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Die Welt · 1909-01-29 · 5 (29.1.1909) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nu. 5 DIE ELT Persönlichkeit und sein Wirken." In geistsprühender, feuilletonistischer Art führte der Dichter dem Publikum den Werdegang des modernen, gebildeten Großstadtjuden vor Augen, der mit der Qier eines Verdurstenden die Errungenschaften der Kultur und des Geistes des ihn umgebenden Wirtsvolkes einsaugt, in ihr nicht nur lebt, sondern kämpft, um schließlich zu jenem klaffenden Abgrund zu gelangen, der sich vor jedem feinfühligen, modernen Juden früher oder später auftut und ihn zwingt, sich im Widerstreit von tausend unbeantworteten Fragen Klarheit zu verschaffen, jenen Konflikt zu lösen, den wir gemeiniglich als Judenfrage bezeichnen. Der ideale Typus jenes Juden war Theodor Herzl. Aus sich heraus fand er die Lösung des gordischen Judenknotens und schlug schließlich den Weg desjenigen ein, „der weder ein Heuchler noch ein Trottel sein will". Das Publikum, welches den Saal bis auf das letzte Plätzchen füllte, nahm die Ausführungen Saltens mit Begeisterung auf. Gelungene Rezitationen der Herren cand. phil. Heinrich Wittmann (Barissia) und Rubel beschlossen den Abend, für dessen Verlauf nicht nur Gesinnungsgenossen, sondern viele, die unserer Bewegung fernstehen,. dem Verein dankbar waren. Distriktstag des südgalizischen Distriktskomitees Das südgalizische Distriktskomitee in Stanislau beruft für Sonntag den 28. Februar 1. J. einen Distriktstag nach Stanislau ein. Tagesordnung: 1. Begrüßung; 2. Wahl der Verifikationskommission; 3. Bericht über die Tätigkeit des abtretenden D. K.; 4. Bericht der N. F.-Kommission; 5. Schekel-und Kassabericht; 6. die gegenwärtige Situation im Zionismus; 7. unsere Palästinaarbeit; 8. Erteilung des Absolutoriums an das abtretende und Wahl eines neuen D. R.; 9. Eventualia. Beginn des Distriktstages, der im Lokale des Vereines „Erez Israel", Lindengasse Nr. 3, stattfindet, um 10 Uhr vormittags. Jeder Verein und jede Verbindung entsendet je zwei Delegierte. Die p. t. Vereine und Verbindungen werden ersucht, die Namen ihrer Delegierten eine Woche vor dem Distriktstage dem Distriktskomitee bekanntzugeben. Für das südgalizische Distriktskomitee in Stanislau Regine Melier, Dr. Schur, Sekretär. Präses. England Rev. S. B. Zadikoff unternahm jüngst eine Agitationsreise durch England, Schottland und Irland, die von bestem Erfolg begleitet war. Der ausgezeichnete Redner und Propagandist hielt in Liverpool drei, in Manchester vier und in Glasgow nicht weniger als 18 Versammlungen ab. Hier war der Erfolg besonders groß. Der Grundstein zu einer hebräischen Bibliothek wurde gelegt und über 300 Mk. für den Nationalfonds wurden gesammelt. Auch in Edinbtirg, Dublin und Belfast erlangte die zionistische Tätigkeit durch das Auftreten des Herrn Zadikoff einen großen Aufschwung. In, Sunderland sprach der Redner in drei Versammlungen und gab die Anregung zur Gründung eines Volkshauses, das Herzl-Haus genannt werden soll. Es gelang, schon eine recht beträchtliche Summe für diesen Zweck zu sammeln. In New Castle und Gateshead waren die Versammlungen gleichfalls gut besucht. Ägypten Alexandrien. Das 25jährige Schriftstellerjubiläum Schalom- Aleichems wurde hier durch eine gemeinsame Veranstaltung der jüdischen Vereine gefeiert. Der jüdisch-dramatische Verein „Goldfaden" brachte zwei Stücke Schalom-Aleichems zur Aufführung. Niemals noch wurde hier in Alexandrien ein Fest gefeiert, das einen so erhebenden Verlauf nahm und in so glanzvoller Weise das jüdisch-nationale Bewußtsein demonstrierte. Der Reinertrag des Abends — 1535 Piaster twurde dem Dichter übermittelt. Amerika New York: Die Collegiate Zionist League, die aus den zionistischen Vereinen der Columbia- und New York-Universitäten und des City College besteht, veranstaltete einen sehr erfolgreichen Diskussionsabend am Samstag den 9. Januar in der Earl Hall in der Columbia-Universität. Die große Halle war von einem glänzenden Publikum gefüllt, das die Anzeige von dem Vortrage eines der größten Soziologen der neuen Welt, Professors Franklin H. Giddings, des Vorstehers der soziologischen Abteilung an der Columbia- Universität, angelockt hatte. Professor Giddings sprach über das •Thema: „Was ist eine Nation?" In