Tendenz. Da das dreigliedrige politische Komitee vom A. C. abgelehnt worden sei, treffe die Leitung keinerlei Vorwurf. Warum haben die Vertreter des politischen Zionismus niemals ein präzises Programm vorgelegt, das man von ihnen verlangte? Nur die Herren Fischer und Marmorek seien mit der Politik des E. A. C. nicht einverstanden. Das Schlußwort zur politischen Debatte erhält Herr Torczyner: Es sei gut gewesen, daß einmal offen gesagt wurde, was viele in sich herumtrugen. Er habe in seinem Referat vielleicht die Grenzen etwas scharf gezogen, doch bleibe er im großen ganzen bei seiner Meinung. Nicht der Zionismus stagniere, sondern es sei ein Stillstand der organisierten Anhänger eingetreten. Die Zahl der Schekel beweisen dies zur Genüge. Die Mitteilungen des E. A. C. seien sehr arm an Tatsachen. Die Organisation sei nicht das Werk der jetzigen Leitung, sondern stamme von Herzl her. Der nationale Aufschwung in Oesterreich käme auch den Zionisten zugute, daher die Besserung in den österreichischen Verhältnissen. Ueber politische Tätigkeit habe man keinerlei Informationen vom E. A. C. bekommen, ein Beweis, dal'; wenig geschehe. Herr Blumenfeld meint, daß man das politische „Können“ des E. A. C. wohl bezweifeln könne, aber nicht das „Wollen“. Mit dem bloßen „Wollen“ sei es nicht getan. Quantitativ geschehe wohl manches, aber nur das Qualitative entscheide. Das E. A. C. müsse das Wollen in ein „Können“ umwandeln. Uebrigens sei es nicht sein«. Absicht gewesen, die Leitung anzugreifen, er habe die Lage geschildert, wie er sie sehe. Es tritt eine Pause ein. Die Sitzung wird um S»4 Uhr auf 9 Uhr vertagt. Um lOV-t Uhr abends eröffnete Herr J. Fischer wieder die Sitzung. Es liegt folgende Resolution vor: Die VIII. Jahreskonferenz der B. Z. F. betont die Notwendigkeit einer systematischen politischen Tätigkeit im Zionismus und spricht die Ueberzeugung aus, daß diese Arbeit nur durch ein politisches Komitee gemeinsam mit dem E. A. C. geleistet werden kann. (gez.) N. Torczyner. J. Eibenschütz. Dr. Mirkin. Dr. Rosner. M. D. Horowitz. Herr Blumenfeld bittet die Resolution abzulehnen. da sie ein Mißtrauensvotum gegen das E. A. C. in sich schließt. Herr Torczyner bittet dagegen, die Resolution anzunehmen, da von einem Mißtrauensvotum keine Rede sein könne, wenn die Mitarbeit des E. A. C. gefordert wird. Herr Jean Fischer bemerkt, daß er zwar seine Freunde gebeten habe, von der Fassung einer Resolution abzusehen, als Vorsitzender sei er jedoch verpflichtet, die Resolution zur Abstimmung zu bringen. Herr Blumenfeld verlangt die Aenderung der Worte „E. A. C.“ in „A. C.“, worauf Herr J. Fischer die Versammlung bittet, dies anzunehmen. Die Resolution wird alsdann mit 14 gegen 4 Stimmen angenommen. Herr N. Torczyner übernimmt den Vorsitz. Man kommt zu dem Punkt der Tagesordnung: Berichu der Vereine. Der vorgerückten Stunde wegen wird dieser Punkt zur Veröffentlichung in der „Hatikwah“ überwiesen. In Abwesenheit des Herrn David Wellner verliest Herr Gretzer den „Bezalel“-Bericht. Es wird folgende Resolution angenommen: Die VIII. Jahreskonferenz nimmt den Bericht der Bezald Kommission mit Zufriedenheit entgegen und spricht Herrn David Wellner für dessen unermüdliche Arbeit ihren Dank aus. Herr Sally W o 1 f f plädiert für Errichtung von Verkaufsstellen für die Produkte des Bezalel. Herr Jean Fischer berichtet über seine Korrespondenz mit Dr. R u p p i n über eine ständige Verkaufsstelle für Belgien und Holland.' Es wäre hierzu ein Kapital von 30 000 Frs. nötig. In anderen Städten arbeiten diese Verkaufsstellen mit Erfolg Auf Antrag Dr. Herz wird diese Materie dem neuen L. (. überwiesen. Hierauf folgt die Beratung über Aenderung der Statuten, an der sich die Herren Blumenfeld, Gretzer, Dembitzer, Goldmann usw. beteiligen. Der Statutenentwurf wird en bloc mit zwölf gegen für.: Stimmen angenommen. Zum Punkt „Hatikwah“ wird eine Kommission eingeset/i. die sich mit der Ausgestaltung des Blattes befassen soll. Es wird hierauf das neue Landes-Comite gewählt, bestehend aus den Herren: Jean Fischer, Heinrich Grün zweig. Heinrich Gretzer, Bruno Adler, Sally W o 1 f f; ferne: eine N. F. - Kommission aus den Herren: Oscar Fischer. S. Schm ei dl er, Flaumenhaft, Ad. Adler. Hierauf schließt Herr Jean Fischer mit Dankesworte: an alle Teilnehmer die VIII. Jahreskonferenz. Konferenz der nationaljüdischen Studenten aus Osteuropa (Schluß.) (Von unserem Berichterstatter.) Zürich. In den Beschlüssen, die die Konferenz an den letzte, drei Verhandlungstagen, zum Teil in Abstimmungen über 6:- Vorschläge der Kommissionen, faßte, wurde die Grundlag. für die Organisation des neuen Verbandes und sein

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