höchst geistreichen Ausführungen kritisierte der Vortragende die bisherigen Begriffsbestimmungen des Begriffs Nation, um an der Hand des Beispiels der Vereinigten 111 Staaten zu folgender Definition zu kommen: Eine Nation entsteht durch den Zusammenschluß einer Anzahl Menschen, die einen gemeinsamen Lebenszweck haben und diesen Willen zum Leben mit dem Streben nach einem gemeinsamen Ziele und nach absolutem Zusammenhalt verbinden. Professor Giddings bekannte sich als warmen Freund der Zionisten, denen er voraussagte, daß es ihnen gelingen werde, das jüdische Volk in Palästina wieder zu einer Nation zu gestalten, wenn sie dort alle Kräfte an die körperliche und geistige Hebung ihres Volkes verwendeten, andernfalls werde all ihr Streben vergeblich sein. An den Vortrag schloß sich eine sehr interessante Diskussion. „Altneuland" in spaniolischer Sprache Einen Beweis für das starke Interesse, das jetzt auch die spaniolischen Juden am Zionismus nehmen, bietet das Erscheinen der spaniolischen Ausgabe von Herzls „Altneuland", deren erste Hefte dieser Tage vom Verlag Rabotnik in Philippopel herausgegeben werden. Zur Nachahmung empfohlen! Die Königsberger Zionistische Vereinigung verbreitet nachfolgendes Flugblatt: Sehr geehrter Gesinnungsgenosse! In der Mitgliederversammlung vom 5. November v. J. gelangte der Antrag des Vorstandes betreffs „Einführung einer wöchentlich zu entrichtenden Parteisteuer mit dem Normalsatz von 20 Pf. für jedes Mitglied" zur Annahme. Damit die Steuer für niemanden drückend werde, wählten wir den Normalsatz von 20 Pf. Diesen kleinen Betrag kann selbst jeder weniger bemittelte Gesinnungsgenosse hergeben, und er muß ihn für die ideale Sache hergeben können. Daß die Steuer notwendig ist, wird wohl jeder Zionist gerade im gegenwärtigen Augenblick einsehen. Durch die neuen Verhältnisse in der Türkei hat sich das Arbeitsfeld unserer Parteileitung ungemein vergrößert und erweitert. Steht die Parteileitung der veränderten Lage gerüstet und bereit gegenüber? Nein! Nicht etwa weil es ihr an gutem Willen und an Eifer und guten Plänen mangelt, sondern weil das Wichtigste fehlt, — das Geld! Wenn jeder von uns im gegenwärtigen Moment seine Pflicht erfüllt, wird aus der kleinen Steuer des einzelnen die Summe entstehen, die das Aktionskomitee zu wirklich großzügiger Tätigkeit braucht. Wir hoffen, daß niemand sich seiner Pflicht entziehen wird, daß jeder bereit ist, die wöchentliche Steuer zugunsten des Parteifonds zu zahlen. Die Beiträge werden von unserem Kassenboten jede Woche gegen Quittung abgeholt werden. Doch steht es jedem frei, für mehrere Wochen im voraus zu bezahlen. Herr Salzmann wird außerdem bereit sein, auf den Vereinsabenden die Steuer entgegenzunehmen. Damit dem Boten wiederholte Gänge erspart bleiben, bitten wir "dafür Sorge zu tragen, daß der Betrag von 20 Pf. wöchentlich auch im Falle Ihrer Abwesenheit (von Ihren Angehörigen oder Dienstboten) gegen Quittung gezahlt wird. Die Steuer beginnt mit der Woche vom 17.—24. Januar 1909. Mit Zionsgruß, Hochachtungsvoll Der Vorstand. Wien. Am 17. Januar fand die heurige ordentliche Generalversammlung des Jüdischen Turnvereins im Fünfhaus unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder statt. Nach Eröffnung unseres bewährten Obmannes Herrn Rudolf Elkan, erstattete derselbe einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre und hob u. a. hervor, daß durch die hingebungsvolle Arbeit des Turnrates es ihm gelungen ist, das heurige Vereinsjahr zu dem schönsten und erfolgreichsten zu gestalten. Hierauf ergriff Se. Ehrw. Herr Dr. Max Grunwald das Wort zu einer mit Begeisterung aufgenommenen Rede, in der er die besondere Wichtigkeit des Turnens unter den Juden betonte und darüber seiner Freude Ausdruck gab, daß sich unser Verein aus den fast unüberbrückbaren Schwierigkeiten in so kurzer Zeit zu solcher Blüte emporschwingen konnte. Mit großem Beifall wurde der Turnbericht unseres lieben aufopfernden Turnwartes Herrn cand. ing. Theodor Steinherz aufgenommen. Der Turnbesuch wiesgegen das Vorjahr ein ausgezeichnet günstiges Ergebnis auf. Auch der günstige Kassabericht unseres Kassierers Herrn cand. ing. Josef Kirschmann zeigte uns, daß wir im Berichtsjahre auch finanzielle Fortschritte machten.

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